02.09.2006 · Schwerer Verlust für die britischen Truppen in Afghanistan: Bei einem Flugzeugabsturz sind am Samstag 14 britische Soldaten ums Leben gekommen. Die Nato hält ein technisches Problem für die Ursache des Unglücks.
Bei einem Flugzeugabsturz in Afghanistan sind am Samstag 14 britische Soldaten ums Leben gekommen. Die Nato- Maschine soll um 16 Uhr (Ortszeit) 12 Kilometer westlich der Stadt Kandahar im Süden des Landes abgestürzt sein, meldete die britische Nachrichtenagentur PA.
Die Behörden gehen davon aus, daß es sich um einen Unfall und nicht die Folge von Kampfhandlungen handelt, berichtete der Rundfunksender BBC. Ursache könnte ein technischer Defekt gewesen sein. Auch das britische Verteidigungsministerium meldete, daß alle Anzeichen auf einen Unfall hinweisen. Ein Sprecher der radikal-islamischen Taliban in Afghanistan erklärte hingegen, die Rebellen hätten das Flugzeug abgeschossen.
Sicherheitslage hat sich verschlechtert
Es wird angenommen, daß es sich bei den getöteten Soldaten der internationale Schutztruppe Isaf um Angehörige der Royal Air Force sowie einen Soldaten der Marine und einen des Heeres handelt. Der Absturz ist der größte Verlust britischer Soldaten auf einmal. Seit Beginn des Militäreinsatzes im November 2001 sind damit insgesamt 22 britische Soldaten in Afghanistan ums Leben gekommen. Sieben Soldaten wurden seit August dieses Jahres bei Kampfhandlungen getötet. Verteidigungsexperte Major Charles Heyman forderte im Gespräch mit der BBC die Regierung auf, die britischen Truppen in Afghanistan zu verstärken oder komplett aus dem Land abzuziehen.
In Afghanistan kommt es derzeit zu den schwersten Kämpfen seit dem Sturz der radikal-islamischen Taliban im Jahre 2001, hauptsächlich im Süden und Osten des Landes. Rund 2000 Menschen wurden allein in diesem Jahr bereits getötet, die meisten von ihnen Rebellen, aber auch Zivilisten, Helfer und afghanische Soldaten. Auch mehr als 90 ausländische Soldaten starben bei Kämpfen und Gefechten.
Die Bundeswehr geht nach einem Bericht der Zeitung „Die Welt“ von einer verschlechterten Sicherheitslage im Norden Afghanistans aus und will deswegen ihre dort stationierten Einheiten besser ausrüsten. Die Bundeswehr ist im Norden des Landes am Wiederaufbau beteiligt. Den ebenfalls geforderten Einsatz von „Tornado“-Kampfflugzeugen zur Aufklärung habe Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan jedoch abgelehnt, berichtet die Zeitung ohne Nennung von Quellen.
Kein Kommentar vom Verteidigungsministerium
Es gebe Mängel bei Ausstattung und Ausrüstung der Einsatzkräfte und ihrer Lager, zitierte die „Welt“ aus einem Bericht des Verteidigungsministeriums. Ein Sprecher des Ministeriums wollte die Existenz des Berichts weder bestätigen noch dementieren. „Zu internen Papieren wird grundsätzlich nicht Stellung genommen“, sagte er auf Anfrage.
Angesichts der zunehmenden Zahl von Anschlägen, „der zunehmenden Enttäuschung und Unzufriedenheit der Bevölkerung, des ungebrochenen Einflusses ehemaliger Warlords und der organisierten Kriminalität“ sei eine „grundlegende Änderung der Lage“ festzustellen, heißt es in dem Bericht. Für den Fall einer drohenden Eskalation sollte eine „gepanzerte Reserve“ bereitgestellt werden. Sie soll aus „Fuchs“-Schützenpanzern bestehen und in Masar-i-Scharif stationiert werden. Die Bundeswehr hat dort ihren Hauptsitz im Norden des Landes. Außerdem sollen kleinere Fahrzeuge vom Typ „Wolf“ verstärkt eingesetzt werden. Deutschland stellt in der rund 18.500 Soldaten starken Internationalen Schutztruppe in Afghanistan mit knapp 2700 Mann eines der größten Kontingente.