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Afghanistan Drei Bundeswehrsoldaten bei Anschlag verletzt

28.06.2006 ·  Die Bundeswehr gerät immer öfter ins Visier afghanischer Aufständischer: Bei einem neuen Anschlag wurden nahe Mazar-i-Sharif drei Soldaten verletzt. Die amerikanische Außenministerin Rice ist nach Kabul gereist, um Präsident Karzai demonstrativ zu unterstützen.

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Die Bundeswehr ist dreimal in den vergangenen drei Tagen in Afghanistan Ziel von Anschlägen geworden. In der Nacht zum Mittwoch wurde eine Patrouille in der Nähe von Kundus mit einer Panzerfaust beschossen. Dabei wurden drei Bundeswehrsoldaten durch Splitterwirkung verletzt und eines der beiden Fahrzeuge beschädigt. Die Soldaten erwiderten mit Bordwaffen das Feuer, wozu eine zweite Patrouille zur Hilfe kam. In Kundus führt Deutschland eine Gruppe zum Wiederaufbau des Landes („Provincial Reconstruction Team“).

Tags zuvor hatte eine Patrouille deutscher Soldaten in Kundus den Anschlag eines Selbstmordattentäters unverletzt überstanden. Dabei wurden der Attentäter und zwei afghanische Zivilisten getötet. Am Montag war zudem bei einem Anschlag auf einen amerikanischen Konvoi nahe des Stützpunktes Bagram das Fahrzeug von deutschen Verbindungssoldaten getroffen worden, ohne daß es dabei Verletzte gegeben hätte.

„Eine andere Qualität von Angriffen“

Der Anschlag vom Dienstag bedeutete das erste Mal, daß die Bundeswehr im Norden Afghanistans durch Selbstmordattentäter angegriffen wurde. In der Nordregion hat Deutschland seit vergangenem Jahr eine Koordinierungsrolle inne, die inzwischen in ein förmliches Kommando für die Afghanistan-Schutztruppe in der Region übergegangen ist.

Der FDP-Verteidigungspolitiker Stinner sagte der F.A.Z.: „Es wird deutlich, wir haben es im Norden mit einer anderen Qualität von Angriffen zu tun, und wir müssen darauf reagieren.“ Die Bundesregierung müsse klarmachen, in welchem Umfang die deutschen Soldaten noch zur Erfüllung ihres Auftrags tätig werden könnten oder ob sie sich nur noch mit Selbstschutz beschäftigen müßten.

Rice: Werden Fehler nicht wiederholen

Die amerikanische Außenministerin Rice nutzte am Mittwoch einen Besuch in Kabul, um deutlich zu machen, daß Amerika dem Land weiter beistehen werde und Präsident Karzai unterstütze. Die Vereinigten Staaten hätten einmal den Fehler gemacht, Afghanistan zu ignorieren, nachdem die sowjetischen Truppen abgezogen seien. Das werde sich nicht wiederholen. „Wir werden nicht müde werden, und wir werden uns nicht zurückziehen.“ Frau Rice hob ihre Wertschätzung für Karzai mit den Worten hervor, sie kenne niemanden, der „in der internationalen Gemeinschaft mehr bewundert und respektiert“ werde als der Präsident.

Ihre Reise wurde als Versuch gewertet, Karzai in der schwierigen Lage beizustehen, in die er durch die jüngste Zunahme der Gewalt und ausbleibende Erfolge beim Kampf gegen Rauschgiftanbau und Korruption geraten ist. Seit Mitte Mai sollen etwa 500 Personen bei Kämpfen in Afghanistan umgekommen sein, die meisten davon Aufständische.

Schwerste Auseinandersetzungen seit 2001

Es sind die schwersten Auseinandersetzungen seit dem Sturz der Taliban 2001. Frau Rice sprach am Mittwoch mit hohen afghanischen Regierungsvertretern auch über Mittel für Wiederaufbauprojekte, mit denen die Stimmung der Bevölkerung günstig beeinflußt werden könnte.

Die Reise der Außenministerin soll außerdem dem Ziel gedient haben, Afghanistan und Pakistan zu einer besseren Zusammenarbeit zu bewegen. Am Dienstag war Frau Rice in Pakistan, wo sie hervorhob, daß Einheit und nicht Streit der Schlüssel zum Erfolg im Anti-Terror-Kampf seien. „Wir glauben, daß wir zwei gute Freunde und zwei entschlossene Kämpfer im Krieg gegen den Terrorismus haben“, sagte sie in Anspielung auf die wachsenden Unstimmigkeiten zwischen den beiden Nachbarländern.

Kasuri verliert die Fassung

Die afghanische Führung hatte sich in jüngster Zeit immer wieder beschwert, daß Pakistan nicht entschieden genug gegen die Unterschlupfe der Aufständischen im gebirgigen Grenzgebiet zwischen beiden Länder vorgehe. Der pakistanische Außenminister Kasuri verwahrte sich in Gegenwart von Frau Rice in einem fünfminütigen, als emotional beschriebenen Ausbruch gegen diese Anschuldigungen und wies unter anderem darauf hin, daß Pakistan schon „mehr als 650 Märtyrer-Soldaten“ im Grenzgebiet verloren habe. Seine Regierung werde die 80.000 Mann umfassende Truppe im Grenzgebiet um weitere 10.000 Mann aufstocken, kündigte er an.

Frau Rice sagte, sie habe in Islamabad mit dem pakistanischen Präsidenten Musharraf auch eine „Diskussion über die Rolle der Fortsetzung der Demokratisierung“ geführt. Sie erwarte, daß die für nächstes Jahr angesetzten Wahlen „frei und fair“ ablaufen werden. In Washington gibt es anscheinend Bedenken, daß Musharraf, der vor sieben Jahren durch einen Militärputsch an die Macht kam, vor den Wahlen versuchen könnte, seine Amtszeit zu verlängern.

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