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Abzug aus Afghanistan Schlechte Stimmung in Trabzon

Ein Großteil des Abzugs von deutschem Militärgerät aus Afghanistan läuft über die Türkei. Dort betreibt die Bundeswehr seit April einen Umschlagpunkt - doch die Türken konfrontieren ihren Nato-Partner mit einigen Einschränkungen.

© dpa Auf dem Heimweg: In Trabzon wird das Kriegsgerät aus Afghanistan verladen und verschifft.

Die Güter-Drehscheibe des Abzugs aus Afghanistan liegt versteckt hinter langen Containerreihen. Kein Schild, keine Flagge weisen im Hafen von Trabzon auf die Bundeswehr hin. Auf einem schmalen Küstenstreifen in der Nordosttürkei, zwischen Schwarzem Meer und dem steil aufragenden Hausberg Boztepe, betreibt die Bundeswehr seit April einen Umschlagpunkt.

Lorenz Hemicker Folgen:

Er ist das Herzstück der wichtigsten Abzugsroute vom Hindukusch. Bis 2015 sollen mehr als 3.800 Container und 1.000 Fahrzeuge von Masar-i-Scharif nach Trabzon geflogen, im Seehafen umgeladen und anschließend mit dem Schiff nach Emden transportiert werden. Die Mission in der Türkei soll dazu beitragen, die Kosten des Abzugs aus Afghanistan im Rahmen zu halten. Doch beim Nato-Partner Türkei schlägt den deutschen Soldaten nicht nur Freundlichkeit entgegen. Das Areal der Bundeswehr liegt am Ende einer Pier. Auf der sechseinhalb Fußballfelder großen Fläche stehen etwa hundert Panzer und gepanzerte Fahrzeuge in dichten Reihen beieinander. Die meisten der sandfarbenen Vehikel sind beschädigt, die Gummiprofile mancher Panzerkette bis auf das Metall abgefahren. Die Fahrzeuge zählten bis vor wenigen Tagen zur motorisierten Armada, die im vergangenen Jahrzehnt nach Afghanistan geschafft wurde, um dort Deutschlands Soldaten beweglich zu halten und vor Angriffen der Aufständischen zu schützen.

Das Gros der Fahrzeuge kommt aus Kundus, wo die Patrouillen und Operationen gegen die Taliban das Material aufs Äußerste beansprucht haben. Die meisten deutschen Soldaten arbeiten in den Hallen und Containern des Umschlagpunkts. Dort werden die aus Afghanistan eingetroffenen Fahrzeuge geprüft. Gleichzeitig werden in den Hallen rund 100.000 unterschiedliche Einsatzartikel ausgepackt, sortiert, zwischengelagert und in Containern für den Seetransport neu verpackt.

Uniformierte Soldaten böten ein Ziel für Anschläge

Kapitän zur See Frank Wolter leitet den Umschlagpunkt der Bundeswehr und hat sich unweit der Hafeneinfahrt mit seinem Stab einquartiert. Auch über dem Stabsgebäude weht keine deutsche Flagge. Das Kontingent hat einen Antrag darauf gestellt, aber von der Türkei bislang keine Genehmigung erhalten. Es ist nicht die einzige Einschränkung, mit der die türkischen Behörden den Nato-Partner konfrontieren. In Uniformen dürfen sich die Bundeswehrsoldaten in der Stadt nicht zeigen.

Sie böten sonst ein Ziel für Anschläge, sagt die türkische Polizei. Um sie in den Straßen Trabzons zu erkennen, braucht es freilich keine Uniform. Die Deutschen sind auch so gut von den Einwohnern Trabzons zu unterscheiden. „Für uns ist das nicht komfortabel, aber wir haben das akzeptiert“, sagt Wolter. Er hebt hervor, dass die Zusammenarbeit mit den Behörden ansonsten aber gut funktioniere und die Deutschen in der Stadt gern gesehene Gäste seien.

Das türkische Militär vor Ort war bei den Deutschen hingegen noch nicht zu Gast. Die im Hafen liegenden Einheiten der türkischen Marine und der Küstenwache verweigerten die Einladungen der Bundeswehr zu einem Freundschaftsbesuch genauso wie die vor den Toren Trabzons liegende Heeresbrigade. Eine Einladung müsse über den Generalstab in Ankara erfolgen, hieß es. Warum die türkischen Soldaten im Hafen ihre deutschen Nato-Kameraden niemals grüßen und ihnen stets den Rücken zudrehen, erklärt das nicht. Die offizielle Haltung der Türken, so scheint es, ist selten so partnerschaftlich, wie es unter Alliierten üblich sein sollte.

Schon im Frühjahr war es beim Bundeswehrkontingent der Nato-Mission „Active Fence“, das die Türkei vor Angriffen aus dem Bürgerkriegsland Syrien schützen soll, zu „atmosphärischen Störungen“ gekommen, wie der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus (FDP) nach einem Besuch in Kahramanmaras berichtete. Seine Kritik führte in der Türkei und in Deutschland zu Unmut. Solche Untiefen will Umschlagpunkt-Leiter Wolter in Trabzon um jeden Preis umschiffen. Erst ein Bruchteil des Materials aus Afghanistan wurde bislang in die Türkei verbracht. Anfang Oktober soll der Güterstrom spürbar anschwellen.

Was Wolter dann am wenigsten gebrauchen kann, sind Scherereien, die dem Kontingent das Leben schwer machen. Schon wenn sich der Zoll querstellte, könnte der gesamte Abzugsplan ins Wanken geraten. Statt bei der Regierung Erdogan auf Kooperation zu dringen, setzt die Bundesregierung daher darauf, die Mission so still wie möglich zu betreiben.

Der Umschlagpunkt in Trabzon ist nicht als Auslandseinsatz deklariert, sondern lediglich als normale Außenstelle des Logistikzentrums der Bundeswehr in Wilhelmshaven. Die militärische Führung trägt das mit. Als vor einigen Wochen ein ranghoher Admiral Trabzon besuchte, reiste er in zivil in das Nato-Partnerland. Er habe sich nur an die Absprachen mit Ankara gehalten, hieß es.

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Quelle: F.A.Z.

 
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