06.08.2009 · Nach der jüngsten Anschlägen fürchten westliche und afghanische Offizielle, dass viele Afghanen aus Angst in zwei Wochen nicht zur Wahl gehen. Die Regierung selbst rechnet in fast der Hälfte des Landes mit Angriffen durch Aufständische.
In Afghanistan verschärft sich zwei Wochen vor der Wahl die Sicherheitslage. In der südafghanischen Provinz Helmand sind bei Bombenanschlägen 21 Zivilisten und fünf Polizisten getötet worden. Nach afghanischen Polizeiangaben vom Donnerstag waren die getöteten Zivilisten Gäste einer Hochzeit und waren auf einem Anhänger unterwegs, der von einem Traktor gezogen wurde.
Ein am Straßenrand versteckter Sprengsatz zerstörte den Traktor und den voll besetzten Anhänger. Wie die örtlichen Behörden mitteilten ereignete sich der Anschlag am Mittwoch in der Region Garmsir, einer Hochburg der radikalen Islamisten. Verantwortlich für den Anschlag seien die Taliban. Die fünf Polizisten wurden am Donnerstag bei einem Bombenattentat getötet. Im Westen Afghanistans wurde ein Soldat der Nato-geführten Schutztruppe Isaf durch einen versteckten Sprengsatz getötet.
Angriffe von Aufständischen in der Hälfte des Landes befürchtet
Die Taliban versuchen die afghanische Bevölkerung einzuschüchtern und davon abzuhalten, sich an der Wahl zu beteiligen. Am Dienstag hatten sie Raketen auf die Hauptstadt Kabul abgeschossen. Die radikalen Islamisten hatten wenige Tage zuvor zu einem Boykott aufgerufen. Sie drohen der Bevölkerung in Flugblättern mit „ernsthaften Konsequenzen“, sollten sie zur Wahl gehen.
Westliche und afghanische Offizielle fürchten, dass die Afghanen aus Angst nicht zur Wahl gehen. Die Taliban hatten nach dem Beschuss Kabuls in einer Erklärung abermals verkündet, die Regierung Präsident Karzais sei nicht in der Lage, die Sicherheit bei der Wahl am 20. August zu gewährleisten.
Wie am Donnerstag bekannt wurde, schätzt die afghanische Regierung selbst die Sicherheitslage als äußerst schlecht ein. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete von einer von Innenministerium und Militär erstellten Karte, nach der in fast der Hälfte des Landes Angriffe durch Aufständische drohen. Wie aus der Karte hervorgeht, gelten 133 von 356 Distrikten als hochgefährdet.
Gefährdung in Kundus mittelhoch
Mindestens 13 von ihnen befinden demnach unter der Kontrolle der Aufständischen. Die Taliban haben ihr Einflussgebiet mittlerweile vom Süden und Osten des Landes bis in die Umgebung der Hauptstadt Kabul ausgedehnt. Die Gefährdung im nordafghanischen Kundus, wo zuletzt die Bundeswehr immer wieder in Gefechte mit Aufständischen wurde, wird auf der Karte als mittelhoch angegeben.
Die Karte wurde im April erstellt, die derzeitige Lage dürfte noch deutlich schlechter sein. Mit der Wahl befasste afghanische Offizielle äußern die Einschätzung, dass aufgrund der Sicherheitlage etwa zehn Prozent der Wahllokale geschlossen bleiben könnten.
Der neue Nato-Genralsekretät Rasmussen machte derweil während seines Besuches in Afghansitan deutlich die Allianz werde sich in dem Land engagieren, bis ihre Arbeit erledigt sei. Der Einsatz dort habe „oberste Priorität“. Präsident Kazai kündigte indes an, er werde sich im Falle einer Wiederwahl vor allem um einen Friedensprozess mit den Taliban bemühen.