Home
http://www.faz.net/-gq5-768dy
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Ägypten Mindestens ein Toter bei Demonstrationen

Nach einer blutigen Woche gehen in Ägypten landesweit Menschen gegen die islamistische Regierung auf die Straße. Sie fordern, dass Präsident Mursi die Notstandsmaßnahmen beendet und abtritt.

© dpa Vergrößern Feuer nahe des Präsidentenpalasts: Die Demonstrationen in Kairo gehen weiter

Bei neuen Protesten von zehntausenden Ägyptern gegen die islamistische Regierung von Präsident Mohammed Mursi ist es am Freitagabend erneut zu blutigen Zusammenstößen von Polizei und Demonstranten gekommen. Mindestens ein Mensch wurde getötet, weitere 30 wurden verletzt. Demonstranten forderten unter anderem den Rücktritt Mursis, einen Sturz seines Regimes sowie ein Ende des ausgerufenen 30-tägigen Notstandes am Suez-Kanal. Die Wut von Demonstranten richtete sich auch gegen die islamistische Muslimbruderschaft, aus der Mursi stammt. Oppositionsführer hatten die Menschen aufgerufen, bei ihren Protesten friedlich zu bleiben.

Am Abend kam es zu Krawallen, in deren Verlauf mindestens ein Mensch ums Leben kam. Die Zahl der Verletzten wurde am Abend mit mindestens 30 angegeben. Die Nachrichtensender Al-Dschasira und Al-Arabija berichteten von Auseinandersetzungen am Präsidentenpalast in Kairo. Der Amtsitz von Mohammed Mursi sei mit Brandsätzen und Feuerwerkskörpern angegriffen worden, hieß es. Im Garten des Palastes habe es kurzzeitig ein kleines Feuer gegeben. Die Sicherheitskräfte gingen mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Hunderte Demonstranten vor. Die Demonstranten warfen die Tränengaskanister über die Mauer zurück in Mursis Garten. Al-Arabija berichtete zudem von Zusammenstößen von Aktivisten und der Polizei vor der britischen Botschaft in der Nähe des Tahrir-Platzes im Zentrum der Stadt.

Mehr zum Thema

In Kairo gab es zuvor Protestmärsche in der ganzen Stadt, die zum zentralen Tahrir-Platz oder zum Präsidentenpalast führten. Großdemonstrationen wurden trotz stürmischen Wetters auch in den Städten Alexandria, Port Said und der Industriestadt Mahalla al-Kubra veranstaltet.

In Alexandria forderten Tausende Aktivisten in der Innenstadt die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit, während ein Sturm die Proteste in Staubwolken versinken ließ. In Mahalla al-Kubra verlangten die Demonstranten, dass der derzeit geltende 30-tägige Notstand am Suez-Kanal aufgehoben wird. Selbst in Sagasig, dem Heimatbezirk des Präsidenten, gingen Hunderte wütende Demonstranten gegen die Muslimbruderschaft auf die Straße.

In Port Said, wo am vergangenen Wochenende Dutzende Menschen bei Krawallen gestorben sind, protestierten schon am Mittag Tausende Menschen. Bei strömendem Regen forderten sie den „Sturz des Regimes“ und Mursi zum Rückzug auf. „Wir wollen Port Said befreien“, riefen sie mit Blick auf die Ausnahmeregelungen, die der Präsident nach den tödlichen Ausschreitungen über ihre sowie zwei weitere Städte am Suez-Kanal verhängt hat.

60 Tote in einer Woche

Die Demonstranten gedachten zugleich der Opfer der Fußball-Katastrophe in der Stadt - vor genau einem Jahr am 1. Februar 2012. Damals hatten nach Abpfiff im Stadion Fans der Heimmannschaft Al-Masri das Spielfeld gestürmt und waren mit Brechstangen, Messern und Schusswaffen auf die Unterstützer des rivalisierenden Al-Ahli-Klubs losgegangen. 74 Menschen starben. Ein Richterspruch mit 21 Todesstrafen gegen Fans aus Port Said waren wiederum der Anlass für die jüngsten tödlichen Ausschreitungen.

Das Gesundheitsministerium gab derweil weitere Zahlen über die Opfer bekannt. Demnach sind seit dem zweiten Jahrestag der Revolution, am Freitag vor einer Woche, rund 60 Menschen bei Krawallen ums Leben gekommen.

Die Staatsanwaltschaft ordnete derweil die Inhaftierung von drei mutmaßlichen Mitgliedern der Anarchistenbewegung „Schwarzer Block“ an. Wie das staatliche Nachrichtenportal „Al-Ahram“ berichtete, hatte die Polizei bei den drei Männern, die in Kairo gemeinsam auf einem Motorrad unterwegs gewesen waren, ein Schrotgewehr gefunden.

Quelle: DPA

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kabul Mindestens ein Toter bei Anschlag auf Kulturzentrum

Während einer Theateraufführung sprengt sich ein Attentäter der Taliban in die Luft – mindestens ein Besucher wird getötet, zahlreiche werden verletzt. Es ist der zweite Anschlag in Kabul an einem Tag. Mehr

11.12.2014, 17:13 Uhr | Politik
Zentralafrikanische Republik Marodierende Banden terrorisieren Bevölkerung

Bei neuen Unruhen in der Zentralafrikanischen Republik sind in den letzten Tagen mindestens drei Menschen getötet und Hunderte vertrieben worden. Bewaffnete der sogenannten Anti-Balaka-Miliz waren durch Wohngebiete um den Präsidentenpalast gezogen. Mehr

16.10.2014, 14:54 Uhr | Politik
Naumann-Stiftung in Kairo Frontalangriff gegen Liberale

Nach der Adenauer-Stiftung ist nun die Naumann-Stiftung dran: Weil die Arbeit der liberalen Einrichtung den ägyptischen Behörden gegen den Strich geht, zwingt sie das Regime in Kairo zur Einstellung ihrer Arbeit – auch wenn Statusfragen vorgeschoben werden. Mehr Von Markus Bickel, Kairo

16.12.2014, 13:56 Uhr | Politik
Kairo Proteste gegen Freispruch Mubaraks

Bei Protesten gegen die Einstellung des Gerichtsverfahrens von Ex-Präsident Mubarak ist in Kairo mindestens eine Person getötet worden. Mehr als 1000 Demonstranten haben gegen den Freispruch Mubaraks protestiert. Mehr

30.11.2014, 10:15 Uhr | Politik
Polizei stürmt Café Drei Tote nach Geiselnahme in Sydney

Nach mehr als sechzehn Stunden hat die australische Polizei das Café im Zentrum Sydneys gestürmt, in dem ein Iraner etliche Geiseln festhielt. Dabei sind der Geiselnehmer und zwei weitere Menschen getötet worden. Vier Menschen sind verletzt. Mehr

15.12.2014, 19:53 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 01.02.2013, 22:38 Uhr

Sicherheit kostet

Von Reinhard Müller

Der Tadel aus Brüssel zum Thema mangelnde Flughafensicherheit trifft gerade den Musterknaben Deutschland. Eine Erinnerung, dass nicht an der falschen Stelle gespart werden sollte. Mehr 6 7