20.01.2012 · Das amtliche Endergebnis der Parlamentswahl in Ägypten liegt offenbar vor: Danach haben islamistische Parteien mehr als 70 Prozent der Stimmen auf sich vereinigt.
Islamistische Parteien haben bei der Parlamentswahl mehr als 70 Prozent der Stimmen auf sich vereinigt. Am Freitag berichtete die der Opposition nahestehende Zeitung „Al Shorouk“ auf ihrer Internetseite, das amtliche Endergebnis von allen drei Wahlrunden liege nun vor. Die Partei der Muslimbruderschaft kam demnach mit ihren Bündnispartnern auf 45,7 Prozent der Stimmen. Die Parteien dieses Bündnisses bezeichnen sich als „moderat islamisch“.
Die fundamentalistische, salafistische Partei des Lichts („Hizb al Nur“) wurde zweitstärkste Kraft. Auf sie und andere salafistische Kleinparteien entfielen fast ein Viertel aller gültigen Stimmen (24,6 Prozent). Die traditionsreiche liberale Wafd-Partei belegt mit lediglich 8,4 Prozent den dritten Platz, gefolgt von der neuen liberalen Ägyptischen Allianz mit 6,6 Prozent. Die sogenannte Revolutionsjugend, die im vergangenen Jahr mit Massenprotesten den Sturz von Präsident Husni Mubarak herbeigeführt hatte, ist in dem neuen Parlament kaum vertreten.
Bei der Wahl, die in drei Etappen stattfand und sich vom 28. November bis zum 18. Januar hinzog, waren insgesamt 498 Sitze zu vergeben. Weitere zehn Mandate darf der Oberste Militärrat verteilen, der nach dem Sturz von Mubarak die Macht übernommen hat. Unter Mubarak waren diese Plätze traditionell an Frauen und Angehörige der christlichen Minderheit vergeben worden. Die erste Parlamentssitzung ist für den kommenden Montag geplant. Dann dürfte der Generalsekretär der Partei der Muslimbrüder, Saad al Katatni, zum Parlamentspräsidenten gewählt werden. Die Salafisten und die Wafd-Partei dürften je einen Stellvertreter stellen.