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Unruhen in Ägypten Tote in Suez und Kairo

03.02.2012 ·  Die Lage in Ägypten nach den Gewaltexzessen im Anschluss an ein Fußballspiel bleibt explosiv. Bei Straßenschlachten in Suez und Kairo kamen am Freitag vier Menschen ums Leben. Hunderte wurden verletzt.

Von Rainer Hermann
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© dpa Nacht in Kairo: Protest mit Flaggen und Gasmasken

Bei blutigen Zusammenstößen sind am Freitag in Kairo und Suez vier Menschen getötet worden. Die Auseinandersetzungen zwischen Anhänger von Fußballvereinen aus Kairo und Aktivisten mit den Sicherheitskräften in der Umgebung des Innenministeriums in Kairo und rings um das Polizeihauptquartier dauerten auch am Freitag an. Seit Donnerstagabend wurden dabei nach Angaben des Gesundheitsministeriums mehr als 1690 Menschen verletzt. Nur während des Freitagsgebets blieb es vorübergehend ruhig.

In Suez waren zwei Demonstranten durch Schüsse der Sicherheitskräfte getötet worden. Mehr als 3000 Demonstranten hatten das Polizeihauptquartier umstellt und eine Polizeistation in Brand gesteckt. In Kairo wurde ein Demonstrant in unmittelbarer Nähe zum Innenministerium getötet, ein Offizier wurde versehentlich durch einen Militärwagen überfahren und getötet. Aktivisten stürmten ein Gebäude der Steuerverwaltung und warfen von dessen Dach Molotowcocktails auf die Polizei. In Alexandria hatten sich mehrere zehntausend Demonstranten vor dem lokalen Sitz des Hohen Militärrats aus Solidarität mit den Opfern der Ausschreitungen von Port Said versammelt, wo am Mittwoch nach einem Fußballspiel 74 Menschen getötet wurden.

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© dpa „Die Revolution geht weiter“: Protestierende Frau in Kairo

Die Proteste richteten sich am ersten Tag der dreitägigen Staatstrauer gegen die Polizei und den Hohen Militärrat, denen vorgeworfen wird, durch ihre Passivität und möglicherweise auch durch bewusste Provokationen die Ausschreitungen nach dem Fußballspiel zwischen Port Said und Ahli aus Kairo ermöglicht zu haben. Die Demonstranten forderten den Hohen Militärrat auf, die Übergabe der Macht an zivile Institutionen zu beschleunigen.

In Kairo spielten sich die heftigsten Kämpfe zwischen den „Ultras“ der Fußballvereine und den Sicherheitskräften in den Straßen nahe am Tahrir-Platz und insbesondere um das Innenministerium ab. Die Demonstranten bewarfen die Bereitschaftspolizisten mit Steinen, die Polizei setzte gegen sie Tränengas ein. Den Demonstranten gelang es, die von der Polizei errichteten Barrikaden und auch die Mauer zu überwinden, die das Militär am Eingang der Muhammad-Mahmud-Straße, die zum Innenministerium führt, während der Auseinandersetzungen im November errichtet hatte. Damals waren mehr als 40 Menschen getötet worden.

Das Innenministerium forderte die Demonstranten auf, auf den „Klang der Weisheit“ zu hören und eine Ausbreitung des Chaos zu verhindern. Innenminister Muhammad Ibrahim wies abermals jegliche Verantwortung für das Blutbad im Stadion von Port Said zurück und machte die verfeindeten Fans verantwortlich. Am Freitag waren in Kairo aus drei Stadtteilen Demonstranten auf den Tahrir-Platz marschiert. Sie forderten das Ende der Herrschaft des Hohen Militärrats. Der Prediger des Freitagsgebet fragte, wo denn die Sicherheitskräfte während des Blutbads im Stadion gewesen seien. Unmittelbar nach dem Ende des Freitagsgebets setzte die Bereitschaftspolizei Tränengas gegen die Demonstranten ein.

Auf der Sina-Halbinsel sind am Freitag zwei amerikanische Touristinnen und ihr Führer entführt worden. Sie waren im Wadi Sual auf dem Weg zum historischen Katharinenkloster, als zwei vermummte und bewaffnete Männer sie aufforderten, ihren Kleinbus zu verlassen, in dem sich weitere drei Touristen befunden haben sollen. Die ägyptische Regierung hat mit Hubschraubern die Suche nach den Entführten aufnehmen lassen. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete unter Berufung auf Beduinen des Sinai, die Entführer wollten Angehörige aus ägyptischen Gefängnissen freipressen. Wenige Tage zuvor waren im Nordsinai 25 chinesische Arbeiter aus demselben Grund entführt worden. Die Entführer wollen die Freilassung von Angehörigen erreichen, die wegen Anschlägen von 2004 bis 2006 Haftstrafen absitzen müssen.

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Jahrgang 1956, Korrespondent für Wirtschaft und Politik in der arabischen Welt mit Sitz in Abu Dhabi.

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