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Kommunistische Staaten : Das Geheimnis der Macht

In Gedenken an den Revolutionär und Begründer der Sowjetunion: Wladimir Iljitsch Uljanow alias Lenin Bild: dpa

Vor über 25 Jahren zerfiel mit der Sowjetunion auch der gewaltige Ostblock. Was ist seitdem vom Kommunismus übrig geblieben? China und Russland fordern den Westen heute mehr denn je heraus, sagt der Historiker Gerd Koenen.

          Lenin habe „eine Atombombe“ unter das Gebäude Russlands gelegt, und die sei dann explodiert. Es war nicht etwa ein glühender Antikommunist, der vor einem Jahr so urteilte, sondern der russische Präsident Wladimir Putin. Er schlug sogar vor, den Revolutionsführer endlich zu begraben. Zwar liegt Lenin, genauer gesagt sein einbalsamierter Leichnam, weiter im Mausoleum am Roten Platz und dient als Touristenattraktion. Ein Objekt der Verehrung ist er aber nicht mehr.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          In diesem Jahr ist es hundert Jahre her, dass die russischen Bolschewiki in Russland die Macht übernahmen, angeführt von ebenjenem Wladimir Iljitsch Lenin. Es folgte ein jahrelanger verheerender Bürgerkrieg zwischen den Roten und den zarentreuen Weißen. Aus Russland entstand die Sowjetunion, das Mutterland des Kommunismus. Doch mit Lenin und der Oktoberrevolution tut sich die heutige Führung in Moskau schwer. Noch ist unklar, wie die Gedenkfeiern ausfallen sollen. Schließlich zettelte Lenin, mit Hilfe der deutschen Militärführung aus dem Schweizer Exil ins revolutionäre Petrograd eingeschleust, eine rote, also eine farbige Revolution an. Und vor solchen Revolutionen warnt die heutige Führung pausenlos. Putin hält es lieber mit dem weißen General Anton Denikin: An dessen Grab legte er vor einigen Jahren Blumen nieder, Leute wie ihn würdigt Putin als Verteidiger der Einheit des großen Russlands. Lenin war hingegen deren Zerstörer. „In Kategorien der russischen Revolution müsste man sagen: Es ist ein Wechsel von Rot zu Weiß“ – so beschreibt der Historiker Gerd Koenen den Platztausch der Ideologien. Ganz vollständig ist der Tausch indes nicht. Der Hyperdiktator Stalin, Sieger im Zweiten Weltkrieg, kommt wieder vermehrt zu Ehren – als Retter des starken Staats. So lässt sich die sowjetische Geschichte in die Erzählung vom ewig großen Russland eingemeinden.

          Doch was ist vom Kommunismus geblieben? Was machte den Erfolg dieser Jahrhundertbewegung aus? Und was ihren Niedergang? Das sind die Fragen, die Forscher wie Koenen umtreiben. Der Fachmann für Kommunismusgeschichte hat dazu eine Ausstellung aus 25 Postern entworfen, die seit dieser Woche im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen ist. Die Poster wurden auch tausendmal an Schulen, Vereine und Stiftungen versandt. Zudem sitzt Koenen an einem großen Buch: „Die Farbe Rot“. Es will dem Geheimnis des Kommunismus auf die Spur kommen, dem Hochmodernen wie dem Uralten, das darin steckte.

          Was war das Neue, das Lenin entwarf? Vor allem der Typ einer professionellen Kaderpartei. Mit einer Doktrin, auf die alle eingeschworen wurden, und einem straffen Apparat, der die Macht zunächst erkämpfen und nach dem Sieg der Kommunisten dann auch ausüben sollte. Dieses Konstrukt sollte fortan für alle revolutionären Parteien leninistischen „neuen Typs“ auch außerhalb der Sowjetunion gelten. Die bildeten seit 1920 die Kommunistische Internationale, gesteuert aus Moskau. Dort wurde die Linie vorgegeben und die „Trademark“ verliehen: Mitglied des sozialistischen Weltlagers, echt kommunistisch. So wurden selbst linksradikale Splitterparteien mehr, als sie in Wirklichkeit darstellten, nämlich Teil eines großen, teils realen, teils imaginären Verbundes. Eine Erfolgsstory war die Internationale zunächst trotzdem nicht. In der Weltwirtschaftskrise gelang ihr nicht der Durchbruch, obwohl der Feind, der Kapitalismus, da gerade weltweit taumelte. Der Aufstieg kam erst mit einem neuen Gegner, den faschistischen Bewegungen, vor allem dem deutschen Nationalsozialismus. Den bekämpften die Kommunisten, aber zeitweise paktierten sie auch mit ihm.

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