Demokratie am Ground Zero: Der Gestaltungswille des Volkes am Nullpunkt des Nichtzugestaltenden. Zwei Männer am Ort eines monumentalen Anschlags, die möglichst wenig miteinander zu tun haben wollten und am zehnten Jahrestag des infernalen Massenmordes doch nicht anders können, als vorzuführen, dass es bei allen Wahlmöglichkeiten doch kein Entrinnen aus den Umständen gibt.
Obamas Einladung an seinen Amtsvorgänger Bush, gemeinsam an der Totenehrung teilzunehmen, ist auch das Eingeständnis, dass die Kontinuität stärker ist als die angestrebte Diskontinuität. Obama war einst – wer erinnert sich noch – zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden, weil die Wähler den Schlussstrich unter eine als insgesamt schrecklich empfundene Amtszeit ziehen wollten und er in seiner Person, in seiner Machtdarstellung und in seinen Plänen die größte Unterscheidung vom amtierenden Präsidenten Bush bot. Gut eine halbe Wahlperiode danach symbolisiert der gemeinsame Auftritt, dass eine neue Politik immer nur die Fortsetzung der Geschichte mit anderen Mitteln ist.
Schmerzhafte Folgen und Feldzüge
Amerika erlebt einen außergewöhnlich erbitterten Dauerwahlkampf bis zur Präsidentenwahl. Doch manche Zuspitzungen um die Finanz- oder Sozialpolitik sind neben ihrem Selbstzweck auch Fluchtversuche aus dem Gefängnis des 11. September 2001, aus dem es jedoch so schnell noch kein Entrinnen gibt. Weder ist die Gefahr des islamistischen Terrorismus endgültig gebannt, noch sind die Feldzüge in Afghanistan und Irak zu Ende gebracht oder Guantánamo bereinigt – nicht einmal das Gelände in New York ist wieder bebaut. Und niemand weiß, wann die damals angegriffene Nation geistig und seelisch oder intellektuell und mental je das mit Bombenwucht erzeugte Misstrauen verarbeitet haben wird.
Bush und Obama nebeneinander mindern nicht den Sinn der Wahl von Personen oder der Begrenzung von Amtszeiten, sondern die Sinnhaftigkeit des Denkens, Redens und Handelns in Schwarz und Weiß, in Gut und Böse, in angeblich absoluten Wahrheiten.
Die Wahl neuer Kandidaten und Programme ändert an der Wirklichkeit viel weniger als der allgegenwärtige Begriff der Demokratie verheißt. Der gemeinsame Auftritt macht bewusst, dass nichts, was einmal geschehen ist, durch eine demokratische Wahl geheilt werden kann. Das macht solche Verbrechen historisch unverjährbar.
Zwei Lügen zusammen ergeben mitnichten eine Wahrheit
Herold Binsack (Devin08)
- 12.09.2011, 11:58 Uhr
Es war ein ganz, ganz schlimmes Verbrechen,
Herbert Frohnhofen (HFrohnhofen)
- 12.09.2011, 11:03 Uhr
Heute haben wir den 12.09.
Hanspeter Bühler (Napoleon3)
- 12.09.2011, 09:46 Uhr
Reichstagsbrand/ "A new Pearl Harbor"
Walter Russell (fritzjosef)
- 12.09.2011, 09:18 Uhr
So richtig der Kommentar ist, so ungerne nimmt man jedoch seine
Jürgen Braun (perfekt57)
- 11.09.2011, 23:20 Uhr
