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Veröffentlicht: 03.03.2010, 12:31 Uhr

Arbeit und Familie Schröder will Pflegezeit auf zwei Jahre ausweiten

Familienministerin Kristina Schröder (CDU) will die Möglichkeit ausweiten, die Pflege von Angehörigen mit Berufstätigkeit zu verbinden. Zwei Jahre lang sollten Arbeitnehmer 50 Prozent arbeiten, aber 75 Prozent ihres Gehalts weiter verdienen. Darauf will sie einen Rechtsanspruch verankern, sagt sie im Interview mit der F.A.Z: „Der Steuerzahler trägt fast keine Kosten.“

© Matthias Lüdecke / FAZ „Die meisten älteren Menschen wünschen sich, zu Hause von ihren Angehörigen versorgt zu werden”, sagt die Familienministerin

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) will die Möglichkeit ausweiten, die Pflege von Angehörigen mit Berufstätigkeit zu verbinden. Zwei Jahre lang sollten Arbeitnehmer 50 Prozent arbeiten, aber 75 Prozent ihres Gehalts weiter verdienen. Darauf will sie einen Rechtsanspruch verankern.

2,2 Millionen Menschen sind in Deutschland pflegebedürftig, in zehn Jahren werden es schon drei Millionen sein - das wären dann mehr als Kindergartenkinder. Was können Sie tun, damit Arbeitnehmer Pflege und Beruf besser miteinander vereinbaren können?

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Die meisten älteren Menschen wünschen sich, zu Hause von ihren Angehörigen versorgt zu werden. Tatsächlich lebt nur ein Drittel der Pflegebedürftigen in einem Heim. Aber immer mehr pflegende Angehörige sind berufstätig, innerhalb von zwölf Jahren ist ihr Anteil von 40 auf 54 Prozent gestiegen. Schon jetzt gibt es die Möglichkeit, für die häusliche Pflege ein halbes Jahr aus dem Beruf auszusteigen. Aber viele Arbeitnehmer fürchten gravierende Nachteile. Ich möchte deshalb einen Rechtsanspruch auf eine Familien-Pflegezeit von zwei Jahren Dauer einführen. In dieser Zeit würde der pflegende Angehörige mindestens 50 Prozent arbeiten, bekäme aber, um davon leben zu können, 75 Prozent seines Gehalts. Später müsste er dann wieder voll arbeiten, bekäme aber weiterhin so lange 75 Prozent des Gehalts, wie er zuvor Teilzeit gearbeitet hat - bis also das Zeit- und das Gehaltskonto wieder ausgeglichen sind.

Was würde das kosten?

Der Steuerzahler trägt fast keine Kosten. Der Staat verzichtet lediglich auf Steuereinnahmen, wenn nur 75 Prozent des Gehalts gezahlt werden. Der Pflegeversicherung dagegen käme die Familien-Pflegezeit langfristig zugute, denn Pflege zu Hause kostet weniger als im Heim - abgesehen davon, dass sie dem Wunsch der Menschen entspricht.

Die Zeche zahlen die Unternehmen. Teilzeit verursacht Kosten.

Das wäre zu kurz gedacht, denn die Familien-Pflegezeit bringt den Unternehmen auch etwas. Der demographische Wandel ist in vollem Gange, und auch die Wirtschaft wird um das Thema nicht herumkommen. Viele Unternehmen sind doch schon heute damit konfrontiert. Vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag höre ich, dass die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf in den letzten Jahren ein großes Thema geworden ist. Ich glaube, dass es sich Unternehmen im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter nicht mehr lange leisten können, hier nicht flexibel zu sein. Zugegeben: Ein gewisses Risiko besteht für den Arbeitgeber dann, wenn Arbeitnehmer mitten in der Pflege-Teilzeit den Betrieb verlassen, ohne das zu viel bezahlte Gehalt wieder eingespielt zu haben. Wie sich Unternehmen dagegen absichern können, lassen wir gerade durchrechnen.

Die Voraussetzung wäre, dass man einen Angehörigen zu Hause pflegt.

Ja, aber es müssen nicht die eigenen Eltern sein, es können auch Kinder oder andere Angehörige sein. Ich werde das auch auf kein Alter beschränken, denn Pflegebedürftigkeit kann in jedem Alter vorkommen.

Durchschnittlich dauert die Pflege eines älteren Menschen aber acht Jahre. Wie soll die Lücke zwischen zwei und acht Jahren gefüllt werden?

Hier müssen wir nach individuellen Lösungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern suchen. Wenn sich die gesetzliche Familien-Pflegezeit bewährt, spricht ja nichts dagegen, privatwirtschaftlich Anschlussmodelle zu finden. Der Staat kann nicht alles regeln, aber wenn wir die Familien-Pflegezeit hinbekommen, wäre das schon ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

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Quelle: wahlrecht.de
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