09.09.2009 · Seine Zeitung hatte darum gebeten, nicht über seine Entführung zu berichten, nun ist der „New York Times“ Journalist Stephen Farrell wieder frei. Er war vergangene Woche mit seinem Dolmetscher entführt worden, als er über die Folgen des NATO-Luftangriffs berichten wollte. Sein Dolmetscher starb bei der Befreiung.
Ein Ende vergangener Woche in Afghanistan entführter Reporter der „New York Times“ ist wieder frei. Wie die Zeitung am Mittwochmorgen auf ihrer Website berichtete, wurde der Journalist in einer Kommandoaktion aus den Händen seiner Entführer befreit. Sein afghanischer Dolmetscher sei dabei jedoch ums Leben gekommen.
Der Reporter Stephen Farrell war am Samstag zusammen mit seinem Dolmetscher Sultan Munadi von Taliban-Kämpfern überfallen worden, als er über die Folgen des NATO-Luftangriffs auf zwei entführte Tanklastwagen berichten wollte. Bei dem von der Bundeswehr angeforderten Angriff kamen mindestens 72 Menschen ums Leben.
Britische Soldaten wurden am Morgen mit Hubschraubern zu dem Haus gebracht, in dem die beiden Geiseln festgehalten wurden, wie ein Sprecher des Gouverneurs von Kundus mitteilte. Daraufhin kam es zu einer Schießerei mit den Entführern. Ein Taliban-Kommandeur, der Besitzer des Hauses und eine Frau seien erschossen worden, sagte der Sprecher.
„Ich bin raus, ich bin frei“, habe sich der Journalist bei seiner Zentrale gemeldet. Er berichtete von panischen und verwirrenden Szenen während der Kommando-Aktion.
Bitte der Zeitung nicht über den Fall zu berichten
Bei dem Einsatz einer Spezialeinheit wurden am Mittwoch ein britischer Soldat und der afghanische Dolmetscher des Journalisten getötet, wie ein Militärsprecher und die „New York Times“ mitteilten. Nach Angaben der örtlichen Behörden kamen auf Seiten der Entführer drei Menschen ums Leben.
Die „New York Times“ hatte nach der Entführung die Medien gebeten, mit Rücksicht auf die Sicherheit ihres Mitarbeiters nicht darüber zu berichten. Der 46-jährige Farrell hat die britische und irische Staatsbürgerschaft. Er berichtet seit 2007 für die Zeitung aus dem Irak und aus Afghanistan. Sein Übersetzer Munadi war bereits seit 2002 für die „New York Times“ tätig, verließ dann aber Afghanistan, um in Deutschland zu studieren. Erst im August kehrte er in seine Heimat zurück, um seine Familie zu besuchen. Dabei fand er sich dazu bereit, Farrell nach Kundus zu begleiten.
Neue Nato-Strategie?
Michael Meier (never1)
- 09.09.2009, 16:44 Uhr