05.09.2009 · Einen Tag nach dem von der Bundeswehr angeforderten verheerenden Luftschlag gegen die Taliban sind am Samstag bei einem Selbstmordattentat vier deutsche Soldaten leicht verletzt worden. Die Taliban bekannten sich zu der Tat.
Nach dem von der Bundeswehr angeforderten NATO-Luftangriff in Afghanistan mit bis zu 72 Toten ist am Samstag ein Anschlag auf die deutschen Truppen verübt worden. Reporter vor Ort berichteten, eine am Straßenrand versteckte Bombe sei neben einem deutschen Konvoi sechs Kilometer nordöstlich von Kundus explodiert. Ein Fahrzeug sei beschädigt worden. Außerdem war von vier leicht verletzten Soldaten die Rede.
Im nahe gelegenen Bundeswehrstützpunkt sei die Wucht der Explosion zu spüren gewesen, meldete dort ein Journalist der Nachrichtenagentur AP. Es sei mitgeteilt worden, dass der Stützpunkt Ziel eines Anschlags gewesen sei. Die afghanischen Behörden bestätigten eine Detonation bei Kundus. Bereits am Vortag war es nach dem Luftangriff zu einem Schusswechsel zwischen deutschen Soldaten und Aufständischen gekommen, als ein Untersuchungsteam den Ort des Luftschlags überprüfte. Extremisten griffen dort die Soldaten an, diese erwiderten nach Bundeswehrangaben das Feuer.
Luftangriff am Vortag mit Dutzenden Toten
Bei dem Luftangriff auf die von den Taliban entführten Tanklastzüge waren in der Nacht zum Freitag dutzende Menschen ums Leben gekommen (siehe auch Afghanistan: Vereinigte Staaten bedauern zivile Opfer bei Luftangriff). Ein NATO-Kampfjet flog dabei im Auftrag der Bundeswehr einen Luftangriff in der Region und riss dabei nach afghanischen Angaben mehr als 70 Menschen in den Tod. Nach einem Taliban-Überfall auf zwei ihrer Tanklastzüge hatten die deutschen Truppen zuvor Luftunterstützung angefordert, um einem Anschlag auf die Bundeswehr vorzubeugen, wie Verteidigungsstaatssekretär Thomas Kossendey erklärte.
Zur Zahl der Opfer gab es widersprüchliche Angaben. Der Bundeswehr zufolge wurden ausschließlich Aufständische getötet - vermutlich rund 50 Taliban-Kämpfer. Nach afghanischen Angaben kamen aber auch viele Zivilpersonen ums Leben. Der Gouverneur der betroffenen Gegend, Mohammed Omar, gab die Zahl der Opfer mit mindestens 72 an. Etwa 30 von ihnen seien als Aufständische identifiziert worden.
NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen schloss die Möglichkeit ziviler Opfer nicht aus und kündigte eine gründliche Untersuchung an. Ein zehnköpfiges Ermittlerteam der NATO sollte am Samstag den Ort des Luftangriffs in Augenschein nehmen und auch das Krankenhaus von Kundus besuchen, wo Verletzte behandelt wurden.
Tote beim Abzapfen von Treibstoff
Die Aufständischen hatten die beiden Tanklastzüge an einem vorgetäuschten Kontrollpunkt ungefähr sieben Kilometer südwestlich des Bundeswehrstützpunktes gekapert. Eine Drohne habe die Entführer verfolgt und mit der Kamera 67 Taliban-Kämpfer registriert, aber keine Zivilpersonen, verlautete aus Bundeswehrkreisen in Kundus. Daraufhin sei ein amerikanischer Kampfjet angefordert worden.
Der Angriff erfolgte gegen 2.30 Uhr Ortszeit, 40 Minuten nach der Kaperung. Die Tanklaster waren bei der Überquerung eines Flusses auf einer Sandbank steckengeblieben. Treffer des Kampfflugzeugs ließen die beiden Fahrzeuge in Flammen aufgehen. Der afghanischen Polizei zufolge handelt es sich bei den zivilen Opfern um Personen, die Treibstoff aus den Tankern abgezapft haben sollen.
Mehr Unterstützung für Bundeswehr in Afghanistan gefordert
Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, hat mehr Unterstützung für den Bundeswehreinsatz in Afghanistan gefordert. Es sei ein Unding, wenn Bundeswehrangehörige in Afghanistan ihr Leben riskierten und sich zu Hause dafür rechtfertigen müssten, sagte Kirsch der „Rheinpfalz am Sonntag“. Sie brauchten deutlich mehr Rückhalt in der Bevölkerung.
Kirsch hielt der Politik vor, sie verharmlose die Auslandseinsätze der Bundeswehr. Zwar sei Afghanistan in der Gesamtheit kein Kriegsgebiet, aber im Einsatzbereich der Bundeswehr in Kundus gebe es täglich Gefechte. Für die Soldaten stehe fest, dass sie in einem Krieg sind. Forderungen nach einem Rückzug nannte er dummes Zeug.
Der Afghanistan-Experte Gul: "NATO-Soldaten in Afghanistan wie Wilde"
Frank Thoma (Analyste)
- 05.09.2009, 11:59 Uhr
Generationen heuchlerischer Politiker
norbert doerre (ndoerre)
- 05.09.2009, 12:45 Uhr
Es ist kein Krieg, es sind nur Aufbaukommandos...
Alfons Crocusé (ALCR)
- 05.09.2009, 13:02 Uhr
Afghanistan - warum sagt keiner KRIEG dazu ???
Eva Steidl (evilein12)
- 05.09.2009, 13:30 Uhr
Die Klare Zuordnung von Zivlen und Militärischen Zielen...
Karl Wilhelm (Wilhelmson)
- 05.09.2009, 13:58 Uhr