31.03.2007 · An diesem Montag beginnt der deutsche Tornado-Einsatz in Afghanistan. Zu viele Politiker und Journalisten wollten die Jets dort besuchen. Nun müssen einige zuhause bleiben. Stephan Löwenstein über das überbuchte Reiseziel am Hindukusch.
Von Stephan Löwenstein, BerlinWehe, wenn die „Einsatztouristen“ kommen. Über Besuche von Politikern und Journalisten wird unter Bundeswehrsoldaten in Afghanistan schon mal mit verdrehten Augen geklagt. Man komme manchmal gar nicht dazu, die eigentliche Arbeit zu machen, weil alles blockiert sei: Plätze in geschützten Transportern, Personal und Material. Diesem Unbehagen steht allerdings ein wesentlicher Anspruch der demokratischen Streitkräfte entgegen: der Primat der Politik.
Diese entgegengesetzten Bedürfnisse sind jetzt einmal kräftig kollidiert. Vier Reisegruppen an den Hindukusch waren für die kommende Woche angemeldet - übrig bleibt eine. Anlass ist die Entsendung der Tornado-Aufklärungsflugzeuge, die nun am kommenden Montag plangemäß beginnen kann, da das Bundesverfassungsgericht einen dagegenstehenden Eilantrag der Linksfraktion am Freitag abgelehnt hat. (Siehe auch: Eilantrag gegen Tornado-Einsatz in Afghanistan abgewiesen) Die Tornados sollen nun bis zum 6. April im nordafghanischen Mazar-i-Scharif eintreffen.
„Beinahe satirische Züge“
Damit über das Ereignis berichtet werden kann, organisierte die Bundeswehr eine Reise für eine Gruppe von Journalisten. In diese Zeit fielen aber auch die schon seit langem gehegten Reisepläne des SPD-Vorsitzenden Beck und seines FDP-Kollegen Westerwelle. Außerdem hatte sich auch eine Gruppe von Abgeordneten um die Parlamentarische Staatssekretärin im Entwicklungsministerium, Kortmann, angemeldet. Da warnten - etwas spät - Einsatz-Militärs und Bundeskriminalamt: Das wird zu viel und in dieser Ballung zu gefährlich. So wurden die Reisegruppe Kortmann und auch die Presse ausgeladen.
Im Fall Beck und Westerwelle mag der eine oder andere auf der Arbeitsebene sich wohl vorgestellt haben, es wäre doch praktisch, diese beiden Delegationen zu koppeln. Politisch gedacht war das nicht. Geteilter Scheinwerfer ist halber Scheinwerfer. Was wäre das auch für ein Signal: Beck, lange Jahre guter Koalitionspartner der FDP in Mainz, Seite an Seite mit Westerwelle.
Der wiederum hatte, wie es in der FDP heißt, nur durch Zufall von dem anstehenden Treffen erfahren. Westerwelle sagte ab und schrieb einen Beschwerdebrief an die Kanzlerin, doch mit anderer Begründung: Dass an ein und demselben Tag zwei Delegationen in Kabul dem afghanischen Präsidenten die Aufwartung machen sollten, trage „beinahe satirische Züge“. So stieg Beck nun alleine in den Truppentransporter an den Hindukusch.