http://www.faz.net/-gpf-73koi
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 12.10.2012, 17:50 Uhr

Ägypten Viele Verletzte bei Protesten in Kairo

Bei Straßenschlachten zwischen Gegnern und Anhängern des ägyptischen Präsidenten Muhammad Mursi sind am Freitag in Kairo Dutzende Menschen verletzt worden. Es waren die ersten Zusammenstöße seit der Wahl Mursis im Juni. Die Polizei griff nicht ein.

© dapd Straßenschlachten am Freitag in Kairo

In Kairo sind Islamisten und Vertreter von Parteien aus dem linken und liberalen Spektrum am Freitag während einer Kundgebung auf dem Tahrir-Platz in Kairo aufeinander losgegangen.

Nach Angaben von Augenzeugen und Krankenhausärzten wurden 200 Demonstranten schwer verletzt. Anhänger des islamistischen Präsidenten Muhammad Mursi schlugen mit Stöcken und Eisenstangen um sich. Sie zerstörten eine Tribüne der säkularen Opposition. Nach Angaben von Augenzeugen flogen auch Steine von beiden Seiten. Die Polizei griff nicht ein.

Die Islamisten riefen: „Das Volk will die Säuberung der Justiz“ und „Wir lieben dich, oh Mursi“. Sie trugen Bilder von Hassan al-Banna, dem Gründer der Muslimbruderschaft. Die „Revolutionsjugend“ und Mitglieder verschiedener linker Parteien schrien ihnen entgegen: „Nieder mit der Herrschaft der Muslimbrüder“ und „Nieder mit dem Verfassungsrat“.

Präsident Mursi, der seine politische Heimat in der Muslimbruderschaft hat, hatte am Donnerstag den Generalstaatsanwalt Abdelmagid Mahmud entlassen. Hintergrund dafür war ein Freispruch für 24 ehemalige Funktionäre. Diese waren verdächtigt worden, Anfang Februar 2011 einen Angriff berittener Schlägertrupps auf Demonstranten in Kairo organisiert zu haben. Damals, als sich die Proteste noch gegen den damaligen Präsidenten Husni Mubarak richteten, hatten die Islamisten noch Seite an Seite mit Menschenrechtlern, Linken und Liberalen demonstriert.

Mehr zum Thema

Die Staatsmedien berichteten am Freitag, der Generalstaatsanwalt habe sich geweigert, sein Amt aufzugeben. Mahmud sagte demnach, Mursi dürfe ihn gar nicht entlassen. Der Generalstaatsanwalt könne nur selbst seinen Rücktritt anbieten, und dies habe er nicht vor.

Die linken und liberalen Parteien hatten sich am Mittag zu einer bereits seit Wochen geplanten Kundgebung gegen Mursi und das von Islamisten dominierte Verfassungskomitee versammelt. Die Islamisten hatten ihre Anhänger am Donnerstag kurzfristig dazu aufgerufen, zur selben Zeit auf dem Platz zu protestieren. Das Motto ihrer Kundgebung lautete: „Säuberung der Justiz“.

Die Muslimbruderschaft teilte zwar mit, ihre Mitglieder hätten mit der Randale auf dem Tahrir-Platz nichts zu tun. Der Vorsitzende ihrer Partei, Essam al-Arian, schrieb jedoch im Kurznachrichtendienst Twitter folgende Botschaft an die Parteijugend: „Diejenigen von euch, die zum Tahrir-Platz gegangen sind, sollen sich am (Ägyptischen) Museum treffen, um gemeinsam zum Gerichtsgebäude zu marschieren.“

Die sogenannte Revolutionsjugend kritisierte die Muslimbruderschaft, die den Präsidenten stellt und die größte Fraktion im Parlament stellt. Ein Sprecher der Jugendbewegung sagte, wer an der Macht sei, habe kein Recht zu demonstrieren.

Quelle: DPA

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Brasilien Parlamentspräsident Eduardo Cunha abgesetzt

Der Oberste Gerichtshof hat in Brasilien den Parlamentspräsidenten, einen Erzfeind Dilma Rousseffs, suspendiert. Für die Präsidentin dürfte der Sturz Eduardo Cunhas aber zu spät kommen. Mehr Von Matthias Rüb, São Paulo

05.05.2016, 17:06 Uhr | Politik
Bürgermeisterwahl in London Einwanderer-Sohn gegen Milliardärs-Spross

Der eine ist der Sohn eines Busfahrers aus Pakistan, der andere hat einen milliardenschweren Finanzinvestor zum Vater. Beide haben das gleiche Ziel: Bei der Wahl am Donnerstag wollen sie Bürgermeister von London werden. Als Favorit geht der 45 Jahre alte Sadiq Khan in die Abstimmung, er wurde von der linken Labour-Partei aufgestellt. Sein 41 Jahre alter Rivale Zac Goldsmith von den Konservativen liegt in Umfragen auf Platz zwei. Mehr

04.05.2016, 14:54 Uhr | Politik
Bundespräsidentenwahl In Österreich droht den Volksparteien ein Debakel

Bei der Wahl zum Bundespräsidenten werden die Bürger die Volksparteien abstrafen. In Umfragen führt ein Grünenpolitiker, auf dem zweiten Platz liegt eine Parteilose. Wer sind die Kandidaten, die das mächtige Amt übernehmen wollen? Mehr Von Stephan Löwenstein, Wien

24.04.2016, 08:25 Uhr | Politik
Besuch von Abbas Merkel äußert sich zu Zwei-Staaten-Lösung

Beim Besuch des Palästinenser-Präsidenten Mahmud Abbas in Berlin hat Bundeskanzlerin Merkel kritisiert, dass der Bau jüdischer Siedlungen einer Zwei-Staaten-Lösung Schritt für Schritt entgegen wirke. Auch Abbas sagte, der Siedlungsbau und die Besetzungen von palästinensischem Gebiet verschlechterten die Aussichten auf eine Zwei-Staaten-Lösung. Mehr

20.04.2016, 08:46 Uhr | Politik
Vor AfD-Parteitag Petry spricht von Rückzug bei weiterem Rechtsruck

Eine Umfrage zeigt, dass knapp ein Drittel der Deutschen der islamkritischen Haltung der AfD zustimmt. Eigentlich könnte sich Parteichefin Petry freuen, aber sie warnt vor roten Linien. Und muss ihre eigene Stellung festigen. Mehr Von Timo Steppat

27.04.2016, 13:02 Uhr | Politik

Hört bloß nicht auf die Mitglieder!

Von Markus Wehner

Die Zeit der großen Mitgliederparteien ist vorbei. Besonders CDU und SPD müssen dies schmerzlichst erfahren. Nun muss es zu einer Modernisierung kommen. Mehr 78 35