30.08.2007 · Die Taliban wollen heute die verbliebenen koreanischen Geiseln freilassen. Berlin distanziert sich vom Vorgehen Seouls, Politiker der Union und der Grünen kritisieren die Verhandlungen der Südkoreaner mit den islamistischen Rebellen.
In Afghanistan wollen die Taliban laut den Angaben eines Sprechers die verbliebenen sieben südkoreanischen Geiseln noch im Verlauf des Tages freilassen. Diese Absicht habe Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi bekundet, berichtete der südkoreanische Rundfunksender KBS am Donnerstag. Unterdessen kritisierten deutsche Politiker die Verhandlungen der südkoreanischen Regierung mit den Rebellen.
Sechs Wochen nach Beginn des Geiseldramas hatten die radikalislamischen Taliban am Mittwoch 12 von 19 Geiseln freigelassen. Am Tag zuvor hatten sich Vertreter der Rebellen und der Regierung in Seoul auf die Freilassung aller Geiseln verständigt. Südkorea hatte dabei zugesichert seine etwa 200 Soldaten wie bereits zuvor beschlossen bis Jahresende aus Afghanistan abzuziehen. Zudem sollten keine christlichen Missionare mehr Afghanistan bereisen. Lösegeld wurde nach Angaben aus Seoul nicht gezahlt.
Berlin distanziert sich vom Vorgehen Seouls
Bundeskanzlerin Merkel (CDU) sagte während ihres Besuches in Tokio, die Freilassung der Koreaner habe auf den Fall des in Afghanistan entführten deutschen Bauingenieurs zunächst keine Auswirkungen und ändere nichts „an Art und an Umfang unserer Aktivitäten“. Frau Merkel sagte, terroristischen Aktivitäten dürfe nicht nachgegeben werden.
Ein Regierungssprecher teilte in Berlin mit, es bleibe bei der Haltung: „Die Bundesregierung ist nicht erpressbar.“ Die deutsche Geisel soll sich in der Hand einer lokalen Taliban-Gruppe mit kriminellem Hintergrund befinden, die nur lose Kontakte zu den straffer organisierten Taliban unter Mullah Omar unterhält.
Union: „Propagandaerfolg“ der Taliban
Politiker der Union kritisierten das Vorgehen der südkoreanischen Regierung scharf. „So sehr man sich über die Freilassung der Geiseln freuen kann, so kritikwürdig sind die Umstände“, sagte der außenpolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Eckart von Klaeden (CDU), der Zeitung „Tagesspiegel“. „Diese Erpressung ermutigt die Taliban, ihre verbrecherischen Methoden fortzusetzen.“
Auch der CSU-Außenpolitiker Karl-Theodor zu Guttenberg warnte, die Freilassung könne zum „Propagandaerfolg“ der Taliban werden. Es sei „eine neue Dimension, Verhandlungen mit den Taliban einem solchen Scheinwerferlicht zu unterstellen“. Guttenberg sagte: „Der Eindruck, dass Geiselnahmen zum Erfolg führen, ist verheerend und generell zu vermeiden.“
Der verteidigungspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Winfried Nachtwei, sagte im RBB-Inforadio, auf der menschlichen Ebene sei er erleichtert, aber auf der politischen Ebene müsse man fast von einem „politischen Triumph der Taliban“ sprechen. Man habe den Eindruck, dass die erpresserischen Forderungen fast auf der gesamten Linie erfüllt worden seien. Auch für die Regierung des afghanischen Präsidenten Karzai, „die ja dabei im Grunde keine Rolle mehr gespielt hat“, sei das ein schlimmes Ergebnis, sagte er.