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Afghanistan Karzai wirft Nato Versagen vor

 ·  Nach den Taliban-Angriffen vom Sonntag greift Afghanistans Präsident Karzai die internationale Schutztruppe Isaf an: „Besonders das Versagen der Nato“ hätte die Angriffe mit vielen Toten möglich gemacht. Das müsse untersucht werden.

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Der afghanische Präsident Karzai hat nach den Taliban-Angriffen vom Sonntag schwere Vorwürfe gegen die Nato-Schutztruppe Isaf erhoben. In einer Mitteilung Karzais hieß es am Montag, Geheimdienstversagen der afghanischen Seite „und besonders der Nato“ hätten die Angriffe mit vielen Toten erst möglich gemacht. Das müsse untersucht werden. Die Taliban stellten die Aktionen in der Hauptstadt Kabul und drei Provinzhauptstädten im Osten des Landes als Beginn ihrer Frühjahrsoffensive dar. Ein Isaf-Sprecher hatte dagegen vor wenigen Tagen gesagt, es gebe keine Anzeichen für eine solche Offensive. Das Außenministerium in Berlin wertete die Angriffe als „begrenzte terroristische Aktion“. Die deutsche Botschaft war von den Angriffen ebenso betroffen wie das Isaf-Lager Camp Warehouse, in dem auch Bundeswehrsoldaten stationiert sind. Verletzte gab es auf deutscher Seite keine.

Bei den Gefechten, die in Kabul etwa 18 Stunden andauerten, wurden nach Angaben des afghanischen Innenministeriums 47 Personen getötet, 36 Taliban-Kämpfer, acht Angehörige der Sicherheitskräfte und drei Zivilisten. Taliban-Kämpfer hatten sich unter anderem im Zentrum Kabuls in hohen Gebäuden verschanzt und von dort ihre Ziele unter Beschuss genommen.

Afghanistan: Kämpfe in Kabul beendet

Karzai lobte die afghanischen Sicherheitskräfte, die dem Volk das Vertrauen gegeben hätten, „dass sie ihr Territorium erfolgreich verteidigen können“. „Wir sind Zeugen einer sehr professionellen Reaktion der Sicherheitskräfte geworden“, sagte auch der amerikanische Botschafter in Kabul, Ryan Crocker. Die afghanischen Sicherheitskräfte hätten gezeigt, dass sie „solche Ereignisse ganz alleine in die Hand nehmen können“. Dies sei „ein klares Zeichen von Fortschritt“, sagte Crocker weiter. Der amerikanische Isaf-Kommandeur John Allen äußerte sich „enorm stolz“ angesichts der „gut geführten und gut koordinierten Reaktion“ der afghanischen Kräfte auf die Angriffe. Er wolle das Ausmaß der Taliban-Aktion nicht herunterspielen, sagte der Marinekorps-General, doch hätten die afghanischen Sicherheitskräfte ihre Mitbürger zu schützen und die Aufständischen zurückzuschlagen verstanden.

Die Sprecherin der Nato sagte, dank der Abwehr durch die afghanischen Kräfte, denen in Kabul die Sicherheitsverantwortung obliegt, sei es nicht zu Massen von Opfern gekommen. Die Afghanen seien mit der Lage fertiggeworden, das hätten sie „weitgehend alleine“ geschafft. „Sie haben getan, wofür sie ausgebildet wurden, und das sehr effektiv.“ Deshalb änderten solche Angriffe auch nichts an der Strategie der Nato, die Sicherheitsverantwortung bis Ende 2014 vollständig an die Afghanen zu übergeben. Das Bündnis hat in den vergangenen Jahren viel Geld und Arbeitskraft in die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte investiert, um zu erreichen, dass die Kämpfe gegen die Taliban schrittweise von den Afghanen übernommen werden können.

Das Lob Karzais für die eigenen Sicherheitskräfte bei gleichzeitiger Kritik an der Nato dürfte ein abermaliger Versuch sein, das Bild zu vermitteln, die Bevölkerung sei besser dran, wenn Afghanen die Kontrolle in Sicherheitsfragen hätten. Der afghanische Innenminister Besmillah Mohammadi sagte in Kabul, die Dauer der Kämpfe sei auch der Zurückhaltung der afghanischen Sicherheitskräfte geschuldet gewesen, die zivile Opfer hätten vermeiden wollen. Ein Sprecher des afghanischen Geheimdiensts teilte mit, drei am Sonntag festgenommene Extremisten hätten sich als Kämpfer des Haqqani-Netzes zu erkennen gegeben. Demnach stehen sie in dem Verdacht, einen Mordanschlag auf einen der zwei afghanischen Vizepräsidenten, Karim Chalili, geplant zu haben.

Haqqani-Netz soll hinter den Anschlägen stecken

Nach Angaben des Innenministers wurden in den ostafghanischen Städten Dschalalabad und Gardes insgesamt zwei Haqqani-Kämpfer festgesetzt. Auch Botschafter Crocker äußerte die Überzeugung, das Haqqani-Netz stecke hinter den Anschlägen. Crocker sagte, die Angriffe dürften von Pakistan aus eingefädelt worden sein. Die Extremistengruppe agiert vom pakistanischen Stammesgebiet Nordwasiristan aus, sie rechnet sich selbst der Taliban-Bewegung zu und gilt als der gefährlichste Gegner der Isaf und der afghanischen Sicherheitskräfte.

Der Polizeichef der nordafghanischen Provinz Kundus, die zum Einsatzgebiet der Bundeswehr gehört, sagte, Sicherheitskräfte hätten in der Nacht zum Sonntag 15 Taliban-Kämpfer gefangengenommen. Diese hätten in Kundus-Stadt eine Serie von Selbstmordanschlägen und Angriffen geplant gehabt.

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Jahrgang 1975, Redakteur in der Politik.

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