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60 Jahre Volksrepublik China Plastikblumen und Raketen

01.10.2009 ·  Chinas Kommunisten feiern den 60. Jahrestag der Machtergreifung mit einer Militärparade und einem bunten Massenspektakel. Armee und Parteiführung nutzen die Gelegenheit zur Demonstration der neugefundenen Stärke.

Von Till Fähnders, Peking
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Die Soldaten hatten der chinesischen Volksbefreiungsarmee hatten monatelang an der Präzision ihres Auftritts gefeilt. Zentimetergenau setzten sie bei der Parade zum 60. Geburtstag der Volksrepublik China am Donnerstag ihre Schritte auf der Pekinger „Straße des ewigen Friedens“. Aus der Sicht der politischen Führung noch wichtiger als dieser minutiös geplante Aufmarsch war indes die Präsentation des Kriegsgeräts, das bei der ersten Militärparade seit zehn Jahren qualmend und dröhnend an den ausgewählten Zuschauern auf den Tribünen vorbeifuhr. Für China war dieser Tag die Gelegenheit zur Demonstration der neugefundenen Stärke.

Ein General hatte zuvor gesagt, dass China militärisch nun nicht mehr hinter anderen Ländern hinterherhinke. Zum ersten Mal seit seiner Amtsübernahme im Jahr 2002 nahm Staats- und Parteichef Hu Jintao die Parade ab. Die Sicherheitsvorkehrungen waren noch schärfer als bei den Olympischen Spielen in Peking im vorigen Jahr. Die Innenstadt war abgeriegelt. Die Anwohner waren aufgefordert worden, die Waffenschau am Fernseher zu verfolgen. Es wurden Flugverbote für Tauben und Lenkdrachen verhängt. Manche Anwohner reagierten genervt. „Es ist übertrieben und kleinlich. Die Straßen sind blockiert und es bereitet viele Unannehmlichkeiten“, klagte ein 30 Jahre alter Verkäufer.

Der Parteichef Hu Jintao, der gleichzeitig Oberbefehlshaber der Armee ist, fuhr in einer offenen Limousine der chinesischen Traditionsmarke „Rote Fahne“ stehend an den aufgereihten Soldaten vorbei. Er sprach die Soldaten immer wieder mit einem „Genossen, seid gegrüßt“ an. Die Streitkräfte antworteten brüllend im Chor: „Genosse Kommandant, sei gegrüßt.“ Das archaisch wirkende Ritual dient dazu, die Vorherrschaft der Kommunistischen Partei über das Militär zu bekräftigen und deren Stärke zu demonstrieren.

„Unsere Soldaten sind die attraktivsten der Welt“

Die Parade mit 8000 Soldaten sowie 500 Panzern, mobilen Raketenabschussrampen und anderen Militärfahrzeugen war zumindest dem technischen Aufwand nach die größte der chinesischen Geschichte. 151 Kampfflugzeuge und Hubschrauber flogen in Formation über die Pekinger Innenstadt. Als Höhepunkt der Parade wurden die Interkontinentalraketen aus der „Ostwind“-Reihe präsentiert, die mit Nuklearwaffen bestückt werden und bis nach Amerika reichen können. Chinas Militär, das derzeit etwa 2,3 Millionen Soldaten hat, baut Personal ab, rüstet aber technologisch auf. Die Machtdemonstration diente nicht nur der Abschreckung nach außen, sondern richtete sich auch an das eigene Volk. Viele sind stolz auf ihre starke Nation: „Ich fühle mich sicher, weil wir ein starkes Land hinter uns haben, das uns beschützt“, sagte ein Büroangestellter. „Ich denke immer, unsere Soldaten sind die attraktivsten der Welt. Sie laufen so graziös“, sagte eine Verkäuferin.

Hu Jintao versicherte, dass China der „friedlichen Entwicklung“ verpflichtet sei. Unter dieser Parole versucht die Regierung seit einiger Zeit, Ängsten im Ausland entgegenzutreten. Die Staatsmedien beteuerten, dass China eine „defensive Militärpolitik“ verfolge. Diesen Eindruck sollte auch das bunte Allerlei unterstreichen, das den Militäraufmarsch begleitete. Auf dem Platz des Himmlischen Friedens formten 80.000 Schulkinder aus Plastikblumen bunte Schriftzeichen. Bei einem Festzug mit mehr als 100.000 Darstellern wurden die Errungenschaften Chinas glorifiziert. Am Ende flogen Tauben über den Platz des Himmlischen Friedens und Kinder ließen knallbunte Luftballons aufsteigen.

Beschwören der Harmonie der Völker in China

Menschenrechtsgruppen kritisierten zum Staatsgeburtstag die autoritäre Herrschaft der Kommunisten. Exilorganisationen der Uiguren und Tibeter beklagten die politische und kulturelle Unterdrückung ihrer Völker. Nach den blutigen Unruhen in Tibet und Xinjiang hatte die Führung zum Nationalfeiertag die Harmonie der Völker in China herausgehoben. Davon zeugten auch die Säulen an beiden Seiten des Tiananmen-Platzes, von denen jede eine der 56 chinesischen Volksgruppen repräsentierte. Die bunte Parade zum Staatsgeburtstag diente so auch der ideologischen Schulung der Massen. Die 60 Jahre sozialistischer Ideologiegeschichte wurden den Zuschauern aber in verdaulichen Häppchen dargeboten. Hinter den Porträts der vier Führungsfiguren Mao Tse-tung, Deng Xiaoping, Jiang Zemin und Hu Jintao wurden Schriftzeichen mit den Sammelbegriffen für das jeweilige politische Erbe an den Tribünen vorbeigetragen.

Trotz aller ideologischen Flexibilität, der chinesischen Führung in den vergangenen Jahren ließ Hu Jintao keinen Zweifel, dass China neben Reform und Öffnung auch am Sozialismus festhalten werde. Der Parteichef hielt seine Rede an derselben Stelle auf dem Tor des Himmlischen Friedens, an der vor 60 Jahren Mao Tse-tung die Gründung der Volksrepublik verkündet hatte. Die damaligen Worte des „Großen Vorsitzenden“ schallten auch am Donnerstag wieder über den Platz des Himmlischen Friedens, nur dieses Mal kam die Stimme vom Band.

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Jahrgang 1976, politischer Korrespondent für Südostasien.

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