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Afghanistan : Mit großem Kaliber gegen die Taliban

Zum Schutz und zur Verteidigung der deutschen Soldaten wurde die Anzahl der Panzer erhöht Bild: ddp

Die Bundeswehr setzt in Afghanistan zunehmend schwere Waffen ein. Ob Marder, Dingo oder Fuchs - jeder Panzer ist für einen speziellen Zweck geeignet. Nur auf dem neuesten Stand der Technik sind sie oft nicht. Und die Aufständischen erweisen sich als lernfähig.

          Wenn gefragt wurde, ob die deutschen Soldaten für ihren Einsatz in Afghanistan gut genug ausgerüstet sind, hat die militärische Führung lange so geantwortet: Der Schutz müsse verbessert werden, doch an Feuerkraft mangele es nicht. Der einstige Generalinspekteur Schneiderhan bekräftigte das noch im Frühjahr, als er vom Verteidigungsausschuss über die Bombardierung von Taliban bei Kundus einvernommen wurde.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Tatsächlich wurde die Zahl an geschützten Fahrzeugen kontinuierlich erhöht – wenn auch für die durch Sprengsätze und Feuerüberfälle bedrohte Truppe zu langsam. Gefechtsfahrzeuge wurden hingegen bis zum vergangenen Sommer nicht eingesetzt. Wurden die Soldaten beschossen, schossen sie im wesentlichen mit Gewehr und Maschinengewehr zurück. Inzwischen aber setzt die Bundeswehr zunehmend auf größere Kaliber.

          Der „Marder“ als gepanzerte Reserve

          Zwar wurden schon bis Anfang 2007 vier Schützenpanzer des Typs Marder als „gepanzerte Reserve“ an den Hindukusch verlegt. Die Einsatzführung reagierte damit auf eine zumindest punktuell immer bedrohlichere Lage auch im Norden, wo die meisten Bundeswehrsoldaten eingesetzt sind. Der Marder hat eine 20-Millimeter-Maschinenkanone, die gegen einen ungepanzerten Feind verheerende Sprengbrandmunition verschießen kann.

          Der Dingo bewahrt die Insassen am besten vor versteckten Spregsätzen

          Seine ersten Modelle wurden in den sechziger Jahren für den Kalten Krieg in Mitteleuropa gebaut. Doch in Afghanistan erwies sich der 38 Tonnen schwere Schützenpanzer zunächst als praktisch unbrauchbar. Im Kampfraum, der einer Schützengruppe von sechs Panzergrenadieren Platz bietet, stieg die Temperatur im afghanischen Sommer schnell auf mehr als 80 Grad. Die Hitze, das schwere Gelände und die schwere Zusatzpanzerung gegen Minen führten auch Motor und Antrieb schnell an die Grenzen. Kühlsystem und Kette mussten fliegend nachgebessert werden.

          Immerhin, so schreiben zwei Offiziere und ein Hauptfeldwebel über ihre Einsatzerfahrungen im Fachblatt „Strategie und Technik“, hätte man den Marder Anfang 2008 endlich einsetzen können, als die Bundeswehr erstmals die Kampfreserve QRF gestellt hatte.

          „Dieser Einsatz stand jedoch zunächst noch unter Billigungsvorbehalt des Generalinspekteurs, weil er eine besondere Eskalation bedeutet hätte.“ Erst infolge der heftigen Kämpfe bei Kundus zwischen April und Juni vergangenen Jahres reifte bei der Einsatzführung die Erkenntnis, dass diese Eskalation nun nötig sei.

          Der „Dingo“ - am bekanntesten und sichersten

          Denn die geschützten Fahrzeuge – am bekanntesten und auch sichersten ist der Dingo – bewahren zwar die Insassen vor dem Schlimmsten, wenn ein versteckter Sprengsatz hochgeht. Aber um zurückzuschießen, muss man herausklettern. Im vorigen Jahr wurde immerhin eine Waffenstation nachgerüstet, die es erlaubt, aus dem Inneren des Autos mit einem Maschinengewehr zu schießen.

          Eine neuere Version, die auch eine Granatmaschinenwaffe oder ein schweres Maschinengewehr einsetzen kann, wird erst dieser Tage nach Afghanistan gebracht. Zunächst sollen 25 Dingos damit ausgestattet werden.

          Der „Fuchs“ wird bei Patrouillen eingesetzt

          Zunehmend haben die Kampftruppen bei ihren Patrouillen daher auf den Transportpanzer Fuchs gesetzt, der zwar auch keine schwerere Bordwaffe hat, aber zumindest Luken, durch welche die Soldaten mit ihren Gewehren schießen können, um Angreifer wenigstens niederzuhalten. Das Verteidigungsministerium will jetzt – ausweislich einer Vorlage ans Finanzministerium – 65 weitere Fuchs-Panzer nachrüsten, damit sie für den Afghanistaneinsatz tauglich sind.

          Die zusätzlich gegen Sprengfallen geschützte Version dieses Panzers, dessen Grundmodell ebenfalls aus den sechziger Jahren stammt, wird in der Truppe schon fast liebevoll „Superfuchs“ genannt. Allerdings geht die Umrüstung nicht so schnell: Die Fahrzeuge müssen erst aus der Truppe – teils vom Balkan-Einsatz – herausgelöst werden.

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