05.06.2003 · Ein Augenzeuge, der mit Möllemann abgesprungen war, glaubt fest an Selbstmord: In 600 Meter Höhe habe sich der Fallschirm vom Körper Möllemanns gelöst. „Er muß ihn abgetrennt haben. In dieser Flugphase kann nichts anderes passieren."
Ein Augenzeuge des tödlichen Fallschirm-Absprungs Jürgen Möllemanns geht von einem „klaren Selbstmord“ aus. Gemeinsam mit dem früheren FDP-Politiker war der Zeuge aus einem Flugzeug abgesprungen. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln nach eigenen Angaben sowohl in Richtung eines Unfalls wie auch eines Freitodes.
Polizeisprecher Volker Ernst-Peper sagte, nach einer Gewitterwarnung am Vortag hätten die Springerfreunde den eigentlich für den Mittwoch geplanten Absprung zunächst verschoben und dann am Donnerstagmittag schließlich grünes Licht gegeben. Bei der Vorbereitung der Absprünge habe der erfahrene Fallschirmspringer Möllemann jedoch die Teilnahme an einem Gruppensprung abgelehnt, den fünf der Vereinsmitglieder geplant hatten. Der Politiker habe darauf bestanden, allein das Flugzeug zu verlassen.
Der Zeuge berichtete unmittelbar nach dem tödlichen Sprung am Donnerstag, Möllemann sei am Mittag gemeinsam mit neun weiteren Fallschirmspringern auf dem Flugplatz Marl-Loemühle in ein Kleinflugzeug des Typs „Pilatus Porter“ gestiegen. „Wie alle anderen hat er der Vorschrift entsprechend alle Sicherheitssysteme am Fallschirm eingeschaltet." In cirka 4000 Meter Höhe sei Möllemann gemeinsam mit der Gruppe aus der Maschine gesprungen.
"Wir beobachteten, wie sich die Schirme öffneten"
"Alles lief reibungslos, wir beobachteten, wie sich die Schirme öffneten. Als Springer zählt man automatisch durch. Alle Schirme haben sich einwandfrei geöffnet. Möllemann war gut an den großen Initialen J.W.M. auf seinem blau-gelben Hauptschirm zu erkennen", berichtete der Mann weiter. „Die Gruppe steuerte problemlos das Flugfeld zur Landung an, alles lief wie am Schnürchen, sie segelten ganz gemütlich.“
Rettungssystem ausgeschaltet?
In etwa 600 Meter Höhe habe sich dann der Schirm vom Körper Möllemanns gelöst. „Er muß ihn abgetrennt haben. In dieser Flugphase kann nichts anderes passieren. Es gibt keine andere Möglichkeit", sagte der Zeuge, der selbst ein erfahrener Fallschirmspringer ist. Der Notschirm sei nicht ausgelöst worden und ein automatisches Rettungssystem, das sich selbst bei Bewußtlosigkeit des Springers aktiviere, habe den Rettungsschirm nicht gezündet, berichtete der Zeuge weiter. „Das Rettungssystem war aber vor dem Abflug eingeschaltet worden. Er muß es ausgeschaltet haben.“
Möllemann sei dann ohne jegliche Bremsung zur Erde gestürzt und in einem Kornfeld unmittelbar neben der Landestelle aufgeprallt. „Fassungslos liefen die anderen zu der Stelle. Es war furchtbar, das tut man auch anderen Flugkameraden nicht an. Bei aller Verzweiflung und Mitleid macht sich auch ein Gefühl ohnmächtiger Wut in einem breit", sagte der Zeuge.