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Afghanistan-Einsatz Brown unter Beschuss

13.07.2009 ·  Neue Vorwürfe gegen Premierminister Brown: Nach den schwersten Verlusten der britischen Truppen in Afghanistan seit Beginn ihres Einsatzes wirft die Opposition ihm vor, die Armee nicht ausreichend zu unterstützen.

Von Johannes Leithäuser, London
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Nach den schwersten Verlusten der britischen Truppen in Afghanistan seit Beginn ihres Einsatzes sieht sich Premierminister Brown neuen Vorwürfen ausgesetzt, die Regierung unterstütze die Armee in der südafghanischen Provinz nicht genügend und stelle zuwenig Hubschrauber und stabil gepanzerte Fahrzeuge bereit.

Die Zahl der britischen Gefallenen in Afghanistan (184) übersteigt inzwischen die Zahl der Soldaten (179), die im britischen Kontingent im Krieg gegen den Irak ihr Leben verloren. Brown und sein Verteidigungsminister Ainsworth verteidigten die Handhabung des Einsatzes.

Gefallen im Kampf Mann gegen Mann

Die Verluste stiegen gegenwärtig, weil die britischen Truppen an der Offensive amerikanischer Soldaten im Süden des Landes teilnähmen und „den Kampf zu den Taliban“ trügen. Ainsworth sagte, die Verluste seien nicht der Knappheit an Lufttransport-Möglichkeiten geschuldet. Einige britische Soldaten seien im „Kampf Mann gegen Mann“ gefallen.

Eine Umfrage des britischen Senders BBC und der Zeitung „Guardian“ ergab unterdessen, dass die britische Bevölkerung über die Fortführung des Einsatzes eine gespaltene Ansicht hat: 42 Prozent äußerten, die britischen Truppen sollten nach Hause geholt werden, 40 Prozent sagten hingegen, sie sollten mindestens noch zweieinhalb Jahre bleiben oder so lange, bis sie nicht mehr gebraucht würden.

Der Anteil der Unterstützer des Einsatzes ist seit zwei Jahren demnach um mehr als ein Drittel gestiegen, der Anteil derer, die ihn beenden wollen, sank hingegen nach den Untersuchungsangaben um rund ein Viertel.

„Aufwind für den Einsatz“

Ein Sprecher der britischen Armee in Afghanistan sagte am Montag, die demoskopischen Werte gäben seiner Truppe „Aufwind für den Einsatz“. Im Hauptquartier der britischen Einsatztruppe, „Camp Bastian“ in Helmand, wurde am Montag eine Trauerfeier für die acht Gefallenen gehalten, die am Freitag in einen Hinterhalt von mehreren Sprengfallen geraten waren.

Drei der acht getöteten Soldaten waren erst 18 Jahre alt. Sie fielen einer Attentatstaktik zum Opfer, wie sie auch von Terrormilizen in Irak und einst in Nordirland gegen britische Truppen angewendet worden war. Nach eine ersten Detonation warten die Täter, bis Retter und neue Truppen zum Anschlagsort eilen, um den Verletzten der ersten Explosion zu helfen. Dann werden weitere Bomben gezündet.

Übersichten zeigen, dass drei Viertel der Gefallenen der britischen Truppen in den vergangenen zwei Jahren Opfer von selbstgebauten Straßenminen oder ferngezündeten Bomben wurden, dies gilt auch für die fünfzehn Todesopfer der abgelaufenen Woche.

Kritik der Liberaldemokraten

Der verteidigungspolitische Sprecher der oppositionellen Konservativen, Fox, hielt der Regierung vor, es hätten Todesfälle vermieden werden können, wenn mehr Hubschrauber für Lufttransporte zur Verfügung gestanden hätten; die Zahl der Helikopter habe sich in den letzten Jahren kaum erhöht, obwohl die Anzahl der britischen Truppen verdoppelt worden sei.

Verteidigungsminister Ainsworth beteuerte hingegen, die Einsatzstunden der vorhandenen Hubschrauber seien jedenfalls deutlich um 84 Prozent gestiegen. Ende des Jahres würden weitere Helikopter nach Afghanistan verlegt werden können.

Der frühere Anführer der Liberaldemokraten, Lord Ashdown, der einst Internationaler Repräsentant in Bosnien war und fast UN-Beauftragter für Afghanistan geworden wäre, warf der britischen und der amerikanischen Regierung vor, sie hätten sich „lächerlich ehrgeizige Ziele“ in Afghanistan gesetzt, die mit den vorhandenen Truppen keinesfalls zu erreichen seien. Er zog Vergleiche zu Bosnien: Nach Afghanistan seien, gemessen am Aufwand für Bosnien, nur „ein Fünfundzwanzigstel der Truppen und ein Fünfzigstel der Hilfe pro Kopf“ geschickt worden.

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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent in London.

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