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Afghanistan-Einsatz McChrystal wirbt für sein Konzept

21.04.2010 ·  Bei seinem Besuch in Berlin hat der amerikanische General McChrystal ein dramatisches, aber nicht hoffnungsloses Bild der Lage in Afghanistan gezeichnet. Die deutschen Soldaten lobte der Oberkommandierende überschwenglich.

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Der Oberkommandierende der alliierten Streitkräfte in Afghanistan, der amerikanische General McChrystal, hat am Mittwoch in Berlin in zahlreichen politischen Gesprächen für sein Einsatzkonzept geworben und die Lage in Afghanistan erläutert. McChrystal traf unter anderen Verteidigungsminister Guttenberg. Sein Besuch in Berlin war dem amerikanischen General offenbar so wichtig, dass er mehrere Anläufe unternahm, um trotz europäischer Flugverbote die deutsche Hauptstadt zu erreichen. McChrystal und seine Begleiter landeten schließlich in Paris und fuhren per Bus nach Berlin.

McChrystal sagte, er habe seinen Gesprächspartnern „keinerlei Liste von Forderungen“ vorgelegt. Zu der Diskussion über die Ausrüstung der Truppen sagte er, das sei Aufgabe der Kommandeure vor Ort, die am besten wüssten, was benötigt werde. Die deutschen Soldaten lobte der General überschwenglich als professionell, mutig und engagiert. Auf die Frage, ob die Ausbildung der Anforderungen im Kampf genüge, antwortete McChrystal: „Jeder Teil unserer Truppen muss seine Lektionen lernen“, das gelte genauso auch für die amerikanischen Soldaten.

McCrystal: Die Zeit ist knapp bemessen

McChrystal zeichnete ein dramatisches, aber nicht hoffnungsloses Bild der Lage in Afghanistan. Die Isaf-Truppen hätten die Initiative noch nicht erlangt, aber die Aufständischen hätten sie seit dem vergangenen Jahr definitiv verloren. Die Taliban seien stark, hätten aber keine breite Unterstützung in der Bevölkerung. Das Wort „Offensive“ sei im Zusammenhang mit der Strategie missverständlich. Es gehe um allmählich wachsende Sicherheit in bestimmten Regionen, gewährleistet durch afghanische Sicherheitskräfte, unterstützt von den Alliierten; besser sei der Vergleich mit steigendem Wasser.

Video: Trauer um tote Zivilisten in Afghanistan

McChrystal bekräftigte, dass streng darauf geachtet werden müsse, zivile Opfer zu vermeiden, und dass die afghanischen Kräfte möglichst schnell in die Lage versetzt werden sollen, selbst für die Sicherheit im Land zu sorgen. Dazu gehört, dass die Sicherheitskräfte von Militär und Polizei von der Bevölkerung als Teil ihrer Sicherheit und nicht als Teil der Bedrohung empfunden werden. Aber das gemeinsame Training, das Zusammenleben und die gemeinsamen Operationen mit afghanischen Sicherheitskräften dienten auch der eigenen Sicherheit, sagte McChrystal. Die Isaf-Soldaten seien zwar besser ausgerüstet, aber die Afghanen würden die Kultur und die örtlichen Gegebenheiten kennen und außerdem die Sprache sprechen. Es sei kein Zufall, dass afghanische Soldaten seltener Opfer von Sprengfallen würden als Isaf-Soldaten, sagte McChrystal.

Die Zeit, die für diese Mission bleibe, sei sehr knapp bemessen. McChrystal wiederholte, dass es zwar noch einige Jahre lang ausländische Hilfe für Afghanistan nötig sein werde, gleichwohl aber der Abzug der amerikanischen Truppen Mitte 2011 beginnen werde. Die Bekämpfung der Aufständischen habe zunächst im Süden Priorität, sagte er. Aber auch im Norden sei eine konsequente und effiziente Bekämpfung der Aufständischen („counter insurgency“) nötig. Das Regionalkommando Nord und dessen deutscher Kommandeur trage dafür die volle und uneingeschränkte Befehlsgewalt. Er habe keinerlei Bedenken, amerikanische Truppen unter deutsches Kommando zu stellen, sondern höchstes Vertrauen, sagte McChrystal. Deutsche Begleiter des Generals wiesen später darauf hin, dass es auch keinerlei Operationen von amerikanischen Spezialkräften im Norden gebe, die nicht vom deutschen Kommandeur angefordert oder ausdrücklich genehmigt seien.

Unterdessen trafen am Mittwoch sowohl die Särge mit den zuletzt gefallenen Bundeswehrsoldaten in Deutschland ein, als auch ein Transportflugzeug mit Verletzten, das wegen der Aschewolke in Istanbul hatten zwischenlanden müssen.

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