12.08.2007 · Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf hat zugegeben, dass der Widerstand gegen die ausländischen Soldaten in Afghanistan aus seinem Land unterstützt wird. Bislang hatte er die prekäre Lage in Afghanistan als „hausgemacht“ bezeichnet.
Von Jochen BuchsteinerDer pakistanische Präsident Pervez Musharraf hat zugegeben, dass der Widerstand gegen die ausländischen Soldaten in Afghanistan aus seinem Land unterstützt wird. Zum Abschluss einer „Friedens-Jirga“, an der mehr als 600 afghanische und pakistanische Delegierte teilgenommen hatten, sagte er am Sonntag in Kabul: „Es gibt keinen Zweifel, dass militante Afghanen von pakistanischem Boden aus unterstützt werden.“ An die afghanischen Vertreter gewandt, sagte er: „Das Problem, das Sie in Ihrer Region haben, ist da, weil von unserer Seite Hilfe gewährt wird.“ Bislang hatte Musharraf entsprechende Vorwürfe aus Kabul zurückgewiesen und die prekäre Lage in Afghanistan als „hausgemacht“ bezeichnet.
Die Stammesversammlung, die in den vergangenen vier Tagen über die Situation in Afghanistan beraten hatte, betonte die Notwendigkeit, den Terrorismus zu bekämpfen, und rief zu Frieden und Zusammenarbeit in der Region auf. In einer Abschlusserklärung hieß es: „Die gemeinsame Friedens-Jirga erkennt die Tatsache an, dass Terrorismus eine gemeinsame Bedrohung für beide Länder darstellt und dass der Krieg gegen den Terror ein integraler Bestandteil der nationalen Politiken und Sicherheitsstrategien beider Länder bleiben soll.“ Musharraf sprach von einem „historischen Tag“ für die Beziehung der beiden Nachbarländer, während Karzai die Versammlung ein „frohes Ereignis“ nannte und ihr „gute Ergebnisse“ attestierte.
Von schweren Kämpfen überschattet
Obwohl Pakistan und Afghanistan zu den wichtigsten Verbündeten in der internationalen Antiterrorkoalition gehören, bestehen große Spannungen zwischen den beiden Regierungen. Bei einem Treffen, das der amerikanische Präsident Bush im vergangenen September arrangiert hatte, war die Idee zu der gemeinsamen Jirga geboren worden. Die am Sonntag beendete Versammlung wurde von schweren Kämpfen zwischen Taliban-Kriegern und afghanischen sowie internationalen Soldaten überschattet. Die Taliban hatten zum Boykott der Jirga aufgerufen und sie eine Verschwendung von Geld und Zeit genannt.
Verstimmung hervorgerufen hatte anfangs auch die Absage Musharrafs, der die Jirga ursprünglich gemeinsam mit Karzai hätte eröffnen sollen. Dass der pakistanische Präsident, der sich mit Verpflichtungen in Islamabad entschuldigt hatte, seine Meinung anschließend änderte und sich für eine gemeinsame Abschlussveranstaltung ansagte, wurde zum Gegenstand intensiver Spekulationen. Pakistanische Zeitungen machten unter anderem Druck aus Washington für den Kurswechsel verantwortlich.
Schwierigkeiten mit der Grenzsicherung
Die amerikanische Außenministerin Rice hatte Ende vergangener Woche zweimal mit Musharraf telefoniert. Am Samstag äußerte sich ein Sprecher des State Departments „erfreut“ über die Zusage Musharrafs, die dessen Entschlossenheit im Antiterrorkampf dokumentiere.
Musharraf bekannte sich in Kabul zu der Verantwortung, die Gebiete beiderseits der gemeinsamen Grenze zu kontrollieren. Die Absage einiger pakistanischer Stammesführer erinnerte allerdings an die Schwierigkeiten, die Musharraf mit der Grenzsicherung hat. Weil die Gebiete an der afghanischen Grenze historisch einen halbautonomen Status genießen, sind die staatlichen Kontrollmöglichkeiten begrenzt. Islamabad ist auf die Zusammenabeit der Stammesführer angewiesen, auch bei der Grenzsicherung.
Viele der Stammesführer sympathisieren mit den radikalislamischen Taliban und verweigern sich einer Zusammenarbeit mit der pakistanischen Regierung. Zwei regionale Kooperationverträge waren unlängst von Stammesfürsten aufgelöst worden, nachdem die Armee die von religiösen Fanatikern besetzt gehaltene Rote Moschee in der Hauptstadt Islamabad gestürmt hatte.
Bei der letzten Besatzung Afghanistans hatten die Briten etwa 1/3 des Landes
Karl Tischlinger (Tischlinger)
- 12.08.2007, 22:44 Uhr
Dann sollte
Marcel Meier (MarcelMeier)
- 13.08.2007, 11:05 Uhr
Jochen Buchsteiner Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Süd- und Südostasien sowie Australien mit Sitz in Jakarta.
Jüngste Beiträge