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Aufstand im Irak : Die Rache des Kreuz-Königs

Die Rückkehr des Stellvertreters: Izzet Ibrahim al Duri Bild: picture alliance / AP Photo

Der Mann hinter dem Aufstand der Sunniten ist ein alter Bekannter: Izzet Ibrahim al Duri, Saddam Husseins harte Hand, seit elf Jahren auf der Flucht. Nun will er den Untergang des alten Regimes rächen - wird ihm der Einmarsch nach Bagdad gelingen?

          Seit elf Jahren ist Izzet Ibrahim al Duri auf der Flucht. Wiederholt wurde die Verhaftung des Stellvertreters von Saddam Hussein bekanntgegeben, mehrfach wurde er voreilig für tot erklärt. Doch noch immer wirkt Duri, der „Kreuz-König“ im amerikanischen Kartenspiel von 2003, das die meistgesuchten Iraker im Regime von Saddam Hussein führt, im Untergrund. Vieles spricht dafür, dass der fromme Muslim Duri im Aufstand der sunnitischen Provinzen gegen die Regierung des schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al Maliki eine entscheidende Rolle spielt. Er ist seit 2007 der Vorsitzende der im Untergrund tätigen irakischen Baath-Partei.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Als deren bewaffneter Arm gilt die „Armee der Männer des Ordens der Naqshbandija“, die 2006 gegründet wurde. Zunächst sollte sie die Mitglieder des Ordens schützen. Zunehmend arbeitete die Miliz dann mit Dschihadisten zusammen. Sie erklärte, mit allen zu kooperieren, die ihr Ziel teilten, die Macht der Schiiten zu brechen. Duri, der selbst dem Orden der Naqshbandija angehört, soll deren spirituelles Oberhaupt sein, nicht aber der operative Führer dieser Miliz. Die Vereinigten Staaten haben auf seine Ergreifung ein Kopfgeld von 10 Millionen Dollar ausgesetzt.

          Kreuz-König: Ausschnitt des amerikanischen Kartenspiels mit Fahndungsfotos irakischer Führungsfiguren

          Duri bringt die Voraussetzungen mit, die drei wichtigsten sunnitischen Gruppen im Irak, die in den vergangenen Jahren nichts miteinander zu tun haben wollten, für einen Aufstand gegen den neuen irakischen Staat zusammenzuführen: Als frühere rechte Hand von Saddam Hussein spricht Duri die weit über 100.000 zwangspensionierten Soldaten der 2003 aufgelösten Armee an, die in Mossul wohnen. Als Saddams ehemaliger Beauftragter für die Stämme des Nordirak kennt er die dortigen Stammesführer, und als frommer Muslim findet er auch bei den Dschihadisten Gehör.

          Izzet Ibrahim al Duri wurde am 1. Juli 1942 in Takrit geboren und war fünf Jahre jünger als der ebenfalls aus Takrit stammende Saddam Hussein. Die beiden gehörten demselben Clan an, sie wurden Freunde und Weggefährten. Saddam Hussein soll an Duri dessen Härte, aber auch dessen Witz geschätzt haben. Duri, dessen Vater ein Eisverkäufer war, gehörte zum engen Kreis um Saddam Hussein, als sich der 1968 an die Macht geschossen und geputscht hat. Der rothaarige und asketisch wirkende Duri stieg zum stellvertretenden Staatspräsidenten, zum stellvertretenden Vorsitzenden des Revolutionsrates, des wichtigsten Gremiums von Saddams Republik, und zu dessen Stellvertreter an der Spitze der Streitkräfte auf. Einmal sagte Duri öffentlich zu Saddam Hussein: „Selbst deine Fehler sind richtig.“

          Saddam Hussein entsandte meist seinen langjährigen Außenminister Tareq Aziz ins Ausland, wenn er Sympathie erzeugen wollte. Wollte er aber Kompromisslosigkeit und Härte demonstrieren, schickte er Duri - so noch am Vorabend des irakischen Einmarsches vom 2. August 1990, als Duri im saudischen Dschidda die kuweitische Führung spüren ließ, was sie in den Stunden danach zu erwarten hatten. Zwei Jahre zuvor war er für die irakischen Streitkräfte im Nordirak verantwortlich und damit auch für den Giftgasangriff auf die kurdische Stadt Halabdscha. Anfang 1991 warnte er die Kurden, dass sich Halabdscha jederzeit wiederholen lasse.

          Duri vermutlich oft in Mossul

          Nach der Vertreibung der irakischen Armee durch eine internationale Streitmacht aus Kuweit im Februar 1991 und nach der Verhängung des Sanktionsregimes gegen den Irak war es Duri, der Saddam Hussein drängte, eine islamische Politik zu verfolgen. Duri selbst leitete die „Kampagne des Glaubens“ (al hamla al imanija). Seither steht auf der irakischen Flagge „Allahu akbar“ geschrieben. Duri setzte auch durch, radikale antiwestliche Gruppen sunnitischer Muslime mit Staatsgeldern zu fördern. Duri wurde so zum Repräsentanten des extremistischen sunnitischen Flügels in der Baath-Partei.

          Im Juli 2003 kondolierte er Saddam Hussein zum Tod von dessen Söhnen Udai und Qusai. Beide waren drei Monate nach dem Sturz von Saddam Hussein in einem Haus in Mossul getötet worden. Es wird vermutet, dass sich Duri oft in Mossul aufhält. In Mossul fanden 2009 die ersten Anschläge der „Armee der Männer des Ordens der Naqshbandija“ statt. Unklar bleibt hingegen, wie sich Duri gegen Leukämie behandeln lässt, an der er seit den 1990er Jahren erkrankt ist. Zumindest hatte er sich 1999 in Wien gegen Leukämie behandeln lassen. Als er Saddam Hussein im Juli 2003 kondolierte, schrieb er, er werde nicht ruhen, bis dessen Söhne gerächt seien.

          Zuletzt meldete sich Duri in zwei Videos zu Wort. Das erste Video zirkulierte im April 2012. Anlässlich des 65. Jahrestags der Gründung der Baath-Partei erklärte Duri, der eine olivgrüne Uniform trug, dem Westen und Iran den Krieg. Er rief in der eine Stunde dauernden Rede alle „nationalistischen und islamischen Kräfte“ im Irak auf, die Regierung in Bagdad zu stürzen und beschimpfte die schiitische Regierung als Handlanger der „Mongolen“. Seit dem irakisch-iranischen Krieg von 1980 bis 1988 bezeichnete das irakische Regime Iraner und Schiiten als „Mongolen“; diese hatten 1258 Bagdad in Schutt und Asche gelegt. Er prangerte die „ausländische Intervention“ in Libyen an und pries die sunnitische Erhebung in Syrien.

          Duri wirkte in dem Video alt und gebrechlich. Der amerikanische Irak-Experte Michael Knights verglich Duri daraufhin mit Don Corleone im Roman und Film „Der Pate“, der gegen Ende ebenfalls im Hintergrund wirkte. Duris ältester Sohn Ahmad ist hingegen selbst, wird gemutmaßt, führend im „Widerstand“ tätig. In einem zweiten Video vom 5. Januar 2013 rief Duri abermals alle „nationalistischen und islamischen Kräfte“ zum „Sturz der safawidisch-persischen Allianz“ auf. Kurz darauf begannen in der Ortschaft Hawidscha die Proteste gegen die Regierung Maliki, die dieser blutig niederschlagen ließ. Das wurde zur Initialzündung für den Aufstand - hinter dem mutmaßlich Duri steckt.

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