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Afghanistan Panetta: Bis zu 12.000 Soldaten nach Isaf-Abzug

Nach einer Sitzung der Nato-Verteidigungsminister herrscht Uneinigkeit über die künftige Truppenstärke in Afghanistan. Der Gesamtumfang der Nachfolgemission soll offenbar 8000 bis 12.000 Soldaten betragen.

© REUTERS Gemeinsamer Rückzug: Leon Panetta (dritter von rechts) im Nato-Hauptquartier in Brüssel

Über die künftige Truppenstärke der Nato in Afghanistan sind nach einer Sitzung der Nato-Verteidigungsminister Irritationen entstanden. Während Verteidigungsminister de Maizière nach der Sitzung zunächst berichtete, der amerikanische Verteidigungsminister Leon Panetta habe erstmals eine Präsenz von 8000 bis 12.000 amerikanischen Soldaten für die internationale Nachfolgemission des Isaf-Einsatzes von 2015 an genannt, widersprach Panetta kurz darauf dieser Aussage: Die Zahl von 8000 bis 12.000 Mann habe sich auf den gesamten Umfang der Nachfolgemission bezogen - also auch die Truppen-Anteile aller anderen Nato-Staaten einschließlich Deutschlands einbezogen.

Auch de Maizière korrigierte seine ursprünglichen Äußerungen alsbald entsprechend. Er teilte am Nachmittag auf dem Flug von Brüssel in die Türkei mit, er habe sich „missverständlich ausgedrückt“, in dem er die genannten Zahlen „allein den Amerikanern zugeordnet“ habe; sie bezögen sich vielmehr auf „einen möglichen gesamten internationalen post-Isaf Ansatz“. Es hatte zunächst auch geheißen, das Missverständnis könne dadurch entstanden sein, dass die Vereinigten Staaten nach 2014 womöglich auch Truppen außerhalb eines Nachfolgemandates in direkter Übereinkunft der afghanischen Regierung im Land halten würden, um die um die afghanischen Streitkräfte gezielt im Antiterrorkampf zu unterstützen.

De Maizière hatte in seiner ersten, später korrigierten Stellungnahme, noch ausgehend von einem amerikanischen Kontingent zwischen 8000 und 12000 Soldaten, weiter ausgeführt, daraus lasse sich ableiten, dass die Nato-Nachfolgemission nicht allein auf Kabul beschränkt sein müsse, sondern auch einen „regionalen Ansatz“ verfolgen könne, also außerhalb der afghanischen Hauptstadt die Stationierung internationaler Ausbildungskontingente möglich sei. De Maizière hatte weiter angegeben, Panetta habe sogar „Deutschland offiziell gebeten, auch im Norden eine Rolle zu übernehmen“. Im gegenwärtigen Isaf-Einsatz versieht Deutschland die Rolle der Führungsnation im Norden Afghanistans. Der deutsche Verteidigungsminister legte sich nicht auf eine Zusage fest.

De Maizière: Künftige Präsenz wird sich ändern

De Maizière gab an, es werde „von den Umständen abhängen“, ob Deutschland nach 2014 weiter in Mazar-i-Sharif im Norden Afghanistans präsent sein wird. Dies sei unter anderem auch davon abhängig, ob die internationale Unterstützung anderer Truppensteller-Nationen in dieser Zeit aufrechterhalten werde. De Maizière äußerte, die künftige internationale Truppenpräsenz in Afghanistan werde sich stark vom gegenwärtigen Mandat unterscheiden. Die Mission „Resolute Support“ solle von 2015 an „Training, Ausbildung und Unterstützung“ für die afghanischen Truppen leisten. Es werde eine „beratende Rolle“ sein, „kein Kampfmandat“, sagte der Verteidigungsminister. Allerdings würden die Sicherheitsumstände zu beachten sein; der Schutz der internationalen Truppen müsse gewährleistet sein.

Bislang war auch in deutschen Sicherheitskreisen kalkuliert worden, eine höhere amerikanische Truppenpräsenz werde notwendig sein, um eine fortdauernde Anwesenheit der Bundeswehr im Norden Afghanistans zu gewährleisten.

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Quelle: F.A.Z./Lt.

 
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