Am 22. Juli 2011 war Eivind Dahl Thoresen auf dem Heimweg von seinem Ferienjob, als in Oslo die Bombe explodierte. Vier Meter weit sei er durch die Luft geschleudert worden, berichtete der Jurastudent am Mittwoch im Amtsgericht der norwegischen Hauptstadt. „Als ich wieder zu mir kam, wollte ich den Verletzten rundherum helfen. Wie es mir selbst ging, wusste ich ja noch nicht.“ Es sollte mehrere Wochen dauern, bis die Splitter aus dem Körper des Sechsundzwanzigjährigen entfernt und seine Brandwunden so weit behandelt waren, dass er das Krankenhaus wieder verlassen durfte. Seine in ruhigen Worten vorgebrachte Schilderung des Attentats und der Spätfolgen - noch immer ist er auf Krücken angewiesen und leidet unter Angstvorstellungenbrachte - brachte einige Zuhörer im Gerichtssaal zum Weinen.
Der Angeklagte Anders Behring Breivik ließ sich von der Begegnung mit einem seiner überlebenden Opfer hingegen nicht beeindrucken. Breivik hat gestanden, dass er als „Notwehrmaßnahme“ gegen eine angeblich drohende Überfremdung Europas die Bombe in Oslo gezündet, danach ein Massaker auf der Insel Utøya verübt und insgesamt 77 Menschen getötet hat. Deshalb ist die entscheidende Frage der bis zum 22. Juni angesetzten Verhandlung, ob der Geisteszustand des Täters eine Gefängnisstrafe ermöglicht oder eine Einlieferung in eine psychiatrische Anstalt erfordert. Am Mittwoch erhielt Breivik nach dem Aufeinandertreffen mit Eivind Dahl Thoresen Gelegenheit, die beiden vorliegenden, im Ergebnis gegensätzlichen psychologischen Gutachten zu kommentieren.
Die Experten, die ihn für paranoid schizophren und daher nicht straffähig halten, hätten sich von seiner Tat emotional zu sehr erschüttern lassen und ihn an mehr als 200 Stellen absichtlich falsch wiedergegeben, um zu ihrer Diagnose zu kommen, behauptete Breivik. „Sie können sich nicht vorstellen, dass ein normaler Mensch zu so etwas fähig ist.“ Auch das zweite Gutachterduo, das ihn zwar als straffähig, aber auch als krankhaft narzisstisch beschreibt, liege falsch. „Ich bin nicht narzisstischer als die meisten erfolgreichen Geschäftsleute in Norwegen.“
oslo soll den beweis geben
mahmud massad (asaad)
- 26.04.2012, 19:50 Uhr
