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Afghanistan „Mord an deutschem Entwicklungshelfer war Terrorakt“

09.03.2007 ·  Die Ermordung des deutschen Entwicklungshelfers im Norden Afghanistans war nach Ansicht der Deutschen Welthungerhilfe politisch motiviert. Inzwischen hat die afghanische Polizei sechs Verdächtige festgenommen.

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Die Ermordung des deutschen Entwicklungshelfers im nordafghanischen Sar-i-Pul war nach Ansicht der Deutschen Welthungerhilfe politisch motiviert gewesen. Die Tötung des 65-jährigen Ingenieurs Dieter Rübling sei „kein Raubüberfall“ gewesen, teilte die Entwicklungshilfeorganisation am Freitag in Berlin mit. Es müsse vielmehr von einem „ideologischen Motiv“ ausgegangen werden. Inzwischen seien sechs Tatverdächtige festgenommen worden, so die Organisation weiter.

Nach dem Mord an dem deutschen Entwicklungshelfer in Nordafghanistan hat die Polizei am Freitag sechs Verdächtige festgenommen. „Sie werden jetzt von der Polizei verhört“, sagte der Gouverneur der Provinz Sar-e-Pul, Sayed Mohammad Iqbal Munib. Die Männer würden verdächtig, an dem Mord beteiligt gewesen zu sein. Mehr als 100 zusätzliche Polizisten seien zur Verstärkung in die Region geschickt worden, um die Täter zu fassen. Gemeinsame Ermittlungen mit der Nato-geführten Internationalen Schutztruppe Isaf seien angelaufen. Der Mitarbeiter der Deutschen Welthungerhilfe war am Donnerstag erschossen worden. (Siehe auch: Deutscher Entwicklungshelfer in Afghanistan erschossen)

Gefährliche Aufbauhilfe

Der aus dem baden-württembergischen Weikersheim stammende Rübling sollte den Angaben zufolge lediglich drei Monate in Afghanistan bleiben. Rübling sei am Donnerstag mit afghanischen Helfern in zwei Fahrzeugen unterwegs gewesen, als bewaffnete Männer den Konvoi gestoppt hätten. Nachdem die afghanischen Helfer dafür beschimpft worden seien, dass sie für eine ausländische Organisation arbeiteten, seien sie weggeschickt worden.

Video: Nato beginnt „Operation Achilles“ in Afghanistan

Dann hätten die Männer auf den Deutschen geschossen, der noch vor Ort seinen schweren Verletzungen erlegen sei. Der Überfall ereignete sich gegen 12.30 Uhr deutscher Zeit. Der Mitarbeiter der Deutschen Welthungerhilfe befand sich in Afghanistan, um gemeinsam mit einheimischen Ingenieuren verschiedene Baustellen zu besichtigen. Die Organisation beteiligt sich im Norden des Landes am Wiederaufbau von Schulen, Brücken und Krankenhäusern.

„Keine falsche Schlüsse“

Der Tod des deutschen Aufbauhelfers in Afghanistan ist nach Ansicht von Politikern der großen Koalition kein Argument gegen den Tornado-Einsatz, dem der Bundestag am Freitagmittag zugestimmt hat. (Siehe auch: Bundestag beschließt Tornado-Einsatz in Afghanistan)

Aufklärung zu schaffen sei gerade angesichts des riskanten Einsatzes für Helfer wie Soldaten wichtig, sagte Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) im Südwestrundfunk. Der SPD-Abgeordnete Niels Annen warnte nach dem Überfall davor, „falsche Schlüsse“ für den deutschen Einsatz am Hindukusch zu ziehen. Die Soldaten wünschen sich nach den Worten des Wehrbeauftragten Reinhold Robbe (SPD) eine breite Zustimmung im Bundestag zur Entsendung deutscher Tornados.

Jung sagte, es sei eine Tatsache, dass die Gefahrensituation im vergangenen Jahr zugenommen habe, nicht nur für Soldaten, sondern auch für Mitarbeiter von Hilfsorganisationen. „Es ist ein riskanter Einsatz und deshalb zusätzliche Sicherheit zu erhöhen, Aufklärung zu schaffen, ist genau auch in diesem Interesse.“

Annen sagte, der Überfall auf den Mitarbeiter der Welthungerhilfe zeige vor allem, dass Deutschland seine „zivilen Anstrengungen noch verstärken“ müsse. Er verteidigte den Tornado-Einsatz, forderte zugleich jedoch ein noch stärkeres Engagement bei der Polizei-Ausbildung, bei wichtigen Infrastrukturprojekten und dem Aufbau des afghanischen Staates.

Taliban: Entführter italienischer Reporter könnte freikommen

Die afghanischen Taliban haben unterdessen die Freilassung eines entführten italienischen Journalisten zugesagt, wenn er nachweislich kein Spion sein sollte. Allerdings habe „La Repubblica“-Reporter Daniele Mastrogiacomo bereits eingeräumt, für die britische Armee zu spionieren, erklärte Taliban-Sprecher Mullah Hajat Chan am Freitag. Die Rebellen hätten bei ihm eine Videokamera, ein Satellitentelefon und in Shampooflaschen versteckte Lasergeräte gefunden. Laser werden häufig von Bodentruppen eingesetzt, um Ziele für einen Luftangriff zu markieren.

Der 52 Jahre alte Daniele Mastrogiacomo wird seit Montag vermisst. Die radikalislamischen Taliban erklärten, sie hätten ihn in der südlichen Provinz Helmand verschleppt und bezichtigten ihn der Spionage für die britischen Truppen. „La Repubblica“ wie die Vorwürfe zurück und gab an, Mastrogiacomo habe seit dem 28. Februar aus Afghanistan für sie berichtet. Hunderte Demonstranten forderten am Donnerstag in Rom die Freilassung des Journalisten. Der Krisenstab des italienischen Außenministeriums verlangte als Voraussetzung zu Verhandlungen Beweise, dass Mastrogiacomo noch am Leben sei.

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