05.07.2011 · Großbritannien will seine Finanzhilfen für Afghanistan aufstocken. Das kündigte der britische Premierminister Cameron auf einer Pressekonferenz mit dem afghanischen Präsidenten Karzai an. Die Taliban rief er auf, sich am politischen Prozess zu beteiligen.
Der britische Premierminister David Cameron hat während seines Besuchs in Afghanistan angekündigt, die Finanzhilfen für die Regierung in Kabul zu erhöhen. Während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai kündigte Cameron zudem an, Großbritannien werde Afghanistan beim Aufbau einer Militärakademie nach dem Vorbild der britischen Akademie in Sandhurst unterstützen. Cameron rief die Taliban abermals auf, sich am politischen Prozess zu beteiligen.
Nur dann könnten sie Teil der Zukunft des Landes sein, sagte der Premierminister am Dienstag in der Hauptstadt Kabul. „Ich habe es in meinem eigenen Land, in Nordirland, gesehen“, sagte Cameron. „Dort sind Menschen, die versucht haben, andere zu töten, Zivilisten, Polizisten und Armeepersonal zu bombardieren und zu verstümmeln, selbst Politiker geworden und wirken nun an der Regierung des Landes mit.“ Cameron, dem während seines Besuchs aus dem Militär Argumente gegen einen raschen Abzug vorgetragen wurden, zeigte sich willens, die Stärke der britischen Truppen vorerst im wesentlichen beizubehalten.
Cameron: Endgültiges Abzugsdatum 2014
Der Premierminister erreichte am Montag die afghanische Provinz Helmand in einem Augenblick, in dem ein britischer Soldat auf dem Außenposten Salang als vermisst gemeldet wurde; es stellte sich wenig später heraus, dass er von den Taliban verschleppt und getötet worden war. Er ist der 375. Gefallene, den die britischen Streitkräfte seit Beginn ihres Einsatzes in Afghanistan zählen. Schon vor Cameron hatte sich der britische Außenminister Hague nach einem Besuch in Helmand zurückhaltend zu möglichen Abzugszahlen und -zeitplänen geäußert. Derzeit sind etwa 10.000 britische Soldaten in Afghanistan stationiert.
Der britische Premierminister konnte nicht wie eigentlich geplant den Gouverneur von Helmand an dessen Dienstsitz in der Provinzhauptstadt Lashkar Gah treffen, da die Suche nach dem vermissten Soldaten den benötigten Schutz für den Besuch nicht möglich machte. Mit dem Treffen hatte die britische Regierung Normalisierungserfolge in Afghanistan demonstrieren wollen. Stattdessen verbrachte Cameron seinen Aufenthalt im britischen Hauptquartier Camp Bastion in Gesprächen mit britischen Offizieren. Die Zeitung Guardian berichtete, die Kommandeure hätten Cameron geraten, von „signifikanten“ Reduzierung der britischen Truppenstärke in den nächsten beiden Jahren abzusehen.
Der britische Premierminister ließ selbst aber keinen Zweifel daran, dass das endgültige Abzugsdatum der internationalen Einsatzkräfte zum Jahresende 2014 bestehen bleibe, auch wenn es dann immer noch Anschläge von Aufständischen gebe. Cameron sagte, der Zweck des internationalen Einsatzes sei nicht, den Aufstand der Taliban vollständig zu ersticken, er liege vielmehr darin, die afghanischen Sicherheitskräfte so weit zu ertüchtigen, dass sie damit alleine fertig werden könnten. Islamabad
Militäroperation in Pakistan
Die pakistanischen Streitkräfte wollen unterdessen mit einer neuen Operation in einem strategisch wichtigen Stammesgebiet nahe der Grenze zu Afghanistan gegen Aufständische vorgehen. Der Einsatz in der Stammesregion Kurram ziele auf islamistische Extremisten ab, die Selbstmordanschläge ausgeübt und örtliche Bewohner entführt haben, sagte Armeesprecher Athar Abbas. Die Operation diene auch dazu, die wichtigste Straße durch Kurram nach Peshawar, der wichtigsten Stadt im Nordwesten Pakistans, freizumachen.
In der Region gibt es viele pakistanische Taliban-Kämpfer. Derweil bezichtigten sich die Extremisten vier Tage nach der Entführung von zwei Schweizer Touristen am Dienstag der Tat. Ein Sprecher der Aufständischen sagte, ein Mann und eine Frau, seien in das Stammesgebiet Südwasiristan gebracht worden. In Kürze würden die Entführer ihre Forderungen bekanntgeben. Es gehe um Lösegeld oder den Austausch gegen inhaftierte Gesinnungsgenossen.