http://www.faz.net/-gpf-7n2fs
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 05.03.2014, 19:25 Uhr

Ashton-Telefonat abgehört Wer waren die Scharfschützen auf dem Majdan?

Waren die Scharfschützen auf den Dächern rund um den Majdan von Janukowitsch angeheuert oder von der Opposition bezahlt? Ein abgehörtes Telefonat zwischen Estlands Außenminister und der EU-Außenbeauftragten Ashton stößt die Debatte neu an.

© AFP Der EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton

Wieder sorgt ein abgehörtes und im Internet veröffentlichtes Telefongespräch für Aufregung in der Ukraine-Krise. Anfang Februar war ein Telefonmitschnitt aufgetaucht, in dem eine Beraterin des amerikanischen Außenministers Kerry sich abfällig über die Rolle der Europäischen Union im Ukraine-Konflikt äußert. „Fuck the EU“, hatte Victoria Nuland am Telefon gesagt und so einen diplomatischen Eklat ausgelöst.

Nun gibt es den Mitschnitt von einem Telefonat zwischen Estlands Außenminister Urmas Paet und der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton, dessen Echtheit Paet nach Informationen der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Ria Novosti bereits bestätigt hat. Darin berichtet Peat von seinem Besuch in Kiew am 25. Februar.

Eine Ärztin (Olga Bogomolez) habe ihm berichtet, dass Scharfschützen auf die Menschen in Kiew schossen und sie töteten. „Ihr zufolge deuten alle Indizien darauf hin, dass Menschen auf beiden rivalisierenden Seiten von ein und demselben Scharfschützen erschossen wurden“, sagte Außenminister Paet in dem Gespräch, das auch vom Moskauer Staatsfernsehen veröffentlicht wurde. Die Ärztin habe gesagt, dass alle Menschen mit der gleichen Munition und auf die gleiche Art und Weise getötet wurden.

Estonian Foreign Minister Paet lays a wreath at a make-shift memorial for those killed in recent violence in Kiev © REUTERS Vergrößern Urmas Paet am 25. Februar in Kiew

Die Majdan-Koalition sei nicht gewillt, die Umstände der Todesschüsse zu klären, sagte Paet, das sei besorgniserregend. Damit sei der „Verdacht erhärtet, dass hinter den Scharfschützen nicht Janukowitsch, sondern jemand aus der Koalition gestanden habe“, soll Paet in dem Gespräch am 26. Februar gesagt haben.

Veröffentlichung des Anrufs „kein Zufall“

Paet wies mit Nachdruck zurück, eine Beurteilung darüber abgegeben zu haben, dass die damalige Opposition in Kiew an der Gewalt beteiligt gewesen sei. „Es ist äußerst bedauerlich, dass Telefonate abgehört werden“, sagte er in Tallinn. Die Veröffentlichung des Anrufs sei „kein Zufall“.

Bei den blutigen Zusammenstößen in der Hauptstadt Kiew starben im Februar fast 100 Menschen. Die prowestliche Opposition hatte den Machtapparat um den damaligen Staatschef Janukowitsch beschuldigt, die Schüsse auf Demonstranten angeordnet zu haben. Moskau betont dagegen immer wieder, dass Janukowitsch durch bewaffnete Kräfte mit einem Staatsstreich gestürzt wurde.

Hier das Youtube-Video mit dem abgehörten Telefongespräch, von Minute 8:20 an berichtet Paet von den Scharfschützen in Kiew (Achtung: das Video enthält Bilder von Verletzten und Toten):

Mehr zum Thema

Quelle: phi., FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Nach Amoklauf von München: Kerry bietet Steinmeier US-Hilfe an

Nach Amoklauf von München: Kerry bietet Steinmeier US-Hilfe an = Washington (dpa) - US-Außenminister John Kerry hat in einem Telefonat ... Mehr

23.07.2016, 23:29 Uhr | Aktuell
Amoklauf in München Neue Informationen zum Täter veröffentlicht

Die Polizei hat neue Hinweise zum Amokläufer von München bekanntgegeben. Der mutmaßliche Attentäter sei wegen einer depressiven Erkrankung in ärztlicher Behandlungen gewesen. Außerdem sei bei seiner Leiche ein Rucksack mit 300 Schuss Munition gefunden worden. Mehr

23.07.2016, 16:49 Uhr | Gesellschaft
Russisches Olympia-Geschäft Annektiert, abgekauft, abgemeldet

Russlands Leichtathletikverband hatte der Ukraine für Wera Rebrik von der Krim 150.000 Dollar gezahlt. Die Speerwerferin sollte in Rio Olympia-Gold holen. Ein ganz schlechtes Geschäft. Mehr Von Denis Trubetskoy, Kiew

23.07.2016, 13:36 Uhr | Sport
Viele Verletzte Zehn Menschen sterben bei Schießerei in München

Schock und Besorgnis nach der Schießerei vor einem Einkaufszentrum in München. Bei dem Anschlag waren zehn Menschen getötet worden, unter ihnen der mutmaßliche Täter. Das öffentliche Leben in München war nach Warnungen der Polizei am Abend der Tat fast völlig zum Erliegen gekommen. Am Morgen danach stürmten Beamte eine Wohnung im Stadtteil Maxvorstadt. Mehr

23.07.2016, 10:09 Uhr | Gesellschaft
Der Tag Drei Tage, drei Gewalttaten

Wieder ist es Bayern Mehr

25.07.2016, 07:22 Uhr | Wirtschaft

Abonnieren Sie den Newsletter „Politik-Analysen“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden