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Afghanistan Niederlande beenden Isaf-Einsatz

01.08.2010 ·  Nach vier Jahren Einsatz ziehen die Niederlande ihre Truppen aus Afghanistan ab. Der oberste Kommandeur der Streitkräfte, Peter van Uhm, zog trotz 24 getöteter Soldaten eine insgesamt positive Bilanz der innenpolitisch umstrittenen Mission.

Von Michael Stabenow
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Mit der Übertragung des militärischen Kommandos an amerikanische und australische Truppen ist am Sonntag der Einsatz niederländischer Soldaten in Afghanistan offiziell beendet worden. Am Streit über die von den Nato-Partnern befürwortete Verlängerung der ursprünglich bis zum Jahresende befristeten Mission als Teil der internationalen Afghanistan-Schutztruppe (Isaf) war im Februar die Haager Koalition aus Christlichen Demokraten, Sozialdemokraten und der calvinistischen Christenunion zerbrochen. Zuletzt waren als Teil der von der Nato geführten internationalen Truppen noch 1955 Soldaten in der südafghanischen Provinz Urusgan stationiert.

In den Niederlanden war der am 1. August 2006 begonnene Einsatz in der als gefährlich eingestuften Region Urusgan stets umstritten gewesen. Die Sozialdemokraten hatten bei ihrem Eintritt in die Regierung darauf beharrt, den Einsatz bis August 2010 zu befristen. Während sich der christlich-demokratischen Ministerpräsident Jan Peter Balkenende im vergangenen Februar aufgeschlossen für die Nato-Forderung nach einer Verlängerung des Mandats der niederländischen Truppen gezeigt hatte, blieben die Sozialdemokraten hart und zogen sich damals aus der Regierung zurück. Schon Ende September 2009 hatte sich der damalige Finanzminister und politische Führer der Sozialdemokraten, Wouter Bos, unter dem Eindruck der vom christlich-demokratischen Außenminister Maxime Verhagen befürworteten Mandatsverlängerung öffentlich darauf festgelegt, sich diesem Ansinnen zu widersetzen.

24 niederländische Soldaten starben

Während die Sozialdemokraten und andere oppositionelle Parteien bei ihrer überwiegend kritischen Einschätzung des Urusgan-Einsatzes blieben, zog der oberste Kommandeur der niederländischen Streitkräfte, Peter van Uhm, jetzt eine insgesamt positive Bilanz. Die Truppen seines Landes hätten in Afghanistan „spürbare Ergebnisse erreicht, auf die die Niederländer stolz sein können“. Er verwies insbesondere auf die verbesserte Sicherheit für die Zivilbevölkerung sowie auf Fortschritte in der Wirtschaft sowie bei gesundheitlicher Versorgung und Bildung in der Region. „Das eindrucksvollste Beispiel ist für mich, dass der frühere Bildungsminister in Urusgan selbst weder lesen noch schreiben konnte“, sagte van Uhm in einem Gespräch mit der Zeitung „De Volkskrant“.

Insgesamt starben seit 2006 in der südafghanischen Provinz 24 niederländische Soldaten, weitere 140 wurden schwer verletzt. Nach niederländischen Angaben gab es während des Einsatzes unter der Zivilbevölkerung der Region 90 Todesopfer. Aus dem niederländischen Haushalt flossen seit 2006 insgesamt 1,4 Milliarden Euro in den militärischen Einsatz. Die Entwicklungshilfe belief sich auf rund 620 Millionen Euro. Rund ein Fünftel dieses Geldes war für Urusgan bestimmt.

Van Uhm verteidigte den „niederländischen Ansatz“ in Afghanistan. Es sei um eine Kombination militärischer und diplomatischer Mittel mit Entwicklungshilfe gegangen, um das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen. Der Kommandeur, dessen Sohn 2008 bei einem Anschlag in Afghanistan getötet worden war, bezeichnete es als unfair, die Mission allein an der Zahl der Todesopfer zu messen. Man dürfe nicht vergessen, was sich am 11. September 2001 in New York und später bei den Anschlägen in Madrid (2004) und London (2005) ereignet habe. Die niederländische Verfassung sehe vor, dass das Land zur internationalen Rechtsordnung beitragen solle. „Wenn wir nur ein Steinchen dazu beitragen, aus Afghanistan ein besseres Lad zu machen, verbessert sich dadurch auch die Welt, einschließlich der Niederlande“, sagte van Uhm.

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