25.08.2011 · Die libyschen Rebellen rücken unter heftigem Gegenfeuer auf die Heimatstadt Gaddafis, Sirte, vor. Nach unbestätigten Angaben gebe es Anzeichen für Massenexekutionen. Gaddafi ruft in einer Audiobotschaft Frauen und Kinder zum Kampf auf.
Kämpfer der libyschen Regimegegner sind am Donnerstag auf heftige Gegenwehr bei dem Versuch gestoßen, sich von Osten her Sirte zu nähern, der Heimatstadt des Diktators Gaddafi. Soldaten des alten Regimes hielten die Rebellen in der Nähe des Ortes Bin Jawad auf; nach unbestätigten Berichten sollen dabei etwa 20 Rebellen getötet worden sein. Offenbar haben Kämpfer Gaddafis mindestens Teile des Ölhafens Ras Lanuf zurückerobert.
Unterdessen rief Gaddafi die Bevölkerung zum Widerstand gegen die Rebellen auf, die er als Ratten bezeichnete. Auch Frauen und Kinder sollten am Kampf teilnehmen, sagte Gaddafi nach Angaben des arabischen Nachrichtensenders Al Dschazira in der kurzen Audiobotschaft. Diese wurde von einem regimetreuen Sender ausgestrahlt. In der Botschaft habe Gaddafi seine Anhänger aufgerufen, all jene aus der Hauptstadt zu vertreiben, die Schande gebracht hätten. Die Imame in den Moscheen sollten die Jugend zum Heiligen Krieg gegen die Rebellen aufrufen. „Vernichtet sie (die Rebellen) schnell. Ihr seid die große Mehrheit“, rief er. „Erlaubt den Ratten nicht, Tripolis an die Kolonialmächte zu übergeben.“
Auch in der Hauptstadt Tripolis nahmen Gaddafi-treue Kämpfer von Widerstandsnestern aus weiterhin Rebellen unter Beschuss, die aber den größten Teil der Stadt kontrollierten. Ali Tarhuni, der Ölminister der Rebellenregierung, sagte dieser Zeitung am Sitz der staatlichen Ölgesellschaft in Tripolis, die Lage habe sich bereits verbessert. Das Exekutivkomitee des Nationalen Übergangsrats, dessen Mitglieder zum Teil am Donnerstag von Benghasi nach Tripolis reisten und sich dort am Abend an die Bevölkerung wenden wollten, kümmere sich nun um die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser und Benzin sowie um die Abfallbeseitigung.
Dazu seien „Krisenkomitees“ für Tripolis und für den Rest des Landes eingerichtet worden. Tarhuni wollte die Frage nicht kommentieren, wo sich der Diktator Gaddafi aufhalte. Ein Kommandeur der Rebellen behauptete dieser Zeitung gegenüber, Gaddafi habe sich 150 Kilometer von der Hauptstadt entfernt verschanzt. Der amerikanische Sender CNN zitierte einen anderen Rebellenkommandeur mit der Behauptung, Gaddafi halte sich in einem Wohnhaus nahe seines früheren Hauptquartiers Bab al Azizija auf.
Arabische Liga lädt Übergangsrat ein
Das Nato-Hauptquartier legte Wert auf die Feststellung, dass die Allianz als Organisation keine Hilfe bei der Ergreifung Gaddafis leiste. Es könne allenfalls sein, dass einzelne Verbündete dies täten, hieß es in Brüssel. Der britische Verteidigungsminister Liam Fox hatte gesagt, die Nato stelle dem Übergangsrat sowohl Geheimdienstinformationen als auch Aufklärungsmittel zur Verfügung. Die britische Zeitung „Daily Telegraph“ hatte zuvor berichtet, eine Spezialeinheit der britischen Armee suche nach Gaddafi und dessen Söhnen. Ausländische Reporter sahen in Tripolis Leichname, deren Zustand darauf hindeute, dass es beim Sturm der Hauptstadt zu Massenexekutionen gekommen sei.
Die Indizien sprachen dafür, dass 30 in einem Feldlager getötete Männer zu den Truppen Gaddafis gehört hatten, während 17 in ein Krankenhaus gebrachte Leichname die Körper von Zivilisten gewesen sein dürften, die auf Seiten der Regimegegner standen.
Vier italienische Zeitungsreporter, die am Mittwoch nahe Zawija entführt und in eine Wohnung in Tripolis verbracht worden waren, wurden am Donnerstag „in einer Razzia“ befreit, wie italienische Zeitungen meldeten. Nach einem Bericht des Senders Al Dschazira haben die Aufständischen die Kontrolle über den Internationalen Flughafen im Süden von Tripolis übernommen.
Heftige Gefechte wurden aus dem Stadtteil Abu Salim gemeldet. In dem untertunnelten Militärkomplex Bab al Azizija, den die Rebellen am Dienstag eingenommen hatten, befanden sich auch am Donnerstag offenbar noch bewaffnete Kämpfer aus dem Gaddafi-Lager. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) begann in Tripolis mit der Einschiffung gestrandeter Migranten. Ein dazu gechartertes Schiff habe am Donnerstag anlegen können, teilte die IOM mit. Die meisten der rund 200 Ausländer, die sich für die Ausreise registriert hätten, seien Nordafrikaner und Philippiner.
Die Arabische Liga lud den Übergangsrat ein, Libyen auf einer Sitzung am Sonntag zu vertreten. Die Mitgliedsländer sähen den Rat als „einzigen legitimen Repräsentanten Libyens“ an, sagte Generalsekretär Nabil al Arabi. Die Liga hatte Vertreter Gaddafis im Februar ausgeschlossen.
Schmidt: Nichts ausschließen
Der parlamentarische Verteidigungs-Staatssekretär Christian Schmidt (CSU) warnte vor einer „Ausschließeritis“, was einen möglichen Stabilisierungseinsatz der Bundeswehr in Libyen betrifft. „Es kann sein, wenn die Vereinten Nationen, die EU oder die Nato das für notwendig halten, dass man zu Stabilisierungshilfe auch mit militärischen Elementen aufgefordert wird. Natürlich würden wir dann im Rahmen unserer eigenen Interessen und unserer internationalen Verantwortung nicht abseits stehen können.“
In dem Fall, so Schmidt, sollte das aber „keine reine Nato-Aktion“ sein, sondern „die arabische und nordafrikanische Nachbarschaft“ Verantwortung übernehmen. „Aber wenn Nato gefordert ist, dann sind auch wir gefordert.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte dem Radiosender NDR Info, eine Entsendung von Bundeswehrsoldaten nach Libyen stehe „im Augenblick überhaupt nicht auf der Tagesordnung“.
"Gaddafi ruft in einer Audiobotschaft Frauen und Kinder zum Kampf auf"
Helga Zießler (Steuernagel34)
- 25.08.2011, 23:51 Uhr
Bundeswehr vor!
Henriette Kaschulke (Wissibesser)
- 25.08.2011, 23:16 Uhr
Alles schreckliche Heuchler
Achmed Dybe (a-we)
- 25.08.2011, 21:54 Uhr
Das wichtigste für die Rebellen
Jutta Richter (JuttaRichter)
- 25.08.2011, 21:34 Uhr
Gaddafi: "Rettet mich"!
Teito Klein (Pandora0611)
- 25.08.2011, 21:20 Uhr