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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Abwehrsystem Politik mit Raketen

In Europa wähnt man sich vor Angriffen, ob konventionell oder mit nuklearen Waffen, sicher. In Washington nimmt man das ernster.

Mit Raketen ist zu Zeiten des Ost-West-Konflikts Weltgeschichte geschrieben worden - nicht weil sie eingesetzt worden wären, sondern weil schon die Ankündigung ihrer Aufstellung oder, als Gegenmittel, die Vision eines umfassenden Raketenabwehrsystems die strategischen Gleichungen veränderten.

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So wurde der Sowjetunion Ende der siebziger Jahre mit dem Nato-Doppelbeschluss (“Nachrüstung“) gezeigt, dass es ihr nicht gelingen werde, einen Keil zwischen Amerika und seine europäischen Verbündeten zu treiben. Und Ronald Reagans „Star Wars“-Initiative (SDI) machte 1983 der Führung im Kreml klar, dass sie einen Rüstungswettlauf nicht gewinnen könne, was zum späteren Zusammenbruch des Sowjetsystems maßgeblich beitrug.

Angebot an die Russen?

Diese Zeiten sind vorbei. Vor allem in Europa wähnt man sich vor Angriffen, ob konventionell oder mit nuklearen Waffen, sicher. Selbst Nachrichten über das iranische Nuklearprogramm, das zusammen mit der Entwicklung von Raketentechnik eindeutig auf militärische Fähigkeiten ausgerichtet ist, beunruhigen die Europäer nicht sonderlich. Und wenn weit im Osten, in Nordkorea, ein Atomtest stattfindet oder Raketen über Japan hinwegfliegen, tröstet man sich mit der Annahme, dass die dortigen letzten Stalinisten mit ihren erratischen „großen“ oder „lieben“ Führern noch lange Zeit nicht in der Lage sein würden, hoch entwickelte Waffen herzustellen, die Europa bedrohen könnten.

In Washington nimmt man das ernster. Der neue Verteidigungsminister Hagel hat verkündet, dass Amerika seine Raketenabwehr in Alaska verstärken werde. In Zeiten knapper werdender Mittel soll das dadurch finanziert werden, dass die finale Phase einer Raketenabwehr für Europa gestrichen wird. Bei der Nato in Brüssel heißt es, das verschlechtere die europäische Sicherheit in Zukunft nicht - aber warum wurde diese Phase dann überhaupt geplant? In Washington wird niemand entgangen sein, dass die Europäer, Nato-Beschlüsse hin oder her, von diesen Plänen ohnehin nicht begeistert waren. Möglich, dass auch der Gedanke mitschwingt, den Russen, denen diese Raketenabwehr ein Dorn im Auge ist, ein Angebot zu machen. Wenn das so wäre: Nehmen sie es an? Und würde dafür eine Gegenleistung erwartet? Vielleicht eine Veränderung des Moskauer Kurses in Syrien oder gegenüber Iran?

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 18.03.2013, 17:30 Uhr

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Von Berthold Kohler

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