Bei einem Anschlag im Norden Afghanistans sind am Sonntag zwei deutsche Polizeiausbilder leicht verletzt worden. Der Vorfall habe sich fünf Kilometer südwestlich von Kundus ereignet, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Neben den beiden Verletzten seien ein weiterer deutscher Polizist sowie ein afghanischer Übersetzter an Bord eines Patrouillenfahrzeugs unterwegs gewesen, teilte der Sprecher weiter mit. Am Abend solle darüber entschieden werden, ob die beiden Verletzten nach Deutschland ausgeflogen werden.
Die deutschen Polizisten befanden sich in einem Einsatz im Rahmen der Eupol-Mission, die der afghanischen Regierung beim Aufbau einheimischer Sicherheitskräfte hilft. Unklar war nach Angaben des Bundesinnenministeriums, ob die Polizisten tatsächlich Ziel des Anschlags waren und ob es sich um einen
Selbstmordanschlag oder eine Sprengfalle gehandelt habe.
Polizeigewerkschaft: Mangelnde Schutzmaßnahmen
Ein Sprecher der europäischen Polizeimission Eupol in Afghanistan sagte hingegen, alle vier Insassen seien leicht verletzt worden. Demnach handelte es sich bei dem Vorfall um ein Selbstmordattentat. Nach Angaben des Gouverneurs der Region Kundus, Mohammed Omar, wurden bei dem Anschlag auch drei Schulkinder verletzt. Omar beschuldigte die radikalislamischen Taliban der Tat. Zunächst bekannte sich jedoch niemand zu dem Anschlag.
Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, forderte einen besseren Schutz für deutsche Polizisten in Afghanistan. „Wenn man nicht für ein Höchstmaß an Sicherheit sorgt, dann wird es natürlich schwierig werden, Kollegen freiwillig dort hinzubekommen“, sagte Freiberg der „Mitteldeutschen Zeitung“. Defizite gebe es in der medizinischen Versorgung, beim Schutz der Polizeiausbilder durch Militärangehörige und bei der Befreiung aus gefährlichen Situationen. Künftig sei mit weiteren Selbstmordanschlägen zu rechnen, bei denen deutsche Polizisten zu Schaden kämen, sagte Freiberg. „Der Einsatz wird immer gefährlicher.“
Entführer der deutschen Bauingenieure getötet
Bei einem Luftangriff der amerikanisch geführten Koalition kam unterdessen der afghanische Entführer zweier deutscher Bauingenieure ums Leben. Der Talibanführer Mullah Nissam sei am Samstag gemeinsam mit zwei anderen Kämpfern in der Provinz Wardak getötet worden, teilte der Chef der Regionalpolizei am Sonntag mit. Ein Talibansprecher bestätigte den Tod Nissams. Die beiden deutschen Ingenieure Rudolf Blechschmidt und Rüdiger D. waren am 18. Juli 2007 in der Provinz Wardak entführt worden. Die Geiselnehmer erschossen Rüdiger D. nach einem Kreislaufzusammenbruch. Blechschmidt sowie vier mit ihm entführte Afghanen kamen am 10. Oktober frei.
Nach Angaben der Polizei wurden Nissam und seine beiden Anhänger in einem Zelt von einem Hubschrauber der Koalitionstruppen beschossen. Das Kommando der Truppen bestätigte eine Militäraktion in der Region im Süden der Hauptstadt Kabul. Dabei seien „mehrere“ Kämpfer getötet worden.
Wieder zivile Opfer durch Luftangriffe
In der östlichen Provinz Nangarhar kamen überdies am Sonntag nach Angaben örtlicher Behörden mehr als 20 Zivilisten bei einem amerikanischen Luftangriff ums Leben, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Der Leiter des Distrikts Haska Mena beschuldigte die amerikanischen Truppen, eine Hochzeitsfeier bombardiert
zu haben. Zuvor hatte der afghanische Präsident Hamid Karsai die Untersuchung eines weiteren amerikanischen Luftangriffs in der östlichen Provinz Nuristan angekündigt, bei dem am Freitag 16 Zivilisten ums Leben gekommen sein sollen.
Die Amerikaner erklärten, beide Angriffe seien gegen Taliban-Kämpfer gerichtet gewesen. Wegen ziviler Opfer bei Operationen ausländischer Truppen in Afghanistan besteht in der Bevölkerung zunehmender Unmut. Die Regierung in Kabul und die Vereinten Nationen haben die Internationale Schutztruppe Isaf und die amerikanisch geführten Koalitionstruppen mehrfach aufgefordert, vorsichtiger zu agieren.
