22.02.2006 · Bei einem Anschlag auf drei Fahrzeuge der Bundeswehr sind im afghanischen Kundus zwei Afghanen ums Leben gekommen sowie ein deutscher Soldat und zwölf Zivilisten verletzt worden. Noch ist unklar, ob es sich um ein Selbstmordattentat gehandelt hat.
Bei einem Sprengstoffanschlag auf drei Fahrzeuge der Bundeswehr sind im afghanischen Kundus zwei Afghanen ums Leben gekommen sowie ein deutscher Soldat und mehrere Zivilisten verletzt worden. Noch ist unklar, ob es sich um ein Selbstmordattentat gehandelt hat.
Wie das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam mitteilte, wurden bei dem Anschlag neben dem mutmaßlichen Selbstmordatttentäter ein einheimischer Jugendlicher getötet sowie neun weitere afghanische Zivilisten verletzt, zwei davon schwer. Der verletzte Soldat werde in einem Feldlazarett der Bundeswehr in Kundus behandelt. Er sei nur leicht verletzt worden. Die afghanische Polizei sprach von 13 Verletzten.
Isaf-Sprecher: Kein Selbstmordattentat
Der Anschlag habe sich in der Nähe eines Marktes in Kundus ereignet, als die Soldaten mit ihren Fahrzeugen gehalten hätten. Vermutlich sei in diesem Moment ein Fahrrad aus einer Menschenmenge heraus auf die drei Fahrzeuge der Bundeswehr zu geschoben worden. Daraufhin habe es eine Detonation gegeben. Ein Sprecher der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) in Kabul sagte, es habe sich nicht um einen Selbstmordanschlag gehandelt.
Der Polizeichef von Kundus, Mohammed Rasak, sagte der Nachrichtenagentur AFP, noch sei unklar, ob der Mann mit dem Fahrrad ein Selbstmordattentäter gewesen sei. Es könne auch sein, daß der Mann, der bei dem Anschlag ums Leben kam, von dem Sprengsatz nichts gewußt habe. Auch ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte in Berlin, es sei noch unklar, ob womöglich auch der getötete Jugendliche zu den Tätern gehört habe.
Untersuchung eingeleitet
Bei den Fahrzeugen handelte es sich nach Angaben des Einsatzführungskommandos um einen von der Bundeswehr genutzten zivilen Wagen sowie um zwei zu dessen Schutz eingesetzte Militärfahrzeuge. Die Fahrzeuge seien durch Posten von außen gesichert worden. Die Soldaten seien zur Materialbeschaffung zu dem Markt gefahren. Eine Untersuchung des Vorfalls sei eingeleitet worden.
Im November war ein Bundeswehrsoldat bei einem Selbstmordanschlag in Kabul getötet worden. Darüber hinaus gab es mehrere Verletzte, unter ihnen zwei deutsche und zwei griechische Isaf-Soldaten. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, seitdem herrsche große Wachsamkeit unter den Bundeswehr-Soldaten. Deshalb gehe er nicht davon aus, daß die Sicherheitsmaßnahmen nun verschärft würden.
Mehr als 2000 deutsche Soldaten in Afghanistan
Die Isaf will ihre Präsenz in Afghanistan im Laufe des Jahres um rund 6000 auf 16.000 Soldaten ausbauen. An dem Nato-geführten Friedenseinsatz sind derzeit knapp 2250 Bundeswehrsoldaten beteiligt. Sie leisten ihren Dienst in der Hauptstadt Kabul und in sogenannten Regionalen Wiederaufbauteams in Kundus und Faisabad im Norden des Landes.
Ende September hatte der Bundestag das Mandat der Bundeswehr für den Isaf-Einsatz verlängert und ausgeweitet. Demnach soll das deutsche Kontingent auf bis zu 3000 Soldaten aufgestockt werden. Außerdem waren zeitweise Soldaten der deutschen Elite-Truppe KSK unter Führung der Vereinigten Staaten als Teil der „Operation Enduring Freedom“ im Anti-Terror-Kampfeinsatz in Afghanistan.