29.11.2007 · Ihre politische Vergangenheit beruht auf Feindseligkeit. Das Treffen von Israels Ministerpräsident Olmert und Palästinenser-Präsident Abbas in Annapolis jedoch war von verbalen Freundlichkeiten geprägt. Werden sie wirklich zu Friedensstiftern?
Von Wolfgang Günter LerchSie gelten beide derzeit als politisch verhältnismäßig schwach, müssen aber nun Stärke zeigen: Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert und der Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas, der auch die PLO repräsentiert, haben sich verpflichtet, vom 12. Dezember an im Rahmen eines regelmäßigen Gesprächsmechanismus all jene kniffligen Fragen zu klären, die bisher einer Regelung des Konfliktes zwischen Israelis und Palästinensern, Juden und Arabern im Weg standen.
Werden sie wirklich zu Friedensstiftern werden, und das auch noch bis zum Ende des nächsten Jahres? Die verbalen Freundlichkeiten von Annapolis hätten fast vergessen machen können, welch bewegte, auf Feindseligkeit beruhende politische Vergangenheit beide hinter sich haben.
Vom jüngsten Likud-Abgeordneten zum Bürgermeister Jerusalems
Olmert, 1945 bei Tel Aviv als Sohn russischer Einwanderer geboren, die seit 1919 in Harbin in der Mandschurei gelebt hatten (vor einiger Zeit besuchte er Harbin und die dortige Synagoge), galt lange Zeit als ein Radikaler der israelischen Rechten. Der erfolgreiche Rechtsanwalt war Revisionist, Anhänger Wladimir Jabotinskijs, Menachem Begins und ihrer Groß-Israel-Idee. Vom jüngsten Likud-Abgeordneten (mit 28 Jahren) stieg er zum Bürgermeister Jerusalems auf, ein Amt, das er seit 1993 zehn Jahre lang innehatte.
Seine Wende zum Pragmatiker schreibt der schlanke, etwas schlaksig wirkende Mann zu einem Teil seiner Frau zu, einer Malerin, die politisch häufig nicht mit ihm übereinstimmte. Doch seien die Israelis auch der ewigen Kämpfe müde, sagt er. Er folgte seinem Vorgänger Ariel Scharon, als dieser den Likud verließ und die neue Regierungspartei Kadima („Vorwärts“) gründete.
Standfestigkeit, die ihm viele nicht zugetraut hatten
Mahmud Abbas kannte man viele Jahre lang besser unter seinem PLO-Kampfnamen „Abu Mazen“. Der 1935 in Safed in Galiläa geborene Palästinenser lebte lange mit seiner Familie in Damaskus, studierte unter anderem in Moskau und war später eine Weile in dem Golfstaat Qatar tätig, im Staatsdienst, aber auch als Geschäftsmann. Schon Ende der siebziger Jahre überraschte Abu Mazen seine Mitstreiter in der Palästinensischen Befreiungsorganisation mit der Auffassung, man müsse einen friedlichen politischen Ausgleich mit Israel suchen.
Zu jener Zeit konnte er noch nicht ahnen, dass der PLO und der ihren Kern bildenden al Fatah in der Hamas eine Konkurrentin erstehen werde, die wieder den Radikalismus, diesmal religiös gefärbt, auf ihr Panier schrieb. Als gewählter Nachfolger Jassir Arafats, mit dem er nicht immer übereinstimmte, zeigte er im jüngsten Bürgerkrieg mit den Islamisten eine Standfestigkeit, die ihm viele gar nicht zugetraut hatten.
Von der Hamas, die Gaza beherrscht, sowie aus Iran wird der heftigste Widerstand gegen mögliche Vereinbarungen kommen. Abbas muss versuchen, Eigenständigkeit gegenüber Israel zu wahren, um nicht dem Vorwurf des „Amerikanismus“ neuen Vorwand zu geben. Und Olmert muss, um die notwendigen Schritte durchzusetzen, seinen Gegnern klarmachen, dass alles andere in die Katastrophe führt.