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8. Mai „Wir feiern einen großen Sieg der Freiheit“

08.05.2005 ·  Vor seiner Weiterreise nach Rußland hat Amerikas Präsident Bush in Holland der Opfer des Zweiten Weltkriegs gedacht. Auf kämpferische Töne Richtung Moskau verzichtete er diesmal.

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Der amerikanische Präsident George W. Bush hat am Sonntag in den Niederlanden den gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkriegs gedacht. Am 60. Jahrestag des Kriegsendes in Europa erinnerte Bush an die Befreiung von den Nationalsozialisten und zog Parallelen zur Demokratisierung des Nahen Ostens.

„Wir feiern einen großen Sieg der Freiheit. Und die Tausenden von weißen Marmorkreuzen und Davidsternen unterstreichen, welch schrecklichen Preis wir für diesen Sieg bezahlten“, sagte Bush bei der Gedenkfeier auf einem Friedhof für amerikanische Kriegsgefallene nahe Maastricht. Gemeinsam mit der niederländischen Königin Beatrix und Ministerpräsident Jan Peter Balkenende legte er Blumenkränze an einem mit niederländischen und amerikanische Flaggen geschmückten Kriegsdenkmal nieder.

In Paris legte der französische Präsident Jacques Chirac am Sonntag am Grab des unbekannten Soldaten einen Kranz nieder und nahm anschließend am Triumphbogen eine Truppenparade ab.

Diesmal keine kämpferische Rede

Der Unterschied zu Bushs Besuch am Samstag in Lettland war auffällig. Auf dem Soldatenfriedhof von Margraten in den Niederlanden gab es keine kämpferische Rede über die Vision des amerikanischen Präsidenten von einer freien Welt. Die politischen Signale kamen eher unterschwellig, etwa als George W. Bush die Demokratisierung des Irak und die Friedensbemühungen im Nahen Osten erwähnte. Der Präsident beschränkte sich fast ausschließlich darauf, die Opfer des Krieges zu würdigen, die Erinnerung an persönliche Schicksale wach zu halten.

Im Gegensatz zu den problembeladenen Stationen seiner Reise hatte Bush in dem kleinen Ort bei Maastricht geradezu ein Heimspiel. Schon in den Tagen zuvor hatte er über die durchaus amerikakritischen niederländischen Medien eine Offensive des Charmes und der Toleranz geführt. Abtreibung, Homosexuellen-Ehe, Sterbehilfe - für viele Amerikaner, gerade auch für die Bush-Getreuen, sind die Niederlande der reine Horror. Bush dazu: „Die Niederlande sind ein freies Land - das Volk entscheidet, und die Regierung muß das berücksichtigen.“

„Freiheit ist das Recht, anders zu sein“, bekräftigte denn auch Ministerpräsident Jan Peter Balkenende. Über dessen Treue muß Bush sich gleichwohl keine Sorgen machen. Die rechtsliberale Regierung in Den Haag hat den Irak-Krieg unterstützt, Soldaten für die Zeit danach geschickt und lässt jetzt Eliteeinheiten unter amerikanischer Führung in Afghanistan Terroristen jagen. Bushs 16-Stunden-Besuch in der niederländischen Provinz sei wohl auch als ein Dankeschön dafür zu werten, sagte der amerkanische Historiker James Kennedy im Fernsehen.

„Den Rest sagt er Putin persönlich“

Mit der eher der Erinnerung dienenden Ansprache des Präsidenten könnte wohl auch dessen russischer Kollege Wladimir Putin gut leben, zu dem sich Bush von Maastricht aus aufmachte. Am Vortag in Lettland hatte Bush Putin offen zur Respektierung der jungen Demokratien in seiner Nachbarschaft aufgerufen und dazu ermahnt, im eigenen Land auf demokratischem Kurs zu bleiben. Bush habe seine Rede in Margraten aber keineswegs bewußt so angelegt, daß sich der Kremlchef kurz vor dem Zweiertreffen am Abend nicht erneut provoziert fühle, wurde in Kreisen des Weißen Hauses versichert. Bush habe alles gesagt, was es öffentlich zu sagen gebe: „Den Rest sagt er Putin persönlich.“

Viele Hände von Veteranen schüttelnd, genoß der amerikanische Präsident trotz des ernsten Anlasses und düsterer Wolken am Himmel seinen Auftritt in den Niederlanden. Es war schließlich die einzige „streßfreie“ Station seiner Vier-Länder-Reise. In Lettland mußte er angesichts der Nachkriegsgeschichte seine Worte stets sorgfältig wägen, und Treffen mit Putin sind wohl nie entspannende Kaffeestündchen.

Und gleich nach der Teilnahme an der Moskauer Siegesfeier zum Kriegsende reist Bush in die junge Demokratie Georgien, die die 8000 unter russischem Kommando stehenden Soldaten auf eigenem Boden los werden und von Bush dabei mehr Unterstützung will - wieder eine Visite, die sorgfältiger Choreografie bedarf, wenn eine nachhaltige Trübung im Verhältnis zu Rußland vermieden werden soll.

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