30.10.2009 · Optimisten sagen, Teheran suche einen gesichtswahrenden Weg, um den Atomstreit zu entschärfen. Skeptiker hingegen erinnern daran, dass Iran schon oft Entgegenkommen vorgetäuscht hat, um Zeit zu gewinnen.
Von Andreas RossMan darf dem iranischen Unterdrückerregime unterstellen, dass seine größte Sorge nicht der Krebstherapie gilt. Als es vom Ausland forderte, Brennstoff aus höher angereichertem Uran für einen Forschungsreaktor nach Teheran zu liefern, ging es ihm kaum um die Radionuklide, die dieser für medizinische Zwecke produziert. Sondern?
Schlimmstenfalls wollte Iran die Welt herausfordern und lässt den Kompromiss von Wien jetzt platzen, um unter diesem Vorwand sein Uran selbst höher anzureichern - also der Atombombe näher zu kommen. Die Hypothese der Hoffnung dagegen lautet, das isolierte Regime suche selbst einen gesichtswahrenden Weg, um den Atomstreit zu entschärfen.
Die notorisch uneinige Sechsergruppe muss nun befinden, ob diese Deutung hinfällig ist, weil Iran Nachforderungen stellt. Wohlmeinende werden sagen, die Führung habe auf die internen Kritiker eingehen müssen und nicht allem zustimmen können. Die Skeptiker brauchen nur daran zu erinnern, wie oft Iran schon Entgegenkommen vorgetäuscht hat, um Zeit zu gewinnen. Einen plausiblen Plan B haben sie aber auch nicht.