15.07.2011 · Medienmogul Rupert Murdoch gerät nun auch in Amerika unter Druck: Sein Medienkonzern News Corp. soll versucht haben, die Telefone von Opfern der Anschläge vom 11. September 2001 sowie von deren Familien anzuzapfen.
Für Medienmogul Rupert Murdoch wird es wegen des Abhörskandals auch in seiner Wahlheimat Amerika immer enger. Die Bundespolizei FBI geht dem Verdacht nach, dass Mitarbeiter von Murdochs Medienkonzern News Corp. die Telefone von Opfern der Anschläge vom 11. September 2001 sowie von deren Familien angezapft haben könnten oder dies zumindest versucht haben.
Mit den Ermittlungen gegen den Konzern von Medienmogul Murdoch befasst sich auch der amerikanische Generalstaatsanwalt. Den Forderungen von mehreren Senatoren, die Ermittlungen zu möglichen illegalen Aktivitäten in Amerika verlangt hatten, werde nachgegangen, sagte Generalbundesanwalt und Justizminister Eric Holder am Freitag bei einem Besuch in Sydney. Die Ermittlungsbehörden kämen in dem Fall voran. Am Donnerstag hatte die US-Bundespolizei FBI vorläufige Ermittlungen gegen den Murdoch-Konzern News Corporation aufgenommen.
Die inzwischen eingestellte britische Boulevardzeitung „News of the World“ wird verdächtigt, einen Privatdetektiv mit dem Abhören der Telefone von Opfern der Terroranschläge vom 11. September 2001 beauftragt zu haben. Der britische Generalstaatsanwalt Dominic Grieve erklärte, die Angelegenheit werde „sehr ernst“ genommen und Großbritannien leiste die notwendige Unterstützung bei den Ermittlungen.
Das FBI will herausfinden, ob News-Corp.-Mitarbeiter Telefonate abgehört haben, ob sie sich Zugriff auf Handy-Mailboxen verschafft oder Gesprächsaufzeichnungen an sich gebracht haben. Auch wolle das FBI wissen, ob es Versuche gegeben habe, Polizisten zu bestechen, um an die Informationen zu gelangen.
Murdoch meldet sich zu Wort
Dagegen ergriff Rupert Murdoch in einem Interview das Wort. Dabei nahm er sowohl seine News Corp. als auch seinen Sohn James in Schutz, der für ihn die Geschäfte in Europa führt. Sein Unternehmen habe die Krise „extrem gut gehandhabt und zwar in jeder Hinsicht“, sagte Murdoch dem „Wall Street Journal“. Es habe nur „kleinere Fehler“ gegeben.
Das „Wall Street Journal“ ist eines der Aushängeschilder des Medienimperiums, zu dem unter anderem noch das Boulevardblatt „New York Post“, das Filmstudio 20th Century Fox, die Fox-Fernsehsender sowie Buchverlage gehören. Der Skandal ereignete sich aber beim britischem Sonntagsblatt „News of the World“, das Murdoch daraufhin eingestellt hat.
Murdoch, sein Sohn James sowie Verlagschefin Rebekah Brooks stehen am nächsten Dienstag vor einem parlamentarischen Ausschuss in Großbritannien Rede und Antwort - die Murdochs hatten allerdings lange gezögert mit ihrer Zusage. Rupert Murdoch kündigte nun auch eine firmeninterne Untersuchung an, die von einer unabhängigen Kommission durchgeführt werden solle.
Murdoch: „Ich komme darüber hinweg“
In den vergangenen Tagen gab es immer neue Enthüllungen, wie Reporter der „News of the World“ in Großbritannien die Telefone von Verbrechensopfern, Prominenten und Politikern abgehört haben. Der Aktienkurs der News Corp. stürzte daraufhin ab; Murdoch gab nach scharfem Gegenwind aus der britischen Politik die milliardenschwere Komplettübernahme der Senderkette BSkyB auf. „Ich komme darüber hinweg“, sagte Murdoch zu den Negativschlagzeilen. Bislang habe sein Unternehmen noch keine Schäden davongetragen, „die nicht repariert werden könnten“.
Auch Murdochs Sohn James war in die Kritik geraten. Ihm war vorgeworfen worden, nicht schnell genug durchgegriffen zu haben. „Ich denke, er hat in dem Moment so rasch gehandelt wie er konnte“, sagte sein 80 Jahre alter Vater und betonte, dass sich an der Stellung von James Murdoch im Konzern nichts ändere.
Rupert Murdoch hat nach eigenen Angaben auch keine Pläne, sich von seinem Zeitungsgeschäft zu trennen, auf das er sein Imperium aufgebaut hatte. In Medien waren schon früh Spekulationen aufgekommen, er könnte sich von seinen verbliebenen britischen Blättern „The Sun“, „The Times“ und „The Sunday Times“ trennen. Murdoch bezeichnete diese Berichte als „puren Müll“.
Nach dem Abhörskandal in Großbritannien waren auch in Murdochs Heimatland Australien, wo sein Medienkonzern ebenfalls eine große Rolle spielt, Forderungen nach einer Untersuchung zum Medienbesitz und zur Medienregulierung laut geworden. Während sich Premierministerin Julia Gillard offen für eine solche Untersuchung zeigte, lehnt der australische Generalstaatsanwalt Robert McClelland eine stärkere Regulierung der Medien ab.
Unabhängige Medien seien ein wichtiger Aspekt von Demokratie, sagte McClelland.
Zuvor hatten sich mehrere amerikanische Politiker zu Wort gemeldet und Nachforschungen gefordert. Eine Bürgerrechtsvereinigung hatte für zu einer Protestkundgebung vor Murdochs Haus in Manhattan aufgerufen.