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Ägypten Viele Tote bei Ausbruchsversuch von Muslimbrüdern

Die EU will ihre Beziehungen zu Ägypten überprüfen. Kanzlerin Merkel schließt ein Ende der Waffenlieferungen nicht aus. Die Machthaber in Kairo wehren sich: Man setze Recht und Ordnung durch. Ein Fluchtversuch gefangenen Muslimbrüder endete blutig.

© AP Jeden Tag fordert der Konflikt in Ägypten neue Opfer

Bei einer Geiselnahme während eines Ausbruchs von festgenommenen Muslimbrüdern in Kairo sind am Sonntag möglicherweise mindestens 38 Menschen ums Leben gekommen. Das berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Dschazira. Die am Samstag festgenommenen Männer hätten am Sonntag während ihres Transports zu einem Gefängnis einen Polizeioffizier als Geisel genommen und einen Fluchtversuch unternommen. Andere Polizisten hätten von außen durch die Fenster des Gefangenentransporters das Feuer eröffnet und alle Insassen des Fahrzeugs erschossen. Eine offizielle Stellungnahme der Behörden dazu gab es nicht.

Aus Sicherheitskreisen hatte es zuvor geheißen, mehrere Anhänger der Muslimbruderschaft hätten einen Fluchtversuch aus dem Polizeigewahrsam versucht. Nach diesen Angaben begehrten die Festgenommenen auf, als sie von der Sicherheitsdirektion Kairo in das Gefängnis Abu Saabal verlegt werden sollten.

Machthaber verwahren sich gegen Kritik aus dem Westen

Die vom Militär eingesetzte ägyptische Übergangsregierung hat sich in scharfem Ton gegen die Kritik aus dem Westen verwahrt. Außenminister Nabil Fahmy war einer von mehreren ranghohen Politikern, die am Wochenende deutlich machten, die Führung in Kairo werde sich durch Druck aus dem Ausland nicht von ihrem harten Kurs gegenüber der islamistischen Muslimbruderschaft abbringen lassen. Seine Regierung habe die Aufgabe, Recht und Ordnung durchzusetzen und weise alle Drohungen, dem Land Hilfen zu streichen, zurück. Fahmy äußerte seinen Unmut darüber, dass im Westen über die Gewalt der Demonstranten geschwiegen werde.

Die Europäische Union hatte am Sonntag angekündigt, ihre Beziehungen zu Ägypten angesichts der dortigen Gewalt „dringend überprüfen“ zu wollen. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy riefen die ägyptische Führung auf, dem Blutvergießen eine Ende zu setzen und zum Dialog zurückzukehren. „Zusammen mit den Mitgliedsländern wird die EU in den kommenden Tagen ihre Beziehungen zu Ägypten überprüfen und Maßnahmen ergreifen, um diese Ziele zu erreichen“, erklärten Barroso und Van Rompuy.

Merkel schließt Sanktionen nicht aus

Angesichts der Gewalteskalation in Ägypten schließt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein Ende von Waffenlieferungen in das Land nicht aus. Rüstungsexporte könnten „ein Gegenstand“ sein, mit dem das Ausland seine Skepsis gegenüber den Vorgängen in Ägypten deutlich mache, sagte die CDU-Vorsitzende am Sonntag im ZDF-Sommerinterview von „Berlin direkt“. Merkel äußerte aber auch, vor einem Rüstungsstopp müsse genau geprüft werden, welche Maßnahmen man ergreife. Sie Situation in Ägypten sei „außerordentlich brisant und Besorgnis erregend“. Man müsse alles dafür tun, dass keine Gewalt mehr angewendet werde. Innerhalb der EU werde die Situation jetzt völlig neu bewertet. Die Kanzlerin plädierte für ein gemeinschaftliches Vorgehen, alle EU-Staaten sollten die gleichen Maßnahmen ergreifen. Wahrscheinlich werde es nächste Woche ein Treffen der EU-Außenminister geben. „Dann werden wir prüfen, welche Maßnahmen wir einleiten werden“, sagte sie.

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