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Veröffentlicht: 28.03.2014, 21:39 Uhr

Abgehörtes Geheimgespräch Türkischer Überraschungseffekt


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© REUTERS, Audio: Youtube Mitschnitt unklarer Herkunft, Bilder: AFP ddp images/ALI HAYDAR YURTSEVER/ , Diplomasi Akademisi Youtube-Mitschnitt über die Militärintervention

Doch der Kern des Gespräches wird deutlich und lässt Rückschlüsse auf die türkische Syrien-Politik sowie auf deren Kluft zwischen Tat und Rhetorik zu. Im ersten Mitschnitt fragt Außenminister Davutoglu zu Beginn: „Eine Sache ist halb geblieben, die habe ich nicht ganz verstanden.“ Sollte die Türkei in Syrien militärisch intervenieren, was müsse sein Außenministerium dann unternehmen – müsse man dann nicht die Vereinten Nationen und das „Konsulat des syrischen Regimes“ in Istanbul zuvor warnen? Sein Staatssekretär Sinirlioglu ist dagegen: „Wenn wir uns dort für eine Operation entscheiden, dann muss es einen Überraschungseffekt haben.“ Doch Davutoglu ist nicht überzeugt: „Ja, das muss man vorbereiten, um nicht gegen das Völkerrecht zu verstoßen. Das ist mir eingefallen, als ich mit dem Präsidenten gesprochen habe. Wenn wir mit dem türkischen Panzer reingehen, sind wir dann nicht schon drin (im Krieg in Syrien)?“

„Das müssen wir voranbringen, Herr Minister“

Die vier Männer sind beunruhigt darüber, dass sich im Norden Syriens radikale Islamisten der Terrorgruppe „Islamischer Staat Irak und Al-Sham“, die sie mit dem Kürzel „Isid“ bezeichnen, festgesetzt haben. Davutoglu sagt dazu, „ein Vorgehen gegen Isid hat eine völkerrechtliche Grundlage. Wir können das als Al Qaida bezeichnen, im Umfeld von Al Qaida, da gibt es kein Problem. Außerdem, wenn es jetzt zum Grabmal von Süleiman Schah kommt, dann ist sowieso die Verteidigung des Landesterritoriums das Thema.“

Deutlich wird aus dem Gespräch auch, was ohnehin als offenes Geheimnis galt: Die Türkei unterstützt Teile der syrischen Kämpfer gegen Assad mit Waffen, die Lieferungen werden vom Geheimdienst abgewickelt. Dazu sagt der stellvertretende Generalstabschef zu Davutoglu, es gehe vor allem darum, den türkischen Geheimdienst (mehr als bisher) dabei zu unterstützen, „dass Waffen und Munition die Oppositionellen erreichen ... Darüber müssen wir reden, das müssen wir voranbringen, Herr Minister.“ Was in Syrien gebraucht werde, so der General, sei vor allem Munition: „Wir haben das schon besprochen. Sagen wir, wir bauen eine 1000 Mann starke Armee dort auf. Wenn wir diese Männer dort in den Krieg schicken und nicht für mindestens sechs Monate Munition hier gelagert haben, dann kommen diese Männer nach zwei Monaten zurück. Darauf Davutoglu resigniert: „Die sind sowieso schon jetzt zurück.“

Deutlich werden auch Ankaras Sorgen vor einem weiteren Erstarken der Islamisten im Nachbarland, so in einer Aussage von Davutoglus Staatssekretär: „In der globalen und regionalen Geopolitik gibt es ernstzunehmende Verschiebungen. Das kann sich jetzt auf andere Orte ausdehnen.“ Vor allem die Islamisten von Isid seien bedrohlich, so der Beamte: „Nachbar zu werden von einer Fläche, die aus denen besteht, lässt für uns ein riesiges Sicherheitsrisiko entstehen.“ Diese Gefahr ist laut Davutoglu offenbar ein weiterer Grund für ein mögliches militärisches Eingreifen in Syrien. Pointiert fasst er auf Türkisch unter Benutzung von zwei englischen Schlagworten zusammen: „Ohne hard power kann es keine soft power geben.“

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