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Asylpolitik : Schily für Flüchtlingslager in Afrika

  • Aktualisiert am

Mutter und Kind in einem Flüchtlingslager in der sudanesischen Provinz Darfur. Bild: dpa

Nach der Affäre um das deutsche Flüchtlingsschiff „Cap Anamur“ hat Innenminister Schily (SPD) den britischen Vorschlag aufgegriffen, in Nordafrika Aufnahmelager für Asylbewerber einzurichten, die nach Europa wollen. Der Chef der Organisation, Bierdel, wies Vorwürfe zurück.

          Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hat vorgeschlagen, an der nordafrikanischen Küste Lager für afrikanische Asylbewerber einzurichten.

          Dort sollten EU-Beamte die Asylanträge von afrikanischen Flüchtlingen vor ihrer Einreise in die Europäische Union prüfen. Schily erklärte in Brüssel: „Ich glaube, daß auch die nordafrikanischen Länder ein Interesse daran haben müssen, daß sich die Sache nicht so entwickelt, wie sie sich entwickelt.“

          Es müsse eine Lösung gefunden werden, Flüchtlinge aus Seenot zu retten, ohne dabei anderen Anreize für die Überfahrt zu geben. Aufnahmelager in Nordafrika - wie von Großbritannien vorgeschlagen - könnten eine Lösung sein. In den Lagern müßten Asylbewerber mit Ziel Europa bis zur Entscheidung über ihre Anträge warten. Hintergrund sind die Vorfälle um das Flüchtlingsschiff der deutschen Hilfsorganisation „Cap Anamur“, das Afrikaner im Mittelmeer aufgenommen und nach Italien gebracht hatte.

          „Cap Anamur“: Eskalation nicht geplant

          Der Chef der Organisation, Elias Bierdel, hat am Dienstag Vorwürfe einer Instrumentalisierung der vor der sizilianischen Küste geretteten Flüchtlinge von sich gewiesen. Der Vorwurf, die 37 Afrikaner zu Werbezwecken für seine Organisation mißbraucht zu haben, sei „völlig verrückt“, sagte Bierdel in Berlin. „Cap Anamur“ gehe es vor allem darum, Menschenleben zu retten.

          Bierdel gestand ein, die tagelange Inhaftierung in Italien sowie die Festsetzung des Schiffes seien alles andere als ein Erfolg gewesen. Die Organisation habe eine Eskalation der Ereignisse aber „nicht im Mindesten“ geplant. Nun müsse alles daran gesetzt werden, daß das Schiff so schnell wie möglich wieder auslaufen könne.

          Bierdel: Habe Rettung nicht aufgehalten

          Bierdel sagte, seine Organisation habe nie öffentlich angegeben, daß die Flüchtlinge aus Sudans Krisenregion Darfur stammten. Die Aussage der Afrikaner, aus dem Sudan zu kommen, habe man stattdessen mit Zurückhaltung aufgenommen. Es hätte an der Aktion im übrigen nichts geändert, wenn die Flüchtlinge eine andere Nationalität angegeben hätten, sagte er.

          Bierdel sagte weiter, es sei seine Pflicht gewesen, als humanitärer Leiter des Projektes „Cap Anamur“ an Bord des Schiffes zu gehen. Die Rettung habe er dadurch nicht aufgehalten. Damit trat Bierdel der Kritik des Gründers der Organisation, Neudeck, entgegen. Dieser hatte der Zeitung „Welt am Sonntag“ gesagt: „Die Crew schipperte sechs Tage ohne Not mit Flüchtlingen an Bord durchs Meer, damit ihr Chef Bierdel mit Kamerateams dazustoßen konnte".

          Asylgesuche abgelehnt

          Nach Informationen der italienischen Nachrichtenagentur Ansa sind die Asylgesuche der Afrikaner abgelehnt worden. 14 seien in ein Flüchtlingslager gebracht worden. Von dort sollen sie abgeschoben werden. Andere hätten Aussicht auf Gewährung von „humanitärem Schutz“. Die Männer stammen den Angaben zufolge nicht, wie von ihnen zunächst angegeben, aus der sudanesischen Krisenprovinz Darfur, sondern aus Nigeria, Niger und Ghana.

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