06.11.2007 · Bei einem Selbstmordattentat auf eine Gruppe von Abgeordneten und Stammesvertretern sind in Afghanistan Dutzende Menschen getötet worden. Der Anschlag ereignete sich nahe einer von Deutschland geförderten Zuckerrübenfabrik.
Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Gruppe von Parlamentsabgeordneten sind in Nordafghanistan am Dienstag zahlreiche Menschen getötet worden. Bis zum Abend war die genaue Zahl unklar. Angaben schwankten zwischen 30 und mehr als 80 Toten. Darunter waren nach offiziellen Angaben sechs Abgeordnete und viele Schulkinder. Aus dem Parlament hieß es, 13 der 18 Abgeordneten, die die Fabrik besuchten, seien getötet oder verletzt worden.
Die Parlamentarier hatten in der nordafghanischen Stadt Baghlan zusammen mit Stammesvertretern eine von Deutschland geförderte Zuckerfabrik besucht. Deutsche Soldaten, die in der Region stationiert sind, wurden nach Angaben des Einsatzführungskommandos in Potsdam nicht verletzt.
Auch ein früherer Minister getötet
Unter den Toten ist auch der Sprecher der oppositionellen Vereinten Front, der Abgeordnete und frühere Handelsminister Mustafa Kazimi. Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul sagte in Berlin, er sei erst vor kurzer Zeit mit einer afghanischen Delegation in Deutschland gewesen. Frau Wieczorek-Zeul und Außenminister Steinmeier verurteilten das Attentat. Die Tat richte sich gegen jene, die sich für den Wiederaufbau des Landes einsetzten.
Die Bundeswehr ist in Nordafghanistan stationiert, wo sie als Teil der Nato-geführten Isaf-Truppe den Aufbau des Landes sichern soll. Die Taliban, die sich im Süden und Westen heftige Kämpfe mit afghanischen und ausländischen Truppen liefern, hatten unlängst eine Offensive im relativ ruhigen Norden angedroht.
Im zentralen Hochland von Afghanistan nahmen unterdessen etwa 60 Taliban-Kämpfer auf Motorrädern einen weiteren Bezirk ein. Sie beschossen die Bezirkshauptstadt Kadschran mit schwerer Artillerie, vertrieben die Polizisten und unterbrachen die wichtigste Straßenverbindung der Region, wie der Gouverneur der Provinz Day Kundi, Sultan Ali Urusgani, am Dienstag mitteilte. Ein Abgeordneter aus Kadschran sagte, zehn Soldaten und ein hoher Polizeioffizier seien in den Händen der Taliban. Der Bezirk Kadschran ist schon der dritte, den die Taliban seit der vergangenen Woche unter ihre Kontrolle gebracht haben.
Anschlag im Norden Afghanistan
Gulab Watanmal (Rangin)
- 07.11.2007, 10:02 Uhr