18.05.2010 · Teheran hat abermals eine Chance verspielt. Ahmadineschads Abkommen mit Lula und Erdogan trägt einmal mehr die Handschrift der iranischen Taktierer, um der Welt einen Willen zur Kooperation vorzutäuschen. Nun wäre es an China, den angeblichen Durchbruch als Luftnummer zu entlarven.
Von Andreas RossEs gibt im Atomstreit mit Iran keinen Anlass zur Hoffnung. Die Erklärung, die der brasilianische Präsident Lula und der türkische Ministerpräsident Erdogan dem Regime in angeblich harten Verhandlungen abgetrotzt haben wollen, weist keinen Ausweg. Das Papier trägt vielmehr die Handschrift der iranischen Taktierer. Die haben es noch immer verstanden, Kooperationsbereitschaft vorzutäuschen, sobald sich der Rest der Welt zu Strafmaßnahmen aufzuraffen drohte.
Im vergangenen Oktober war der Handel „Spaltmaterial gegen Brennelemente“ eine frische Idee. Hätte Iran damals zu seinem Wort gestanden und einen Großteil seines Spaltmaterials gegen Brennstoff für seinen Forschungsreaktor getauscht, wäre das zwar auch nur ein kleiner Schritt gewesen.
Keine einzige Forderung des UN-Sicherheitsrates hätte Iran damit erfüllt. Aber zusammen mit dem Dialogangebot des amerikanischen Präsidenten hätte der Schritt das Zeug gehabt, ein Minimum an Vertrauen zu schaffen, ohne das Gespräche nicht fruchtbar sein können.
Teheran hat eine Chance verspielt
In sieben Monaten des inneren Streits und des Zeitschindens hat Iran diese Chance verspielt. Das hätten die selbsternannten Vermittler aus der Türkei und Brasilien Teheran klarmachen müssen, anstatt zur Pflege des eigenen Nachruhms als Friedensstifter (Lula) oder aus nachbarschaftspolitischem Kalkül (Erdogan) Iran wider besseres Wissen für sein Bekenntnis zur nuklearen Nichtverbreitung zu loben.
Die 1200 Kilogramm schwach angereichertes Uran, die Iran abgeben soll, entsprachen im vorigen Oktober mehr als drei Vierteln seines Vorrats, jetzt aber nur noch der Hälfte - Iran behielte also genug für mindestens eine Bombe. Erdogan und Lula haben Ahmadineschad nicht einmal das Versprechen abgenommen, dass Iran seine Bemühungen zur höheren Anreicherung von Uran wieder einstellt - obwohl Teheran diese Anreicherung mit dem Brennstoffbedarf des Teheraner Forschungsreaktors begründet.
Niemand in Europa oder in den Vereinigten Staaten hätte etwas dagegen, wenn der Türkei oder Brasilien ein kreativer Ansatz zur Lösung des Atomstreits einfiele. Dass sie sich aber von dem Teheraner Regime vorführen lassen, wird das Ansehen der aufstrebenden Mächte nicht mehren.
Wird Peking auch diese Finte als Vorwand benutzen, um Sanktionspläne zu durchkreuzen? Niemand könnte machtvoller als China den angeblichen Durchbruch von Teheran als Luftnummer entlarven.
china wird sich hüten
jan thoma (fritzrobert)
- 18.05.2010, 10:16 Uhr
Westliche Politik im Lichte des trilateralen Abkommens von Iran, Türkei und Bras
Thomas Effe (irananders.de)
- 18.05.2010, 11:12 Uhr
@ Lüder Omers
Dirk Berends (Berends)
- 18.05.2010, 12:00 Uhr
Am Iran Scheiden sich nicht nur die Politiker
Peter Szameitat (MAKSAS)
- 18.05.2010, 13:40 Uhr
Nihil sub sole novum (Kohelet)
Klaus Peter Kraa (Humanist)
- 18.05.2010, 14:31 Uhr