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Abhöraffäre Lauscher in Athen

08.02.2006 ·  Eine seltsame Abhöraffäre in Griechenland trifft Politiker, Journalisten, Geschäftsleute. Sogar das Mobiltelefon des Ministerpräsidenten wurde belauscht. Seit Tagen versprechen die Verantwortlichen Aufklärung, doch bisher reihen sich nur neue Rätsel aneinander.

Von Michael Martens
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Seit fünf Tagen beschäftigt ein verworrener Fall von Spionage die griechische Öffentlichkeit. Seit fünf Tagen auch versprechen die Verantwortlichen in der Regierung die Aufklärung der Angelegenheit - doch bisher reihen sich Tag für Tag nur neue Rätsel aneinander. Zu den Opfern der Affäre, bei der offenbar etwa 100 Mobiltelefone abgehört wurden, gehören Ministerpräsident Kostas Karamanlis von der konservativen Volkspartei Nea Demokratia, mehrere seiner Minister - darunter der Außen- und der Verteidigungsminister -, hohe Militärs, führende Politiker der oppositionellen Sozialisten, Journalisten, sowie ausländische, vorwiegend aus arabischen Ländern stammende Geschäftsleute.

Am Donnerstag vergangener Woche bestätigte die Regierung einen Bericht der Zeitung „Ta Nea“ über die Abhöraffäre. Nach Angaben eines Regierungssprechers begann die Abhöraktion vor den Olympischen Spielen in Athen im August 2004 und endete mit ihrer Aufdeckung im März vergangenen Jahres. Das Thema sei seitdem geheimgehalten worden, um die Untersuchungen nicht zu gefährden, sagte der Minister für Öffentliche Ordnung, Voulgarakis.

Ermittlungen gegen Vodafone?

Aufgeflogen waren die Horcher am Fuße der Akropolis laut den vorliegenden Berichten, nachdem sich Kunden des Unternehmens Vodafone in Griechenland über sonderbare Verbindungsschwierigkeiten beschwert hatten. Bei einer technischen Überprüfung habe sich dann erwiesen, daß Abhörprogramme auf den Computern des Unternehmens installiert worden waren, mit denen Gespräche der belauschten Mobiltelefone auf andere Mobiltelefone umgeleitet wurden. Nach dieser Entdeckung habe Vodafone die Programme deinstallieren lassen und dann die zuständigen Behörden informiert, heißt es weiter.

Diese Reihenfolge wird der Firma nun zum Vorwurf gemacht, weil sich durch die Abschaltung der Spitzelprogramme die Spuren zu den Tätern nicht mehr zurückverfolgen ließen. Justizminister Papaligouras schloß in einem Interview sogar Ermittlungen gegen Vodafone nicht aus, da die Gesellschaft für den Verlust von wichtigen elektronischen Daten und Spuren verantwortlich sei.

Mord oder Selbstmord?

Rätselhaft ist bisher auch der Tod eines Technikers der Firma, der nach der internen Aufdeckung des Abhörskandals im vergangenen März Selbstmord begangen haben soll. Von Hinterbliebenen tauchten inzwischen aber Aussagen auf, laut denen es sich nicht um Suizid, sondern um Mord gehandelt habe, da der Techniker womöglich wichtige Informationen zum Fall kannte. Diese Verbindung ist allerdings - wie die meisten Umstände der Aktion - bisher nicht nachgewiesen. Von verschiedenen Seiten wird nun gefordert, nachträglich die Umstände des Todes des Mannes zu klären.

Es bleibt vorerst eine Reihe von Fragen, etwa die, wer sich mit wessen Hilfe Zugang zu den Computern von Vodafone verschaffen konnte, um die entsprechenden Programme aufzuspielen. Für eine Mehrheit der griechischen Öffentlichkeit und Teile der Medien scheint immerhin die Frage nach den Urhebern der akustischen Auskundschaftung schon festzustehen: Alles deute auf die Botschaft der Vereinigten Staaten in Athen hin, schrieb „Ta Nea“.

Verschiedene Interpretationen

Die Zeitung druckte eine Karte des Zentrums der griechischen Hauptstadt ab, die zeigen soll, daß die amerikanische Botschaft im Zentrum eines Gebietes liegt, in dem sich die Aktion abgespielt haben soll. Auch in anderen Medien war davon berichtet worden, daß die zum Spionieren eingesetzten Mobiltelefone in einem von drei Mobilfunkantennen eingegrenzten Teil des Athener Zentrums benutzt wurden, in dem sich die amerikanische Botschaft befindet.

Das ist nur eine Interpretation von mehreren, die aber wegen der weitverbreiteten antiamerikanischen Grundstimmung in Griechenland schnell populär wurde. Die Opposition kritisierte, daß die Regierung Karamanlis die Sicherheit der griechischen Bürger nicht garantieren könne.

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