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Afghanistan Offensive gegen die Taliban offenbar ohne Erfolg

11.08.2009 ·  Die Taliban vor den Toren Kabuls: Drei Wochen vor den Wahlen in Afghanistan hat der Befehlshaber der internationalen Truppen in Afghanistan, der amerikansiche General Stanley McChrystal, einen alarmierenden Lagebericht gegeben.

Von Matthias Rüb und Christoph Ehrhardt
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Anderthalb Wochen vor der Präsidentenwahl in Afghanistan hat der Befehlshaber der internationalen Truppen in Afghanistan, der amerikanische Heeresgeneral Stanley McChrystal, vor einem weiteren Erstarken der Taliban gewarnt. Gegenwärtig seien die Taliban auf dem Vormarsch, sagte McChrystal der Tageszeitung „Wall Street Journal“. „Sie sind derzeit ein sehr aggressiver Feind“, sagte der General, der Mitte Juni das Kommando über die Nato-geführte Schutztruppe Isaf übernommen hat. „Wir müssen ihre Dynamik, ihre Initiative stoppen. Das ist ein hartes Stück Arbeit“, sagte McChrystal, der vor Beginn der von ihm angeordneten amerikanischen Truppenverstärkung in Afghanistan und der Offensive der amerikanischen Marineinfanterie in der Südprovinz Helmand vor einer höheren Opferzahl in den eigenen Reihen gewarnt hatte.

Präsident Obama hat jüngst die Verstärkung der amerikanischen Truppen in Afghanistan um 21.000 auf 68.000 Mann bewilligt. Die zusätzlichen Soldaten, die zum Teil direkt aus dem Irak nach Afghanistan geschickt werden, sollen dort spätestens am Jahresende einsatzbereit sein. Bis Ende August wird in Washington eine erste Einschätzung McChrystals über die Entwicklung seit dem Strategiewechsel erwartet, der von McChrystal und dem Chef des für die Region zuständigen Zentralkommandos der amerikanischen Streitkräfte, Heeresgeneral David Petraeus, durchgesetzt worden war. Ziel der neuen Strategie ist der Schutz der Bevölkerung, nicht die Tötung möglichst vieler Aufständischer. In Washington heißt es, McChrystal und Petraeus könnten weitere 10 000 Mann für den Afghanistan-Einsatz fordern.

Selbstmordkommando

Die Taliban griffen derweil in der Provinz Logar Regierungsgebäude und das Hauptquartier der Polizei an. Ein Selbstmordkommando stürmte eine Polizeistation in der Provinzhauptstadt Pul-i-Alam, die etwa eine Stunde Autofahrt von der Hauptstadt Kabul entfernt liegt. Zwei Polizisten und vier Angreifer seien dabei getötet worden, teilte die Polizei mit. Sechs Angreifer hätten sich in einem benachbarten Gebäude verschanzt und von dort Raketen auf Regierungsgebäude abgefeuert, hieß es weiter. Die Taliban teilten mit, sechs mit Panzerabwehrwaffen und Sturmgewehren bewaffnete Selbstmordattentäter seien in Pul-i-Alam eingedrungen, um den Sitz des Gouverneurs, das Polizeihauptquartier und das Wahlbüro anzugreifen. Im Norden Afghanistans wurde nahe der Stadt Kundus abermals eine Bundeswehr-Patrouille beschossen. Die Bundeswehr teilte mit, die Soldaten seien mit Handwaffen und Panzerfäusten angegriffen worden, verletzt worden sei niemand. Zuvor hatte in Kundus ein Selbstmordattentäter einen Konvoi belgischer Isaf-Soldaten angegriffen. Dabei kamen aber nach Angaben örtlicher Behörden weder Soldaten noch Zivilisten zu Schaden.

Angriffe und Attentate haben in den vergangenen Wochen zugenommen. Die Taliban operieren inzwischen in allen Provinzen. Sie versuchen die Bevölkerung einzuschüchtern und davon abzuhalten, sich an der Präsidentenwahl am 20. August zu beteiligen, die sie als „betrügerisch“ ablehnen. Westliche und afghanische Offizielle fürchten, viele Afghanen könnten aus Angst nicht zur Wahl gehen. Die Regierung in Kabul schätzt die Sicherheitslage selbst als äußerst schlecht ein. Offizielle gestehen ein, dass es auf gut einem Viertel des Staatsgebiets ernsthafte Probleme mit Blick auf die Sicherheit der Wahl gebe.

Liste mit 320 Talibanführern

Unterdessen setzte das Pentagon nach amerikanischen Medienberichten 50 afghanische Drogenhändler mit Verbindungen zu den Taliban auf eine Fahndungsliste und gab sie zur gezielten Tötung frei. Die Führung der amerikanischen Streitkräfte in Afghanistan informierte demnach den Kongress über die neue Anordnung, die mit nationalem und internationalem Recht vereinbar sei. Ziel sei es, den Drogenhandel als eine der wichtigsten Einnahmequellen der Taliban zu bekämpfen. Zwei Generäle sagten in vertraulicher Sitzung vor dem Auswärtigen Ausschuss des Senats, auch Drogenhändler mit nachgewiesenen Verbindungen zu den Taliban könnten auf die Fahndungs- und Tötungsliste gesetzt werden, auf der knapp 320 Rebellenführer stehen.

In Pakistan äußerte Innenminister Rehman Malik gegenüber dem Sender BBC am Montag die Sorge, das Terrornetz Al Qaida könne den Nachfolger des pakistanischen Taliban-Führers Baitullah Mehsud bestimmen. Derweil wies Hakimullah Mehsud, der Stellvertreter Baitullah Mehsuds, am Montag offenbar abermals Berichte über dessen Tod zurück. Er bestritt zugleich Berichte aus der pakistanischen Regierung über einen Machtkampf innerhalb der Taliban. Es hatte geheißen, Hakimullah Mehsud sei möglicherweise bei einer Schießerei im Zuge des Streits um die Nachfolge Baitullah Mehsuds getötet worden. Hakimullah Mehsud sprach nach Angaben der Nachrichtenagentur AP am Telefon mit einem Reporter, dem dessen Stimme vertraut ist. Pakistan und die Vereinigten Staaten sehen den Tod Baitullah Mehsuds trotz der Dementis ranghoher Taliban-Führer als gesichert an.

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