08.05.2009 · Der Einsatz am Hindukusch wird für die Bundeswehr immer brisanter: Eine deutsche Patrouille mit knapp 30 Soldaten wurde nun in stundenlange Gefechte verwickelt. Vier Angreifer wurden getötet. Angeblich entging Bundeskanzlerin Merkel im April offenbar nur knapp einem Anschlag.
Deutsche Soldaten sind in Afghanistan in ein mehrstündiges Gefecht verwickelt worden. Dabei gab es Todesopfer auf der Gegenseite. Bundeswehrsoldaten sind jedoch nicht verletzt worden. Das teilte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe, am Freitag in Berlin mit.
Eine deutsche Patrouille mit knapp 30 Soldaten sei am Donnerstagnachmittag in der Nähe von Kundus mit Panzerabwehrwaffen attackiert worden und habe die Angreifer anschließend zusammen mit afghanischen Sicherheitskräften verfolgt. Im Verlauf der Gefechte seien vier Angreifer durch afghanische Sicherheitskräfte getötet, vier weitere verwundet und vier gefangen genommen worden. Auch am Freitag sei noch weiter gekämpft worden. Der Verlauf des Zwischenfalls dokumentiere, dass die Zusammenarbeit zwischen afghanischen und deutschen Behörden funktioniere, sagte Raabe.
Festgenommener Talibanführer wird in Kabul angeklagt
Indes soll der von deutschen Spezialkräften am Donnerstag im Nordosten des Landes festgenommene regionale Talibanführer nach Angaben des Verteidigungsministeriums nicht nach Deutschland überstellt werden. Die deutschen Soldaten hatten den „mutmaßlichen Straftäter“ Abdul Razeq „in unwegsamem gebirgigen Gelände“ in der Region um Faizabad gestellt. Der Mann sei an die Staatsanwaltschaft des afghanischen Inlandsgeheimdienstes in Kabul übergeben worden, sagte der parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Christian Schmidt (CSU) am Freitag im Bayerischen Rundfunk. Der Mann werde nicht nach Deutschland überstellt. „Der wird in Afghanistan hoffentlich zügig verurteilt nach den vereinbarten rechtsstaatlichen Grundsätzen“, sagte Schmidt.
Nach den Erkenntnissen der Bundeswehr sei Abdul Razeq verantwortlich für einen Anschlag auf eine deutsche Patrouille am 26. Juni 2008, Anschlagplanungen mit Sprengfallen gegen Isaf-Kräfte im Juli 2008 sowie den Anschlag auf den Konvoi des Provinzgouverneurs von Badakshan am 5. November 2008, wurde mitgeteilt.
Jung: „Wer uns angreift wird zur Verantwortung gezogen“
Schmidt verwies auf die der Festnahme vorausgegangenen langfristigen Ermittlungen, die gemeinsam mit den afghanischen Sicherheitsbehörden vorbereitet wurden. „Das funktioniert sogar überraschend gut. Es ist nicht so, dass in Afghanistan nur das wilde Durcheinander wäre“, hob der Staatssekretär hervor.
Verteidigungsminister Jung hatte die Operation der Soldaten vom Kommando Spezialkräfte (KSK) als „lange vorbereitet“ bezeichnet. Die Soldaten hätten „ihre Leistungsfähigkeit“ unter Beweis gestellt: „Jeder, der unsere Soldaten und die unserer Alliierten in Afghanistan angreift, muss wissen, dass er bekämpft und zur Verantwortung gezogen wird.“
Die Soldaten vom Kommando Spezialkräfte (KSK) sind nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung seit Wochen in Afghanistan unter dem Mandat der Afghanistanschutztruppe Isaf eingesetzt. Bei der jüngsten Zugriffsoperation im Distrikt Varduj konnte Talibanführer Razeq konnte zunächst zu Fuß in die Berge entkommen. Rund 60 Kilometer südöstlich von Faizabad, wo die Bundeswehr ein Feldlager hat, wurde er gestellt. Ein Soldat wurde nach Bundeswehrangaben verletzt, sein Zustand sei stabil.
Medienbericht: Taliban planten Anschlag auf Merkel
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) soll bei ihrem Truppenbesuch in Afghanistan Anfang April möglicherweise nur knapp einem gezielten Mordanschlag der radikal-islamischen Taliban entgangen sein. Die Online-Ausgabe der Zeitung „Bild“ berichtet dies unter Berufung auf das „Gemeinsame Internetzentrum“ (GIZ) der deutschen Sicherheitsbehörden. Dem Zentrum liege eine Auswertung des arabischsprachigen Online-Magazins der Taliban, Al-Somood, zugrunde.
Darin spreche der Militärverantwortliche der Taliban für die Provinz Kundus, Mullah Barijalai, von einer kalkulierten Aktion gegen die Kanzlerin während ihres streng geheimen Besuchs im Bundeswehr-Camp am 6. April. Der Flughafen von Masar-i-Sharif war 20 Minuten nach dem Abflug der deutschen Regierungschefin mit Raketen beschossen worden. Verletzt wurde niemand. Dem Militärverantwortlichen zufolge behaupteten die Taliban, sie hätten über eigene „nachrichtendienstliche Informationen“ über den Aufenthalt der Kanzlerin verfügt. Deshalb schlössen Sicherheitskreise ein Informationsleck bei der Bundeswehr in Kundus nicht aus. Zitiert wird ein Sicherheitsexperte mit den Worten: „Möglicherweise gibt es im deutschen Camp einen Taliban-Spion.“
Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte in Berlin, er könne den Bericht über den Anschlagsplan nicht bestätigen. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Raabe, hob hervor, dass die Taliban versuchten, die Öffentlichkeit bewusst in die Irre zu führen.
Auch während des Besuches von Außenminister Frank-Walter Steinmeier Ende April in Afghanistan hatte es zwei Anschläge der Taliban auf deutsche Soldaten in Kundus gegeben, bei denen ein Soldat getötet wurde. Allerdings hielt sich der Minister zum Zeitpunkt der Gespräche nicht in Kundus, sondern in der Hauptstadt Kabul auf.
Hätte, Könnte, Sollte... Meinungsjournalismus
Matthias Fiedler (msalcapone)
- 08.05.2009, 15:35 Uhr
Von der Realität eingeholt!
Stefan Moll (molls)
- 08.05.2009, 15:51 Uhr
...wird zur Verantwortung gezogen'?
Rolf Joachim Siegen (rolfS2)
- 08.05.2009, 17:34 Uhr
Wen wunderts ??
heinz peter (pitiplatsch)
- 08.05.2009, 18:04 Uhr
einsatz
Kai Syring (Samus1989)
- 08.05.2009, 18:46 Uhr