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Afghanistan-Einsatz Bundeswehr an Nato-Offensive beteiligt

10.11.2007 ·  Etwa 200 deutsche Soldaten sind in Afghanistan an Kämpfen gegen Aufständische beteiligt. Die gemeinsame Operation mit der Nato-geführten Schutztruppe Isaf und afghanischen Sicherheitskräften sei vom Mandat des Bundestags gedeckt, heißt es aus dem Verteidigungsministerium.

Von Stephan Löwenstein und Nikolas Busse
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Die Bundeswehr ist im Norden Afghanistans mit etwa 200 Soldaten an einer gemeinsamen Operation der Nato-geführten Schutztruppe Isaf und der nationalen afghanischen Sicherheitskräfte beteiligt. Die Operation „Yolo 2“ gegen Aufständische in dem Gebiet zwischen den Isaf-Zuständigkeitsregionen Nord und West befinde sich in der Nachbereitungsphase, hieß es am Freitag in Berlin. Die Hauptphase der Operation hatte am 31. Oktober begonnen.

Deutsche Soldaten wurden dabei auch außerhalb ihres Zuständigkeitsgebiets, der Region Nord, in der italienisch geführten Westregion eingesetzt. Der Regionalkommandeur Nord und deutsche Kontingentführer, Brigadegeneral Warnecke, führte seitens der Nato die Operation, an der insgesamt rund 700 afghanische und etwa ebenso viele Nato-Soldaten beteiligt waren. Insgesamt seien mehr als zwanzig Kämpfer getötet und 34 festgenommen worden. Auf Seiten der Nato und der afghanischen Armee habe es keine Verluste gegeben.

Kämpfe zwischen örtlichen Kriegsherren

Aufgaben der beteiligten Bundeswehrkräfte waren Führungsunterstützung, Logistik, Sanitätsdienst und Aufklärung – Letzteres nicht nur aus der Luft, sondern auch mit Aufklärungskräften am Boden. Dabei kamen Aufklärungseinheiten zum Einsatz, die unter anderem über den Spähpanzer Fennek verfügen. An Festnahmen und Kampfhandlungen war die Bundeswehr dem Vernehmen nach nicht unmittelbar beteiligt. Das gilt auch für Spezialkräfte der Bundeswehr (KSK), deren Einsatz auch unter Isaf-Mandat möglich ist. In diesem Rahmen waren sie etwa vor einem Jahr an der Festnahme einer Bombenleger-Zelle beteiligt.

„Yolo 2“ richtete sich gegen sogenannte oppositionelle militante Kräfte, die sich offenbar gezielt in der Region zwischen den Nato-Zuständigkeitsgebieten aufhielten. In der Nato wurde für möglich gehalten, dass die gegnerischen Kräfte aus Turkmenistan, das eine lange Grenze zum Nordwesten Afghanistans hat, eingesickert sind. Mit den beiden anderen nördlichen Nachbarn Afghanistans pflegt die Allianz gute Beziehungen, weil Deutschland in Usbekistan und Frankreich in Tadschikistan militärische Einrichtungen betreiben. Hintergrund der Operation ist ein Machtvakuum, das sich im Nordwesten Afghanistans aufgetan hat.

Der lokale Machthaber Dostum hatte jüngst an Einfluss (und vor allem Geld) verloren. Das führte zu Kämpfen zwischen örtlichen Kriegsherren. Hinzu kommt, dass viele vertriebene Paschtunen, die dort früher in einer Enklave gelebt hatten, in die Region zurückkehren, was ebenfalls zu Auseinandersetzungen führt. Aufständische nutzten diese Lage offenbar aus, um in das Gebiet einzudringen. In der Gegend gibt es kein Provinzwiederaufbauteam (PRT).

Zunehmend terroristische Taktiken durch die Taliban

Im September waren schon Ansammlungen von Lagern, die als offensichtlich nicht „zivil“ identifiziert wurden, ausgemacht worden. Dabei spielten die deutschen Tornado-Aufklärungsflugzeuge eine Rolle. Die gegnerischen Kämpfer seien durchaus geschult und nicht nur leicht bewaffnet gewesen, hieß es in der Bundeswehr. In einem Fall wurde eine norwegische Einsatzgruppe aus gesicherten Stellungen mit Mörsern angegriffen, so dass Luftnahunterstützung durch Jagdbomber angefordert werden musste.

Die Nato versucht derzeit im Rahmen der laufenden Gesamtoperation „Pamir“ im ganzen Land zu verhindern, dass die Taliban dauerhaft Gebiete militärisch halten können. Das gelinge weiterhin, wird bei der Allianz versichert. Die Taliban hätten in jüngster Zeit zwar immer wieder behauptet, sie hätten einzelne Distrikte unter ihre Kontrolle gebracht. Dabei handle es sich in der Regel jedoch um die Besetzung entlegener Gouverneurshäuser, die nur von einer Handvoll Polizisten bewacht werden. Solche Distrikthauptstädte seien stets in kürzester Zeit zurückerobert worden. Die Allianz weist seit längerem darauf hin, dass die Taliban zunehmend terroristische Taktiken (Selbstmordanschläge, Sprengfallen) anwendeten, weil ihnen Geländegewinne verwehrt würden.

Begrenzter Einsatz auch außerhalb des Nordens

Die Nato regelte auf einer Truppenstellerkonferenz die Verteilung ihrer gut 40.000 Soldaten in Afghanistan neu. Die Bundeswehr muss nun im Norden 200 tschechische und 40 dänische Soldaten ersetzen. Die Tschechen eröffnen ein eigenes PRT südlich von Kabul, die Dänen werden in den Süden verlegt. Die Bundeswehr wird die Lücken wohl mit eigenen Soldaten füllen, was dadurch begünstigt wird, dass das neue Afghanistan-Mandat durch die Zusammenlegung der früher getrennten Isaf- und Tornado-Mandate nun eine Obergrenze von 3500 Soldaten aufweist, derzeit aber nur 3150 deutsche Soldaten im Rahmen des Isaf-Mandats eingesetzt sind.

Das Verteidigungsministerium in Berlin teilte mit, der Einsatz der Bundeswehrsoldaten auch im Westen sei vom Mandat des Bundestags gedeckt gewesen. Das Mandat erlaubt einen zeitlich und im Umfang begrenzten Einsatz auch außerhalb des Nordens und der Region Kabul, wenn das für den Isaf-Gesamteinsatz unabweisbar notwendig ist. Die Obleute von Union, SPD, FDP und Grünen teilten diese Auffassung. Der sicherheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Arnold, sagte der F.A.Z.: „Die Operation zeigt, dass die deutsche Debatte - hier OEF, hier Isaf - danebenliegt.“

„Auch Isaf hat einen Kampfauftrag“

Das richtet sich gegen Auffassungen der Grünen, aber auch in Teilen der SPD, wonach die Anti-Terror-Operation OEF als Kampfeinsatz - anders als die Isaf-Mission - als problematisch anzusehen sei. „Auch Isaf hat einen Kampfauftrag“, sagte Arnold. Der Verteidigungspolitiker der Linksfraktion, Schäfer, hält die OperationYolo für „grenzwertig“: „Die Gefahr wächst, dass auch an dieser Front die Bundeswehr in kriegerische Auseinandersetzungen gezogen wird.“

Derzeit laufen in Afghanistan die letzten Kampfhandlungen vor dem Winter. Da die Mohnernte vorbei ist, haben die Aufständischen wieder mehr Zeit, zu den Waffen zu greifen, was zu einem Anstieg der Gewalttaten geführt hat. Auch im vergangenen Jahr war dieses Muster beobachtet worden. Im Augenblick hat sich der Schwerpunkt der Kämpfe wieder vom Osten in den Süden verlagert. In der Provinz Urusgan hatte die Isaf am 25. Oktober die Operation „Spin Ghar“ begonnen, mit der die Gegend um die Hauptstadt Tarin Kowt, wo die Niederlande ein PRT unterhalten, von Taliban gesäubert werden soll.

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Jahrgang 1968, politischer Korrespondent in Berlin.

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