http://www.faz.net/-gpf-p98i

Asylpolitik : Schily für Flüchtlingslager in Afrika

  • Aktualisiert am

Mutter und Kind in einem Flüchtlingslager in der sudanesischen Provinz Darfur. Bild: dpa

Nach der Affäre um das deutsche Flüchtlingsschiff „Cap Anamur“ hat Innenminister Schily (SPD) den britischen Vorschlag aufgegriffen, in Nordafrika Aufnahmelager für Asylbewerber einzurichten, die nach Europa wollen. Der Chef der Organisation, Bierdel, wies Vorwürfe zurück.

          Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hat vorgeschlagen, an der nordafrikanischen Küste Lager für afrikanische Asylbewerber einzurichten.

          Dort sollten EU-Beamte die Asylanträge von afrikanischen Flüchtlingen vor ihrer Einreise in die Europäische Union prüfen. Schily erklärte in Brüssel: „Ich glaube, daß auch die nordafrikanischen Länder ein Interesse daran haben müssen, daß sich die Sache nicht so entwickelt, wie sie sich entwickelt.“

          Es müsse eine Lösung gefunden werden, Flüchtlinge aus Seenot zu retten, ohne dabei anderen Anreize für die Überfahrt zu geben. Aufnahmelager in Nordafrika - wie von Großbritannien vorgeschlagen - könnten eine Lösung sein. In den Lagern müßten Asylbewerber mit Ziel Europa bis zur Entscheidung über ihre Anträge warten. Hintergrund sind die Vorfälle um das Flüchtlingsschiff der deutschen Hilfsorganisation „Cap Anamur“, das Afrikaner im Mittelmeer aufgenommen und nach Italien gebracht hatte.

          „Cap Anamur“: Eskalation nicht geplant

          Der Chef der Organisation, Elias Bierdel, hat am Dienstag Vorwürfe einer Instrumentalisierung der vor der sizilianischen Küste geretteten Flüchtlinge von sich gewiesen. Der Vorwurf, die 37 Afrikaner zu Werbezwecken für seine Organisation mißbraucht zu haben, sei „völlig verrückt“, sagte Bierdel in Berlin. „Cap Anamur“ gehe es vor allem darum, Menschenleben zu retten.

          Bierdel gestand ein, die tagelange Inhaftierung in Italien sowie die Festsetzung des Schiffes seien alles andere als ein Erfolg gewesen. Die Organisation habe eine Eskalation der Ereignisse aber „nicht im Mindesten“ geplant. Nun müsse alles daran gesetzt werden, daß das Schiff so schnell wie möglich wieder auslaufen könne.

          Bierdel: Habe Rettung nicht aufgehalten

          Bierdel sagte, seine Organisation habe nie öffentlich angegeben, daß die Flüchtlinge aus Sudans Krisenregion Darfur stammten. Die Aussage der Afrikaner, aus dem Sudan zu kommen, habe man stattdessen mit Zurückhaltung aufgenommen. Es hätte an der Aktion im übrigen nichts geändert, wenn die Flüchtlinge eine andere Nationalität angegeben hätten, sagte er.

          Bierdel sagte weiter, es sei seine Pflicht gewesen, als humanitärer Leiter des Projektes „Cap Anamur“ an Bord des Schiffes zu gehen. Die Rettung habe er dadurch nicht aufgehalten. Damit trat Bierdel der Kritik des Gründers der Organisation, Neudeck, entgegen. Dieser hatte der Zeitung „Welt am Sonntag“ gesagt: „Die Crew schipperte sechs Tage ohne Not mit Flüchtlingen an Bord durchs Meer, damit ihr Chef Bierdel mit Kamerateams dazustoßen konnte".

          Asylgesuche abgelehnt

          Nach Informationen der italienischen Nachrichtenagentur Ansa sind die Asylgesuche der Afrikaner abgelehnt worden. 14 seien in ein Flüchtlingslager gebracht worden. Von dort sollen sie abgeschoben werden. Andere hätten Aussicht auf Gewährung von „humanitärem Schutz“. Die Männer stammen den Angaben zufolge nicht, wie von ihnen zunächst angegeben, aus der sudanesischen Krisenprovinz Darfur, sondern aus Nigeria, Niger und Ghana.

          Weitere Themen

          Nicht beim Sterben zuschauen

          Seenotrettung : Nicht beim Sterben zuschauen

          Erstversorgung, Seenotrettung, das ist der Plan, den die Sea-Eye-Gründer in Kneipen vorgestellt haben. Seitdem retten sie Menschen auf ihrer Flucht.

          Applaus für Merkel nach Konter gegen Weidel Video-Seite öffnen

          Affäre um AfD-Parteispenden : Applaus für Merkel nach Konter gegen Weidel

          Bundeskanzlerin Angela Merkel lässt im Bundestag die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel auflaufen. Weidel hatte ihre Redezeit während der Haushaltsdebatte vor allem dazu genutzt, die ihr vorgeworfene Spendenaffäre zu relativieren und andere Parteien für ihre eigenen Spendenaffären zu attackieren.

          „Die Partei muss radikal reformiert werden“

          Zukunft der CDU : „Die Partei muss radikal reformiert werden“

          Unternehmerin, Migrantin, lesbisch – und CDU-Mitglied. Im Interview mit FAZ.NET spricht die 27 Jahre alte Politikerin Diana Kinnert über die Sehnsucht nach konservativen Ikonen und unterstellte Merkel-Nähe.

          Trump warnt Truthähne vor Demokraten Video-Seite öffnen

          Nach Begnadigung : Trump warnt Truthähne vor Demokraten

          Die im Rahmen der Thanksgiving-Amnestie freigesprochenen Tiere Peas und Carrots würden vielleicht dennoch durch die Demokraten vorgeladen werden, sagte der amerikanische Präsident.

          Topmeldungen

          Merkel im Bundestag : Ein Satz wie Blei

          Wenn es um Migration geht, bemüht die Kanzlerin stets die Unantastbarkeit der Menschenwürde. Dabei treibt sie nicht nur Multilateralismus, sondern Wiedergutmachung. Das ist Wasser auf die Mühlen ihrer Kritiker. Ein Kommentar.
          Justitia, die Göttin der Gerechtigkeit

          Abgeschobener Gefährder : Das vorläufige Ende des Falls Sami A.

          Mit dem aktuellen Beschluss des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen geht eine Causa zu Ende, die sich zum größtmöglichen Debakel entwickelt hatte. Warum der Streit über die Abschiebung des Gefährders nun beigelegt ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.