http://www.faz.net/-gpf-73koi

Ägypten : Viele Verletzte bei Protesten in Kairo

  • Aktualisiert am

Straßenschlachten am Freitag in Kairo Bild: dapd

Bei Straßenschlachten zwischen Gegnern und Anhängern des ägyptischen Präsidenten Muhammad Mursi sind am Freitag in Kairo Dutzende Menschen verletzt worden. Es waren die ersten Zusammenstöße seit der Wahl Mursis im Juni. Die Polizei griff nicht ein.

          In Kairo sind Islamisten und Vertreter von Parteien aus dem linken und liberalen Spektrum am Freitag während einer Kundgebung auf dem Tahrir-Platz in Kairo aufeinander losgegangen.

          Nach Angaben von Augenzeugen und Krankenhausärzten wurden 200 Demonstranten schwer verletzt. Anhänger des islamistischen Präsidenten Muhammad Mursi schlugen mit Stöcken und Eisenstangen um sich. Sie zerstörten eine Tribüne der säkularen Opposition. Nach Angaben von Augenzeugen flogen auch Steine von beiden Seiten. Die Polizei griff nicht ein.

          Die Islamisten riefen: „Das Volk will die Säuberung der Justiz“ und „Wir lieben dich, oh Mursi“. Sie trugen Bilder von Hassan al-Banna, dem Gründer der Muslimbruderschaft. Die „Revolutionsjugend“ und Mitglieder verschiedener linker Parteien schrien ihnen entgegen: „Nieder mit der Herrschaft der Muslimbrüder“ und „Nieder mit dem Verfassungsrat“.

          Präsident Mursi, der seine politische Heimat in der Muslimbruderschaft hat, hatte am Donnerstag den Generalstaatsanwalt Abdelmagid Mahmud entlassen. Hintergrund dafür war ein Freispruch für 24 ehemalige Funktionäre. Diese waren verdächtigt worden, Anfang Februar 2011 einen Angriff berittener Schlägertrupps auf Demonstranten in Kairo organisiert zu haben. Damals, als sich die Proteste noch gegen den damaligen Präsidenten Husni Mubarak richteten, hatten die Islamisten noch Seite an Seite mit Menschenrechtlern, Linken und Liberalen demonstriert.

          Die Staatsmedien berichteten am Freitag, der Generalstaatsanwalt habe sich geweigert, sein Amt aufzugeben. Mahmud sagte demnach, Mursi dürfe ihn gar nicht entlassen. Der Generalstaatsanwalt könne nur selbst seinen Rücktritt anbieten, und dies habe er nicht vor.

          Die linken und liberalen Parteien hatten sich am Mittag zu einer bereits seit Wochen geplanten Kundgebung gegen Mursi und das von Islamisten dominierte Verfassungskomitee versammelt. Die Islamisten hatten ihre Anhänger am Donnerstag kurzfristig dazu aufgerufen, zur selben Zeit auf dem Platz zu protestieren. Das Motto ihrer Kundgebung lautete: „Säuberung der Justiz“.

          Die Muslimbruderschaft teilte zwar mit, ihre Mitglieder hätten mit der Randale auf dem Tahrir-Platz nichts zu tun. Der Vorsitzende ihrer Partei, Essam al-Arian, schrieb jedoch im Kurznachrichtendienst Twitter folgende Botschaft an die Parteijugend: „Diejenigen von euch, die zum Tahrir-Platz gegangen sind, sollen sich am (Ägyptischen) Museum treffen, um gemeinsam zum Gerichtsgebäude zu marschieren.“

          Die sogenannte Revolutionsjugend kritisierte die Muslimbruderschaft, die den Präsidenten stellt und die größte Fraktion im Parlament stellt. Ein Sprecher der Jugendbewegung sagte, wer an der Macht sei, habe kein Recht zu demonstrieren.

          Quelle: DPA

          Weitere Themen

          Über 200 Tote bei Anschlag auf Moschee

          Ägyptische Sinai-Halbinsel : Über 200 Tote bei Anschlag auf Moschee

          Auf dem Sinai kommt es immer wieder zu terroristischen Angriffen eines IS-Ablegers. Beim Freitagsgebet hat jetzt ein Überfallkommando eine Bombe gezündet und auf Gläubige geschossen. Die Zahl der Opfer steigt ständig.

          Druck auf SPD wächst Video-Seite öffnen

          Nach Jamaika-Scheitern : Druck auf SPD wächst

          Der Widerstand in der SPD gegen eine Neuauflage der Großen Koalition bröckelt. Ergebnisoffene Gespräche mit den anderen Parteien seien nun wichtig, so der SPD-Abgeordnete Johannes Kahrs.

          Topmeldungen

          Mitfühlende Mutter Merkel: Doch Minderheit ist Mist!

          Fraktur : So viel Dank war nie

          Es fehlte eigentlich nur noch, dass der Cem dem Horst bei einem Joint das „du“ anbot.

          SPD bewegt sich : Große Koalition für Schulz kein Tabu mehr

          Nun soll die SPD-Basis das letzte Wort über eine mögliche dritte große Koalition mit der Union haben. Dies kündigte SPD-Parteichef Martin Schulz an. Auch die Tolerierung einer von Merkel geführten Minderheitsregierung käme als Option in Frage.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.