http://www.faz.net/-gpf-775iz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 22.02.2013, 16:35 Uhr

Afghanistan Panetta: Bis zu 12.000 Soldaten nach Isaf-Abzug

Nach einer Sitzung der Nato-Verteidigungsminister herrscht Uneinigkeit über die künftige Truppenstärke in Afghanistan. Der Gesamtumfang der Nachfolgemission soll offenbar 8000 bis 12.000 Soldaten betragen.

© REUTERS Gemeinsamer Rückzug: Leon Panetta (dritter von rechts) im Nato-Hauptquartier in Brüssel

Über die künftige Truppenstärke der Nato in Afghanistan sind nach einer Sitzung der Nato-Verteidigungsminister Irritationen entstanden. Während Verteidigungsminister de Maizière nach der Sitzung zunächst berichtete, der amerikanische Verteidigungsminister Leon Panetta habe erstmals eine Präsenz von 8000 bis 12.000 amerikanischen Soldaten für die internationale Nachfolgemission des Isaf-Einsatzes von 2015 an genannt, widersprach Panetta kurz darauf dieser Aussage: Die Zahl von 8000 bis 12.000 Mann habe sich auf den gesamten Umfang der Nachfolgemission bezogen - also auch die Truppen-Anteile aller anderen Nato-Staaten einschließlich Deutschlands einbezogen.

Auch de Maizière korrigierte seine ursprünglichen Äußerungen alsbald entsprechend. Er teilte am Nachmittag auf dem Flug von Brüssel in die Türkei mit, er habe sich „missverständlich ausgedrückt“, in dem er die genannten Zahlen „allein den Amerikanern zugeordnet“ habe; sie bezögen sich vielmehr auf „einen möglichen gesamten internationalen post-Isaf Ansatz“. Es hatte zunächst auch geheißen, das Missverständnis könne dadurch entstanden sein, dass die Vereinigten Staaten nach 2014 womöglich auch Truppen außerhalb eines Nachfolgemandates in direkter Übereinkunft der afghanischen Regierung im Land halten würden, um die um die afghanischen Streitkräfte gezielt im Antiterrorkampf zu unterstützen.

De Maizière hatte in seiner ersten, später korrigierten Stellungnahme, noch ausgehend von einem amerikanischen Kontingent zwischen 8000 und 12000 Soldaten, weiter ausgeführt, daraus lasse sich ableiten, dass die Nato-Nachfolgemission nicht allein auf Kabul beschränkt sein müsse, sondern auch einen „regionalen Ansatz“ verfolgen könne, also außerhalb der afghanischen Hauptstadt die Stationierung internationaler Ausbildungskontingente möglich sei. De Maizière hatte weiter angegeben, Panetta habe sogar „Deutschland offiziell gebeten, auch im Norden eine Rolle zu übernehmen“. Im gegenwärtigen Isaf-Einsatz versieht Deutschland die Rolle der Führungsnation im Norden Afghanistans. Der deutsche Verteidigungsminister legte sich nicht auf eine Zusage fest.

De Maizière: Künftige Präsenz wird sich ändern

De Maizière gab an, es werde „von den Umständen abhängen“, ob Deutschland nach 2014 weiter in Mazar-i-Sharif im Norden Afghanistans präsent sein wird. Dies sei unter anderem auch davon abhängig, ob die internationale Unterstützung anderer Truppensteller-Nationen in dieser Zeit aufrechterhalten werde. De Maizière äußerte, die künftige internationale Truppenpräsenz in Afghanistan werde sich stark vom gegenwärtigen Mandat unterscheiden. Die Mission „Resolute Support“ solle von 2015 an „Training, Ausbildung und Unterstützung“ für die afghanischen Truppen leisten. Es werde eine „beratende Rolle“ sein, „kein Kampfmandat“, sagte der Verteidigungsminister. Allerdings würden die Sicherheitsumstände zu beachten sein; der Schutz der internationalen Truppen müsse gewährleistet sein.

Bislang war auch in deutschen Sicherheitskreisen kalkuliert worden, eine höhere amerikanische Truppenpräsenz werde notwendig sein, um eine fortdauernde Anwesenheit der Bundeswehr im Norden Afghanistans zu gewährleisten.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z./Lt.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Russland und die Ukraine Merkel will Balten gegen jede Gefahr beistehen

Estland, Lettland und Litauen fühlen sich durch das russische Vorgehen in der Ukraine bedroht. Kanzlerin Merkel verspricht ihnen jedoch Beistand. Russland führt derweil Militärübungen an der ukrainischen Grenze durch. Mehr

25.08.2016, 17:13 Uhr | Politik
Kabul in Afghanistan Tote nach Angriff auf Amerikanische Universität

Bei einem Angriff auf die Amerikanische Universität in Kabul sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. Zu dem Angriff bekannte sich zunächst niemand. Mehr

25.08.2016, 15:40 Uhr | Politik
Außenminister Waszczykowski Polen wirft Deutschland egoistische Außenpolitik vor

Flüchtlingsfrage, Ostsee-Pipeline, Haltung zu Russland: Polens Außenminister kritisiert Deutschlands Außenpolitik und wünscht sich kurz vor dem Eintreffen von Kanzlerin Merkel in Warschau mehr Rücksicht auf die Bündnispartner. Mehr

26.08.2016, 05:48 Uhr | Politik
UN-Nothilfekoordinator Abschlachten in Syrien ist sündhaft

UN-Nothilfekoordinator Stephen O’Brien hat in einer Sitzung der Vereinten Nationen zu Syrien mit seiner Meinung nicht zurück gehalten. Er bezeichnete das Abschlachten in Syrien als Frevel gegen jede Moral: Das ist ein Versagen der Politik, von jedem von uns. Und Sie, als Mitglieder des UN-Sicherheitsrates, wissen das. Mehr

24.08.2016, 14:16 Uhr | Politik
Auslandseinsätze Diese vertrackten Kriegsentscheidungen

Afghanistan, Syrien, Libyen - die Bilanz vieler Militäreinsätze der jüngsten Zeit ist nicht gerade positiv. Warum sollte es auch anders sein? Motive, Ziele und Einsatzkalküle der oftmals vielen Akteure kommen sich gegenseitig in die Quere. Doch was tun, weil wir uns nicht heraushalten können? Mehr Von Professor Dr. Wilfried von Bredow

26.08.2016, 12:03 Uhr | Politik

Ein verlorener Ruf

Von Berthold Kohler

Nichts belastet das Verhältnis Deutschlands zu den ostmitteleuropäischen Ländern stärker als die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin. Mehr 251