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Afghanistan Obama erwägt vollständigen Abzug

 ·  Präsident Obama erwägt nach einem Bericht der „New York Times“ einen vollständigen Abzug aller amerikanischen Soldaten aus Afghanistan bis Ende 2014. Diese Option sei nach seinem jüngsten Zerwürfnis mit dem afghanischen Präsident Karzai wahrscheinlicher geworden.

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© REUTERS Vergrößern Getrennte Wege? Die Präsidenten Obama und Karzai vor einer Pressekonferenz im Weißen Haus im Januar 2013

Die amerikanische Regierung zieht angeblich ernsthaft in Erwägung, Ende nächsten Jahres alle Soldaten aus Afghanistan abzuziehen. Das berichtete die „New York Times“ am Dienstag unter Berufung aus Washington.

Dass über diese Option, die in der Vergangenheit nur für den allerschlimmsten Fall vorgesehen gewesen sei, inzwischen nachgedacht werde, habe mit dem angespannten Verhältnis zwischen den Regierungen in Kabul und Washington zu tun. Als unmittelbarer Anlass wurde ein Videogespräch zwischen den Präsidenten Karzai und Obama angeführt, in dem der Afghane die Amerikaner beschuldigte, sie wollten hinter seinem Rücken einen Handel mit den Taliban abschließen.

Unmut über Friedensgespräche mit Taliban

Die Frage, wer mit den Aufständischen sprechen solle, hatte kürzlich zu viel Unmut zwischen beiden Seiten geführt und geplante Friedensgespräche der Amerikaner mit den Taliban verhindert. Strittig ist außerdem, ob die Amerikaner nach 2014 weiter Operationen gegen die Taliban in Pakistan führen sollten, was Kabul wünscht. Deshalb stocken die Verhandlungen über ein neues Sicherheitsabkommen zwischen beiden Seiten. 

Die Amerikaner wollen, wie die Nato insgesamt, Ende 2014 ihre Kampftruppen abziehen und nur noch eine kleine Truppe zur Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte am Hindukusch lassen. Ihr vollständiger Abzug würde mit hoher Wahrscheinlichkeit die geplante Ausbildungsmission der Nato in Afghanistan in Frage stellen, an der sich auch die Bundeswehr beteiligen soll. Die Amerikaner sollen das größte Kontingent dieser Truppe stellen, weshalb sie ohne ihr Mitwirken politisch und militärisch äußerst schwierig zu verwirklichen wäre.

„Option null“ als Warnschuss

Obama hat bisher noch nicht entschieden, wie groß der amerikanische Anteil sein soll, weil es hierüber offenbar Differenzen zwischen Weißem Haus und Pentagon gibt. In der Nato hat die amerikanische Regierung bisher aber alle Beschlüsse zur Vorbereitung der Mission mitgetragen. Derzeit wird der Operationsplan vorbereitet. 

Diplomaten in Brüssel sagten, die amerikanische Regierung habe im Bündnis nie von einem vollständigen Abzug gesprochen. Das Thema komme periodisch in der Presse hoch. In der „New York Times“ wurden die Überlegungen zur „Option null“ als Warnschuss an Karzai bezeichnet, ein Beschluss sei noch nicht gefasst. Die Bundesregierung hat angeboten, 600 bis 800 Soldaten für die Ausbildungsmission zu stellen.

In Afghanistan sind momentan noch 63.000 Soldaten stationiert, davon stellt Deutschland etwa 4300. Die Vereinigten Staaten waren nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in Afghanistan einmarschiert, um die Taliban zu stürzen. Sie warfen dem Regime vor, Mitgliedern des Terrornetzes Al Qaida Unterschlupf zu gewähren, das für den Angriff auf das World Trade Center verantwortlich war.

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09.07.2013, 15:43 Uhr

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