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Asien Historischer Besuch in China

26.04.2005 ·  Es ist der ranghöchste Kontakt zwischen Taiwan und China seit 1949: Der taiwanische Oppositionsführer Lien Chan besucht das Nachbarland. Ein historischer Besuch in einer kritischen Phase, denn Chinas Volkskongreß hatte Mitte März ein Anti-Abspaltungsgesetz verabschiedet.

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Zum ranghöchsten Kontakt zwischen Taiwan und China seit mehr als einem halben Jahrhundert ist am Dienstag der taiwanische Oppositionsführer Lien Chan in Nanking eingetroffen.

Der Vorsitzende der nationalchinesischen Kuomintang wollte in der ostchinesischen Stadt das Grabmal des Partei- und Republikgründers Sun Yatsen besuchen, der im kommunistischen China wie im demokratischen Taiwan verehrt wird. Nanking war unter der Kuomintang-Regierung viele Jahre die Hauptstadt Chinas.

China umwirbt taiwanesische Opposition

Es ist die erste offizielle Visite eines Kuomintang-Vorsitzenden in der Volksrepublik seit der kommunistischen Machtübernahme in Peking 1949. Beide Parteien hatten sich von den 20er bis 40er Jahren einen erbitterten Bürgerkrieg geliefert. Nach ihrer Niederlage war die Kuomintang mit ihren Truppen unter Generalissimo Chiang Kai-shek nach Taiwan geflüchtet.

Auf seiner einwöchigen Reise wird Lien Chan auch Peking, seinen Geburtsort Xi'an und Schanghai besuchen. Chinas Staatspräsident Hu Jintao wird ihn am Freitag empfangen. Während die kommunistische Führung den Kontakt zu Taiwans Präsident Chen Shui-bian meidet, weil sie ihm Unabhängigkeitsbestrebungen vorwirft, umwirbt sie die taiwanesische Opposition.

Der chinesische Unterhauspräsident Jia Qinglin hatte bereits Ende März erstmals eine Kuomintang-Delegation empfangen und dies als „herausragendes Ereignis in den Beziehungen zwischen beiden Seiten der Taiwan-Straße“ bezeichnet.

Gewaltsame Proteste

Der Abreise des Oppositionsführers wurde von gewaltsamen Protesten begleitet. Mehrere hundert Sympathisanten des Präsidenten Chen Shui-bian drangen trotz eines massiven Polizeiaufgebots in das Flughafengebäude in Taipeh ein und lieferten sich mit Unterstützern Liens teils handgreifliche Auseinandersetzungen, wie das Fernsehen zeigte. Sie warfen Steine, Eier und Sprengkörper. Mehrere Demonstranten wurden verletzt. Vor dem Flughafen demonstrierten ebenfalls mehrere hundert Gegner und Anhänger des Oppositionsführers.

Auf Transparenten wurden Lien und dessen Partei Verrat vorgeworfen: „Lien Chan verkauft Taiwan“ und „Lien Chan raus“. Der Kuomintang-Vorsitzende bezeichnete seinen Besuch in China dagegen als Meinungsaustausch über die „jüngsten Entwicklungen auf dem Festland“ und über „Fragen des Friedens, der Wirtschaft, des Handels und kulturellen Austauschs“.

Kritischer Zeitpunkt

Der Besuch Liens kommt zu einem kritischen Zeitpunkt in den schwierigen Beziehungen: Der Nationale Volkskongreß in China hatte Mitte März einstimmig ein Anti-Abspaltungsgesetz verabschiedet, das die Führung in Peking zum Einsatz militärischer Gewalt gegen jegliche Unabhängigkeitsbestrebungen Taiwans ermächtigt.

Ende März waren bei einer Demonstration der regierenden Demokratischen
Fortschrittspartei (DPP) 275.000 Menschen gegen das Anti-Abspaltungsgesetz auf die Straße gegangen. Die DPP warf der Opposition vor, sich zu einem „Propaganda-Instrument der Kommunisten“ zu machen.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa/AFP
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