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Zehn Jahre nach 9/11 Stückwerk am Hindukusch

 ·  Das Problem hinter Al Qaida war Afghanistan. Das Problem hinter Afghanistan ist Pakistan. Das Epizentrum des Terrorismus ist nicht kleiner geworden, sondern hat sich verbreitert.

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Stationen einer Augustwoche im Jahr 2011: Am 14. des Monats vereitelte die indische Marine einen Piratenangriff und stellte dabei Material sicher, das einen Verdacht bestätigt: Somalische Piraten sind in Pakistan von der Terrorgruppe „Lashkar-e Taiba“ trainiert worden. Fünf Tage später sprengte sich ein Selbstmordattentäter vor dem schwer gesicherten Eingang des britischen Kulturinstituts in Kabul in die Luft; danach stürmten mehrere Taliban auf das Gelände und feuerten auf alles, was sich bewegte. Drei Tage danach flog eine amerikanische Drohne über Nord-Wasiristan und schoss eine Rakete ab, die den Operationschef von Al Qaida, Atiyah Abd al Rahman, tödlich traf.

Vordergründig haben die drei Ereignisse nichts miteinander zu tun, aber zusammengenommen geben sie eine Antwort auf die Frage, ob sich die Bedrohung aus der Region nach zehn Jahren Krieg vermindert hat: In der Region werden noch immer Terroristen und Kriminelle für den „Kampf gegen den Westen“ ausgebildet. Die Anschläge in der Region haben exorbitant zugenommen und sind professioneller geworden. Die Drahtzieher des transnationalen Terrorismus halten sich weiterhin in der Region auf.

Minimalziel erreicht

Seit sich abzeichnet, dass die Pläne für ein modernes, demokratisches Afghanistan zu scheitern drohen, sagen westliche Politiker, Diplomaten und Militärs, dass der Einsatz der Schutztruppe Isaf wenigstens sein Minimalziel erreicht habe: ein Afghanistan, das nicht mehr Brutstätte und Zufluchtsort für Terroristen ist. Als Beleg dienen der Erfolg beim Ausschalten von Extremisten und die Tatsache, dass es Al Qaida in den vergangenen sechs Jahren nicht mehr gelungen ist, einen spektakulären Anschlag in Amerika oder Europa zu verüben.

Das Argument steht auf schwachen Füßen. Die Stationierung von bis zu 130.000 Soldaten und der Aufbau einer Nationalarmee haben Afghanistan zweifellos verändert. Der Schutz, den Terroristen unter dem Taliban-Regime genossen und der im Oktober 2001 den internationalen Militäreinsatz rechtfertigte, ist nicht mehr gegeben. Die meisten ausländischen Terroristen sind aus Afghanistan geflohen und unterstützen den Kampf der Taliban überwiegend aus der Nachbarschaft. Als Erfolg lässt sich das kaum bezeichnen. Das Epizentrum des transnationalen Terrorismus hat sich nur verlagert – es ist nun weiter ostwärts zu Hause, vor allem in den pakistanischen Stammesgebieten.

Brennpunkt Pakistan

Allen Beteuerungen Islamabads zum Trotz leben heute nirgendwo so viele Terroristen wie in Pakistan. Fast alle bedeutenden Kommandeure von Al Qaida sind auf pakistanischem Boden gefasst oder getötet worden, vom Kuweiter Khalid Scheich Mohammed und dem Briten Scheich Omar über den Indonesier Umar Patek bis hin zu Usama Bin Ladin und zum Libyer Atiyah Abd al Rahman. Der neue Anführer von Al Qaida, der Ägypter Ayman al Zawahiri, wird ebenfalls in Pakistan vermutet, so wie die Anführer der großen pakistanischen Terrororganisationen mit internationaler Agenda, von der Lashkar-e-Taiba (LeT) bis zur Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP). Selbst die Führung der afghanischen Taliban ist irgendwo zwischen Quetta und Karachi untergetaucht – schon fast zehn Jahre lang. Die einzigen, die bestreiten, dass in Pakistan Terroristen unterschlüpfen, sind die Politiker und Generäle, die das Land führen.

Die frühere amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice begründete die Schwierigkeiten der Terrorbekämpfung einmal in zwei Sätzen: „Amerikas Strategie gegenüber Al Qaida funktionierte nicht, weil unsere Strategie gegenüber Afghanistan nicht funktionierte. Und unsere Strategie gegenüber Afghanistan funktionierte nicht, weil unsere Strategie gegenüber Pakistan nicht funktionierte.“ Dieser Aphorismus, den Frau Rice vor sieben Jahren zu Protokoll gab, hat die Zeit überdauert.

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