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Repression in Syrien Bloggen gegen Assad

09.12.2011 ·  Netzaktivisten haben eine Kampagne zur Freilassung Razan Ghazzawis gestartet. Die junge Syrerin ist am Sonntag verhaftet worden. Seitdem sind ihre Angehörigen ohne Nachricht über ihren Verbleib.

Von Markus Bickel
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„Mir macht es nichts aus, mit meinem echten Namen zu erscheinen“, schrieb Razan Ghazzawi noch vor zwei Monaten in einer E-Mail. Im Frühjahr, ein paar Wochen nach Beginn des Aufstands gegen das Regime von Syriens Präsident Baschar al Assad, war die 31 Jahre alte syrisch-amerikanische Bloggerin in den Libanon geflüchtet, weil sie erfahren hatte, dass verhaftete Freunde in Verhören nach ihr befragt wurden. „Erst als mein Vater sichergegangen war, dass an den Grenzübergängen und Flughäfen nichts gegen mich vorlag, traute ich mich wieder heimzukehren. Das war im Sommer“, sagte sie vor einigen Wochen in einem Interview mit der F.A.Z.„Seitdem halte ich mich zurück, um meine Familie nicht zu gefährden.“

Doch das half ihr nicht: Am Sonntag wurde Ghazzawi an einem Grenzübergang nach Jordanien verhaftet. Seitdem sind ihre Angehörigen ohne Nachricht über ihren Verbleib. Der Gefahr war sie sich bewusst: „Egal, was ich mache, wen ich treffe, was ich schreibe oder sage – man wird immer überwacht.“

Auf der Internetseite der lokalen Koordinierungskomitees und mittels des Kurznachrichtendienstes Twitter setzte sie sich dennoch für die Freilassung inhaftierter Demonstranten ein. Noch drei Tage vor ihrer eigenen Verhaftung schrieb sie freudig darüber, dass der syrische Blogger Hussein Ghrer nach 37 Tagen Haft aus dem berüchtigten Gefängnis des Luftwaffengeheimdienstes in Adra entlassen worden sei – „ein Ort, an dem die schlimmsten Foltermethoden gegen Häftlinge angewandt werden“.

Ruth Jüttner, die Syrien-Expertin von Amnesty International in Berlin, fürchtet, dass die Behörden Ghazzawi unter Druck setzen, die Namen anderer Aktivisten preiszugeben, die sich an der Organisation des Aufstands beteiligen. Im Internet haben Gesinnungsgefährten Ghazzawis eine Kampagne zu ihrer Freilassung gestartet. Wie in Tunesien und Ägypten auch hatten syrische Netzaktivisten bereits im Januar versucht, mittels Facebook Massenproteste zu organisieren.

Anders als in Nordafrika jedoch kam der Aufstand nur langsam in die Gänge, Ghazzawi selbst relativierte im Oktober die Bedeutung von Facebook und Twitter: „Zu behaupten, die sozialen Medien hätten eine entscheidende Rolle bei den Aufständen gespielt, ist eine gefährliche Missdeutung der Revolutionen.“

Wichtiger für die Vernetzung seien Skype und E-Mail. Ihre Unterstützer werben nun mit einem der letzten Aussprüche vor ihrer Verhaftung: „Wenn mir etwas passiert, erinnert euch daran, dass das Regime nicht die Gefangenen fürchtet, sondern die, die sie nicht vergessen.“

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Jahrgang 1971, Redakteur in der Politik.

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